Horrorunfall in Galgenen SZ: Todesopfer ist 29-Jähriger aus dem Kanton St.Gallen +++ Raser baute tödlichen Unfall mit gestohlenem Audi R8 aus dem Thurgau 

Der Autofahrer, der am Sonntagmorgen in Galgenen auf der Flucht vor der Polizei in ein Wohnhaus raste und dabei ums Leben kam, hat das Auto zuvor in Amriswil gestohlen. Auch die am Unfallfahrzeug angebrachten «TG»-Kontrollschilder klaute er von einem anderen Auto. Inzwischen konnte die Polizei die Identität des Todesfahrers klären. 

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(sda/ubr/bro)

Die Identität des Fahrzeuglenkers, der in den frühen Morgenstunden vom Sonntag, 24. November, in Galgenen tödlich verunfallt ist, konnte dank eines Treffers in der polizeilichen DNA-Datenbank geklärt werden. Das teilte die Schwyzer Kantonspolizei am Dienstag mit. Es handelt sich um einen 29-jährigen Schweizer aus dem Kanton St.Gallen. 

Michael Roth, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, sagt am Dienstagnachmittag gegenüber «Tagblatt Online»:

«Der Mann war im Kanton Thurgau wegen eines Bagatelldelikts zur Verhaftung ausgeschrieben.»

Verstorbener hatte keinen Führerausweis

Der Verstorbene verfügte gemäss der Kantonspolizei Schwyz über keinen Führerausweis. Zudem war er in mehreren Kantonen zur Aufenthaltsnachforschung und wegen einer Umwandlungshaft aufgrund nicht bezahlter Bussen wegen Widerhandlungen gegen das Personenbeförderungsgesetz – das heisst wegen wiederholten  Schwarzfahrens im öffentlichen Verkehr – zur Verhaftung ausgeschrieben, heisst es weiter. 

«Sucht die Polizei eine Person aus diversen Gründen, zum Beispiel weil sie eine Busse nicht bezahlt hat, schreibt die Polizei die Person zur Aufenthaltsnachforschung aus»,  sagt David Mynall, Mediensprecher der Kantonspolizei Schwyz.

Umwandlungshaft bedeutet laut Mynall folgendes: Kontrolliert die Polizei eine Person, die zum Beispiel eine Busse nicht begleichen kann, kann die Person entweder die Summe bei der Kontrolle begleichen, oder sie kommt in Haft. Die Höhe der Busse bestimme in einem solchen Fall die Haftdauer.

Zur Identität des Verstorbenen könne die Polizei wegen des Amtsgeheimnisses keine Angaben machen, sagen sowohl Mynall als auch der St.Galler Kapo-Mediensprecher Florian Schneider.

29-Jähriger raste in Wohnhaus

Der Mann hatte sich am Sonntagmorgen kurz nach 4.30 Uhr in Lachen einer Polizeikontrolle entzogen und raste mit massiv überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Galgenen davon. Die Polizei verlor den Kontakt zum Fahrzeug.

Zuerst kollidierte der Raser mit dem Kreisel, anschliessend mit dem Haus, das sofort Feuer fing. (Bilder: Schwyzer Kantonspolizei)

Zuerst kollidierte der Raser mit dem Kreisel, anschliessend mit dem Haus, das sofort Feuer fing. (Bilder: Schwyzer Kantonspolizei)

In Galgenen kollidierte der Autofahrer mit einem Kreisel und anschliessend mit der Fassade eines Wohnhauses. Im Unfallfahrzeug brach sofort ein Brand aus. Das Feuer sprang auf das Haus über, das vollständig ausbrannte. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen auf ein angebautes Gebäude verhindern.

Das Wohnhaus an der Kantonsstrasse wurde total beschädigt. Die Hausbewohner konnten das Haus unverletzt verlassen. Für den Raser kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Wie die Kantonspolizei Thurgau auf Anfrage bestätigt, wurde das Auto zuvor in einer Gewerbehalle in Amriswil entwendet. Es soll sich um einen weissen Audi R8 handeln, wie der Blick berichtet. Der Einbruch sei am Sonntag auf Grund einer Mitteilung der Schwyzer Kantonspolizei entdeckt worden, teilt die Kapo Thurgau mit. Die «TG»-Nummernschilder seien ganz in der Nähe von einem Firmenwagen gestohlen worden, der auf einem Parkplatz stand.

Laut ersten Ermittlungen gehe man davon aus, dass die Diebstähle zwischen Samstag und Sonntag passiert seien. Die Kantonspolizei Thurgau hat am Ort des Diebstahls Spurensicherungen vorgenommen und erhofft sich so Rückschlüsse auf die verstorbene Person. Es sei jedoch nicht zwingend, dass der Autodieb mit dem Unfallfahrer identisch sei. Die Kantonspolizei Thurgau unterstützt die Kantonspolizei Schwyz bei den Untersuchungen. 

Mit 169 Stundenkilometer innerorts geblitzt

Das Haus an der Kantonsstrasse gegenüber dem Hornbach Baucenter in Galgenen brach infolge der heftigen Kollision in Flammen aus und brannte komplett nieder. Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen standen mit einem Grossaufgebot im Einsatz.

Der gestohlene Audi fiel kurz vor 4.30 Uhr einer Polizeipatrouille in Lachen SZ auf, wie der Blick berichtet. Als die Beamten das Fahrzeug kontrollieren wollten, floh der unbekannte Autofahrer mit massiv überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Galgenen. Die Polizei verlor den Kontakt zum Fahrzeug. Der Autofahrer wurde anschliessend mit 169 Stundenkilometer innerorts geblitzt. In einem Kreisel – 50 Meter vor dem Haus – hob der Audi dann ab, flog durch die Luft und krachte anschliessend in die Fassade des Hauses.

Gemäss Augenzeugenberichten, flog das Auto wie in einem Hollywood-Film direkt in die Hausfassade. Das Auto steckte in der Fassade und das Haus begann zu brennen. In der Folge sei das Auto auf einen darunter stehenden Kebabstand gefallen. 

«Auto landete in unserer Küche»

In dem Haus befinden sich Wohnungen. «Die Bewohner konnten alle unverletzt evakuiert werden», sagt ein Sprecher der Schwyzer Kantonspolizei gegenüber Blick. Im ersten Stock wohne eine mehrköpfige Familie aus Afghanistan. Der Audi flog direkt in ihre Wohnung. Der Vater sagt geschockt: «Das Auto landete mitten in unserer Küche. Wir hatten mega Glück, dass niemand dort stand, als das Auto in unsere Wohnung flog.»

Die Gemeinde sucht für die betroffene Familie jetzt eine Notunterkunft. Auf Facebook wird ein Spendenaufruf rege geteilt. «Liebe alle, ich trete mit einem akuten Spendenaufruf an euch. In Galgenen gab es einen Hausbrand. Die betroffene Familie mit drei Kindern hat ihr Hab und Gut verloren. Wer hat noch Kleider, die er nicht mehr braucht?», stehe in der Nachricht.