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«Ich bin ein bisschen Laborant», sagt der Brunnenmeister von Amriswil

Die Regio Energie Amriswil feierte am Samstag ihr 100-jähriges Bestehen. Brunnenmeister Hugo Egloff führte rund 120 Personen durch das Wasserwerk der REA in Kesswil.
Sara Carracedo
Brunnenmeister Hugo Egloff testet das Wasser auf coliforme Keime mit Nährmedium. (Bild: Sara Carracedo)

Brunnenmeister Hugo Egloff testet das Wasser auf coliforme Keime mit Nährmedium. (Bild: Sara Carracedo)

Sauberes Wasser – quasi eine Selbstverständlichkeit in jedem Schweizer Haushalt. Manchmal schon gedankenlos wird der Wasserhahn geöffnet und klares Wasser sprudelt aus der Leitung. Doch bis es so weit ist, steckt viel Arbeit dahinter, welche für die Region Amriswil das Seewasserwerk in Kesswil übernimmt.

Während mehrerer Rundgänge konnten am Samstag Interessierte den Prozess der Wasseraufbereitung und mehr Wissenswertes über das Seewasserwerk in Erfahrung bringen. Grund für diesen Anlass war die 100-Jahr-Feier der Regio Energie Amriswil (REA). 1918 wurden die Betriebe Wasserversorgung, Elektrizitätswerk und Gasversorgung zusammengeschlossen und die damaligen Technischen Gemeindebetriebe Amriswil (TGA) gegründet.

«Ich bin wirklich sehr zufrieden mit meinem Trinkwasser zu Hause. Sonst weiss ich jetzt, an wen ich mich wenden könnte.»Heinz WagnerBesucher aus Sommeri

«Ich bin wirklich sehr zufrieden mit meinem Trinkwasser zu Hause. Sonst weiss ich jetzt, an wen ich mich wenden könnte.»
Heinz Wagner
Besucher aus Sommeri

Die Besucher wurden von Hugo Egloff, seit 32 Jahren Brunnenmeister, geführt. Nun nennt sich dessen Funktion nicht mehr Brunnenmeister, sondern Leiter Qualitätssicherung und Aufbereitung. «Ich bin ein bisschen Laborant, muss technisch den Unterhalt der Anlagen führen und den mechanischen Pumpen schauen. Zudem ist viel Steuertechnik vorhanden und für die elektronischen Bauteile bin ich auch zuständig. Ein kleiner Teil ist auch Büroarbeit», zählt Egloff all seine Tätigkeiten auf.

Hausbesuche bei Krankheitsfällen

Für das gesamte Seewasserwerk sind er und sein Assistent zuständig. Doch auch Hausbesuche macht der Brunnenmeister, vor allem wenn Leute häufig krank sind und dem Trinkwasser die Schuld geben. «Dann führe ich Tests durch und kläre die Betroffenen auf.» In seinem Labor zeigt Egloff, wie die Wasserqualität anhand von Proben geprüft wird. Dabei testet er das Wasser auf ­coliforme Keime, indem er ein weisses Pulver, ein sogenanntes Nährmedium, ins Hahnenwasser schüttet. «Die Probe kommt bei 35 Grad für 24 Stunden in den Brutkasten, gäbe es dann ­einen Farbumschlag wäre die Wasserqualität schlecht», erklärt Hugo Egloff.

«Wir sind frisch nebenan eingezogen und haben gleich die Gelegenheit genutzt, das Gebäude auch einmal von innen zu sehen.»Hampi ManserBesucher aus Kesswil

«Wir sind frisch nebenan eingezogen und haben gleich die Gelegenheit genutzt, das Gebäude auch einmal von innen zu sehen.»
Hampi Manser
Besucher aus Kesswil

Auf dem Rundgang erzählt Egloff, wie das Seewasser durch die 860 Meter lange und 40 Zentimeter breite Leitung aus dem See in den Rohwasserschacht gelangt und dann das Wasser in die Behälter mit Vorfiltern gepumpt wird. Dort wird das Wasser von Partikeln und Trübstoffen gefiltert. Anschliessend fliesst das Wasser in die Ozonbegasung, in der die Partikel ausgeschlossen, Bakterien und Keime abgetötet werden und das Wasser keimfrei gemacht wird. In einem dritten Schritt werden dem Wasser mit Aktivkohle die Gerüche und Geschmäcker entzogen. So geht das fertige Trinkwasser ins Reinwasserreservoir und in die Vorräte der Stadt.

Neue Leitung mit grösserer Kapazität geplant

«Wasser ist ein sehr interessantes Produkt: Chemisch H2O, eine einfache Formel aber eigentlich ein komplexer Stoff, der sehr vielfältig ist.»Hugo EgloffBrunnenmeister

«Wasser ist ein sehr interessantes Produkt: Chemisch H2O, eine einfache Formel aber eigentlich ein komplexer Stoff, der sehr vielfältig ist.»
Hugo Egloff
Brunnenmeister

Maximal 12000 Kubikmeter Trinkwasser werden pro Tag aufbereitet, obwohl das Werk Kapazität für 17000 Kubikmeter Seewasser hätte. Doch die Fassungsleitung im See bestimmt die Kapazität des Werkes: «Weil wir im Sommer immer mehr Wasser brauchen und immer weniger Niederschläge haben, gehen die Quell- und Grundwassererträge weiter zurück. Dadurch müssen wir mehr Seewasser haben, doch die aktuelle Leitung schafft nur 12000 Kubikmeter pro Tag», erklärt der Brunnenmeister.

Um die Kapazität zu erhöhen, sollen ein neues Pumpwerk und eine neue, grössere Leitung gebaut werden. Dadurch könne die aktuell gegebene Kapazität vollständig genutzt und sogar noch mehr Wasser verarbeitet werden, sagt Egloff. In einem weiteren Schritt würde der jetzige Aufbereitungsteil ersetzt werden: «Da die neue Leitung grösser gemacht wird, als wir sie jetzt brauchen, kann dieser problemlos ersetzt werden», sagt Egloff. Die Pläne für die neue Fassungsleitung sind erstellt und erste Studien gemacht. Gemäss Hugo Egloff könnte das Projekt in zwei bis vier Jahren umgesetzt werden.

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