HSC Kreuzlingen nimmt die Top vier ins Visier

Die Coronakrise tangiert auch die Kaderplanung des HSC Kreuzlingen. Das NLA-Team der Frauen erfährt im Hinblick auf die Saison 2020/21 ein paar Änderungen. Komplett ist es noch nicht - auch, weil die aktuelle Situation ein paar Hürden bereithält.

Matthias Hafen
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Renáta Juhász (vorne) verlängerte ihren Vertrag mit dem HSC Kreuzlingen.

Renáta Juhász (vorne) verlängerte ihren Vertrag mit dem HSC Kreuzlingen.

Bild: Mario Gaccioli (Kreuzlingen, 29. Februar 2020)

Nach dem vorzeitigen Abbruch der Meisterschaft 2019/20 sind beim NLA-Frauenteam des HSC Kreuzlingen die Vorbereitungen auf die nächste Saison weit fortgeschritten. Grossmehrheitlich kann Trainerin Kristina Ertl Hug dabei auf das gleiche Kader zählen, das den Club in der diesjährigen Auf-/Abstiegsrunde NLA/NLB souverän auf Kurs gehalten hat. Dies gab der Verein in einem Communiqué bekannt.

Drei Spielerinnen werden dem HSCK künftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Verträge mit Torhüterin Adriane Hajduk sowie Anina Veit und Janice Veit werden nicht verlängert. Die Geschwister Veit verlassen den Club somit nach nur einer Saison wieder. Die ehemalige Nationalspielerin Anina Veit beendet ihre Karriere und will sich auf ihre Ausbildung konzentrieren. Ihre jüngere Schwester Janice war bereits Anfang Jahr zurückgetreten. Torhüterin Hajduk bestritt wegen ihrer Knieprobleme nur vier Meisterschaftsspiele, das letzte am 4. Oktober 2019. Als ausgebildete Physiotherapeutin stand sie bis zum Saisonabbruch noch im medizinischen Bereich zur Verfügung.

Rechtsaussen klafft noch ein Loch

Weiterlaufende Verträge besitzen Topskorerin Isabel Tissekker, Jennifer Heinstadt, Miriam Federau, Pashke Marku, Petra Skoricova, Sara Hildebrand und Selina Weidmann. Die Engagements von Torhüterin Nathalie Wörner sowie den Feldspielerinnen Kira Klein, Anna Mayer, Astrid Plüss, Lea Rothacker und Renáta Juhász wurden verlängert. Höchstwahrscheinlich wird auch die routinierte slowenische Linksaussen Katja Sivka nochmals eine Saison anhängen. Wegen eines mehrmonatigen Auslandaufenthalts dürfte hingegen Kim Espinosa dem HSCK in der kommenden Saison – wenn überhaupt – lediglich teilweise zur Verfügung stehen.

Kreuzlingens Ziele für die Saison 2020/21 werden um einiges höhergesteckt. Der bisherige Verfolger der Top vier Brühl, Zug, Spono Nottwil und Thun nimmt sich nichts Geringeres vor, als in die Phalanx der Grossen einzubrechen. Dafür braucht die Thurgauer NLA- Equipe die eine oder andere Verstärkung – besonders auf der Rechtsaussenposition, wo Anina Veit eine Lücke hinterlässt. Die Neuen sollen gemäss Sportchef Markus Rutishauser aber mit Bedacht verpflichtet werden. «Wir wollen das Kader nach zwei Jahren mit sehr vielen Mutationen lediglich punktuell verändern und die Kontinuität stärken», sagt er. Auf die Verpflichtung von Profispielerinnen – wie es die meisten Schweizer NLA-Clubs machen – wolle der HSCK auf jeden Fall verzichten. «Wir fahren eine andere Strategie», so Rutishauser. «Wir vermitteln den Spielerinnen einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz.»

Markus Rutishauser, Sportchef von Kreuzlingens NLA-Frauen, steht vor ungewöhnlichen Herausforderungen.

Markus Rutishauser, Sportchef von Kreuzlingens NLA-Frauen, steht vor ungewöhnlichen Herausforderungen.

Bild: PD

Markus Rutishauser, inwiefern beeinträchtigt die Coronakrise die Zusammenstellung des NLA-Kaders des HSC Kreuzlingen?

Markus Rutishauser: Wir haben Glück, dass das Gros der Equipe zusammenbleibt. Wir könnten mit dem aktuellen Kader morgen theoretisch in die neue Saison steigen. Aber besonders auf der Rechtsaussen-Position wollen wir uns noch verstärken.

Wie rekrutieren Sie als Sportchef der NLA-Frauen in dieser Zeit Spielerinnen?

Die vier, die bei uns in die engere Auswahl kommen, spielten bisher schon in der Schweiz oder waren vor der Coronakrise noch im Probetraining bei uns. Alle vier würden gerne zu uns kommen. Gefordert sind wir, weil bis mindestens am 15. Juni keine neuen Anträge mehr für Arbeitsvisa geprüft werden. Und da wir keine Profis verpflichten wollen und können, sondern den Spielerinnen eine Arbeitsstelle zu vermitteln versuchen, wird diese ohnehin schon nicht einfache Aufgabe zusätzlich erschwert. Aufgrund der Coronakrise dürften geeignete Jobs noch rarer werden.

Wann würde Ihr Team üblicherweise mit der Saisonvorbereitung beginnen?

Anfang Juni. Weil die aktuelle Saison abgebrochen wurde, sind wir aber quasi jetzt schon in der Vorbereitung auf die nächste. Nun muss halt jede Spielerin für sich selber trainieren.

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