Damit die aussergewöhnliche Vogelwelt am Untersee nicht gestört wird: Hunde gehören an die Leine zwischen Ermatingen und Gottlieben

Die Vogelschutzvereine bitten die Hundehalter um Rücksicht im Espenriet. Die Vögel brauchen ihre Ruhe.

Urs Brüschweiler
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Stefan Braun, Heiko Hörster, Heidi Trachsel und Ulrike Bührer wollen die Fussgänger und Velofahrer sensibilisieren.

Stefan Braun, Heiko Hörster, Heidi Trachsel und Ulrike Bührer wollen die Fussgänger und Velofahrer sensibilisieren.

Bild: Reto Martin

Sie sind froh, dass die Tafeln nun aufgestellt sind. Auf allen Wegen zum Naturschutzgebiet Espenriet ­– in Gottlieben bei der Werft, in Ermatingen oder bei der Bahnhaltestelle Triboltingen ­­– stehen seit kurzem Informationsschilder. Für die Vertreterinnen und Vertreter der beiden Vogelschutzvereine Steckborn und Kreuzlingen ist das ein lange gehegter Wunsch und eine Erleichterung. Denn Hundehalter, die hier auf den Spazierwegen am See ihre Tiere nicht an der Leine haben, sind ein Problem. Ulrike Bühler, Präsidentin des Vogelschutzvereins Kreuzlingen, sagt:

«Die Hunde stören die Vögel.»

Als Überwinterungsgebiet von Hunderttausenden von Zugvögeln hat die Ermatinger Bucht eine grosse Bedeutung. Der Schilfgürtel beherbergt zahlreiche Nistplätze von Wasser- und Singvögeln. Heidi Trachsel, die langjährige Aktivistin im Vogelschutz, appelliert:

«Die Bewohner dieser ausserordentlich vielfältigen Region müssen der Natur einen geschützten Raum zugestehen. Wir rufen die Bevölkerung auf zum Umdenken und zur Mithilfe.»

«Wir laden sie dafür ein, die Vögel kennen zu lernen an offenen Informationsanlässen.»

Ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung

Stefan Braun, Präsident des Vogel- und Naturschutzvereins Steckborn und Umgebung, beschreibt das Gebiet für Wasservögel als «aussergewöhnlich in Mitteleuropa». «Aber viele Leute realisierten dessen Bedeutung gar nicht», ergänzt Heiko Hörster. Er ist ehrenamtlicher Helfer bei den Vogelzählungen am Bodensee, die monatlich stattfinden. Zwergschwäne zum Beispiel könne man sehr weit herum nur hier so gut beobachten.

Ein Hot-Spot für Birder

Das Espenriet ist denn auch ein Hot-Spot für sogenannte Birder. Ornithologen und andere Vogelfreunde aus der ganzen Schweiz reisten an den Untersee, um sich die hiesige Tierwelt anzusehen. In der Tat sind vor Ort täglich Menschen anzutreffen, die mit ihren Objektiven auf der Suche nach speziellen Vögeln sind. Seit Oktober 2018 gilt eine kantonale Schutzanordnung für das Naturschutzgebiet zwischen Gottlieben und Ermatingen.

Das bedeutet: Passanten dürfen nur auf den bezeichneten Fusswegen gehen, die erlaubten Badestellen sind gekennzeichnet und Hunde müssen an der Leine geführt werden, auch auf dem Weg südlich des Schilfgürtels.

Ein Problem sind Drohnen und Stand-up-Paddler

Einschränkungen gibt es auch für Stand-up-Paddler. Sie dürfen maximal 25 Meter ans Schilf heranfahren. Drohnen steigen zu lassen, ist hier gänzlich verboten. «Die Leute müssen sich daran halten», sagt Stefan Braun. Für die Vögel bedeute dies alles puren Stress. Man sehe dann, wie ganze Schwärme hochfliegen, wenn sich etwas nähert.

«Wenn sie flüchten müssen, lässt das gerade in der kalten Jahreszeit die Fettreserven der Vögel schrumpfen.»

Revieraufsicht kann auch Bussen verteilen

Durch diese Störungen leide die Qualität des Lebensraumes. Nicht nur mit Schildern will man den Verboten zur Umsetzung verhelfen. Bei Uneinsichtigkeit oder Wiederholung können Personen auch gebüsst werden. Die kantonale Revieraufsicht wird vermehrt präsent sein und auch Bussen verteilen. «Auch Privatpersonen können auf die Regeln hinweisen», betont Ulrike Bühler, «oder eine Meldung an die Reservatsaufsicht machen.»

Es habe auch schon Ärger gegeben, als sie Leute, die ohne Leine Gassi gegangen sind, angesprochen hätten, erzählt Heiko Hörster. «Aber mit den Schildern haben wir nun auch deutlich bessere Argumente und hoffen auf Einsicht.»

Meldungen über Nichteinhaltung der Regeln können per Whatsapp an die Revieraufsicht gemacht werden: 0792219915