Matthias Fröhlich möchte Bischofszeller Stadtrat werden

Der 56-Jährige ist SVP-Mitglied und fordert mit seiner Kandidatur die CVP heraus.

Interview: Georg Stelzner
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Matthias Fröhlich, SVP-Kandidat für den Stadtrat Bischofszell.

Matthias Fröhlich, SVP-Kandidat für den Stadtrat Bischofszell.

Bild: Andrea Stalder

Sie bewerben sich um die Nachfolge der CVP-Stadträtin Nina Rodel, gehören selber aber der SVP an. Welche Motivation liegt Ihrer Kandidatur zugrunde?

Matthias Fröhlich: Neue Herausforderungen reizen mich. Ich habe mir schon bei den letzten Gesamterneuerungswahlen Gedanken über eine Kandidatur gemacht. Damals fehlte mir aber die Zeit für ein solches Amt. Das ist jetzt anders. Ich habe die Verantwortung für den landwirtschaftlichen Betrieb meinen Söhnen übertragen. Politik hat mich schon immer interessiert, aktiv beteiligt habe ich mich bisher aber noch nicht.

Ist Ihr Antreten ein persönlicher Entscheid oder ging der Anstoss von der SVP aus?

Die Initiative ist von mir selber ausgegangen. Ich habe mit Thomas Weingart, dem Bischofszeller Stadtpräsidenten, gesprochen, und mein Interesse am Amt bekundet. Meine Partei wusste von meinen Ambitionen zunächst nichts, sie unterstützt jetzt aber meine Kandidatur.

Welchem Flügel der SVP fühlen Sie sich zugehörig?

Ich zähle mich zu den moderaten Leuten in der Partei. Ich bin kein Typ, der gerne provoziert.

Sie würden das Amt ohne Exekutiverfahrung antreten.

Das ist richtig. So gesehen wäre das Amt sicher eine grössere Herausforderung für mich und ich wäre in der Anfangszeit wohl auch auf eine gewisse Nachsicht angewiesen. Gleichwohl weiss ich, was es heisst, Verantwortung zu tragen.

Was spricht für Sie als künftigen Stadtrat?

Ich kenne Bischofszell sehr gut, bin hier zur Schule gegangen und habe die meiste Zeit hier gelebt. Die Stadt Bischofszell ist meine Heimat und sie liegt mir am Herzen. Ich bin seit 25 Jahren als selbständigerwerbender Unternehmer in der Landwirtschaft und in kommunalen Dienstleistungen tätig. Ich würde mich als Mann der Tat bezeichnen, der sehr lösungsorientiert ist und die Dinge aus der Praxis heraus angeht.

Wie leicht oder schwierig wäre es für Sie, Beruf und politisches Mandat unter einen Hut zu bringen?

Ich sähe da kein Problem, ausser im Betrieb würde sich an dem, wie es jetzt geregelt ist, etwas Grundsätzliches ändern. Ich habe mich aus dem landwirtschaftlichen Tätigkeitsbereich zwar nicht ganz zurückgezogen, aber die Verantwortung liegt jetzt ganz bei meinen Söhnen.

Sie würden aller Voraussicht nach das Ressort der zurückgetretenen Stadträtin übernehmen. Wie sattelfest sind Sie in den Bereichen Gesundheit und Gesellschaft?

Mein Wunschressort wäre es nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass ich recht schnell Fuss fassen würde und bei meiner Mitarbeit andere Sichtweisen einbringen könnte. Sonst hätte ich meine Kandidatur nicht eingereicht. Gesellschaftliche Themen wie Fragen, welche die Jugend betreffen, liegen mir.

Welches wäre denn Ihr Wunschressort?

Es wird niemanden überraschen, wenn ich das Ressort Umwelt, Landschaft und Landwirtschaft als meinen Favoriten bezeichne. Aber ich sehe ein, dass es keinen Sinn macht, mitten in einer Legislatur Ressorts umzubesetzen, zumal Pascale Fässler, die jetzige Verantwortliche, ihre Sache gut macht.

Welches sind Ihre herausragenden Eigenschaften?

Ich bin ein guter Zuhörer und habe gerne Ziele vor Augen, die ich dann zielstrebig anvisiere. Als Selbständiger war das für den beruflichen Erfolg eine Notwendigkeit. Ich mag es nicht, wenn Dinge auf die lange Bank geschoben werden.

Wie beschreiben Sie einer fremden Person die Stadt?

Bischofszell ist die Stadt, aus der die Konfi kommt. (lacht) Im Ernst: Bischofszell ist eine wunderschöne historische Stadt inmitten eines attraktiven Naherholungsgebiets, wo zwei Flüsse zusammenfliessen und wo sich viele Einwohner noch persönlich kennen.

In welchen Bereichen sehen Sie einen Nachholbedarf?

Auf das frei werdende Ressort Gesellschaft und Gesundheit bezogen, liegt mir die Jugend sehr am Herzen. Es gibt in Bischofszell zwar viele Vereine, doch ich glaube, Jugendliche brauchen auch einen Ort, wo sie vereinsungebunden Sport treiben und sich bewegen können. Schade finde ich, dass die Spielplätze auf den Schulhöfen nur zeitlich begrenzt genutzt werden können, was sicher auch verständliche Gründe hat.

Nach dem Ja zur Steuergesetzrevision im Thurgau ist eine Erhöhung des kommunalen Steuerfusses wahrscheinlicher geworden. Würden Sie im Stadtrat dafür oder dagegen stimmen?

Um eine abschliessende Antwort geben zu können, fehlt mir der genaue Einblick in die finanzielle Situation der Stadt. Grundsätzlich bin ich jedoch gegen Steuerfusserhöhungen. Man sollte zuerst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Wofür ich aber entschieden eintrete, das ist eine ausgeglichene Rechnung.

In Bischofszell steht die Einführung des Geschäftsleitungsmodells zur Diskussion. Was halten Sie von diesem Konzept?

Das fände ich grundsätzlich gut, denn ein Stadtrat ist nicht in allen Fragen gleich kompetent. Da verfügen Verwaltungsangestellte bisweilen über bessere Kenntnisse. Eine andere Frage ist, wie sich die Umstellung auf das Geschäftsleitungsmodell finanziell auswirken würde.

Für den vakanten Sitz sind Sie nicht der einzige Bewerber. Wie beurteilen Sie Ihre Wahlchancen?

Das ist für mich schwierig zu beurteilen. Ich lasse die Wahl auf mich zukommen. Ich würde mich sogar freuen, wenn es noch weitere Kandidaturen gäbe.

Für welche Zeitdauer stünden Sie zur Verfügung?

Ich möchte mich nicht festlegen, kann mir aber vorstellen, bis zum Erreichen des Pensionsalters zu politisieren. Anders ausgedrückt: Ich wäre nicht abgeneigt, mehr als eine Amtsdauer im Stadtrat Bischofszell mitzuarbeiten.

Zur Person

Matthias Fröhlich wurde am 12. Januar 1964 in Münsterlingen geboren. Er wuchs in Bischofszell auf und erlernte den Beruf des Lastwagenmechanikers. Vor 25 Jahren übernahm er den elterlichen Hof, auf dem er seither als Landwirt arbeitet. Fröhlich ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen. (st)

Die Ersatzwahl findet am 17. Mai statt. Ein zweiter Wahlgang würde am 14. Juni durchgeführt. Ausser Matthias Fröhlich bewirbt sich Susanne Scheiwiler-Noser (CVP) um den freien Sitz im Stadtrat Bischofszell.