«Man wollte mehr»: Vom Meer über den Hochrhein  zum Bodensee

Geplant war im vorigen Jahrhundert neben vielen anderen auch die Schiffbarmachung des Hochrheins bis an den Bodensee: Der Historiker Andreas Teuscher erzählte von Visionen und Träumen.

Markus Bösch
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Vom Meer bis in die Schweiz: Vor 100 Jahren gab es den Traum, den Hochrhein und den Bodensee mit der Hochsee zu verbinden. (Bild: Michel Canonica)

Vom Meer bis in die Schweiz: Vor 100 Jahren gab es den Traum, den Hochrhein und den Bodensee mit der Hochsee zu verbinden. (Bild: Michel Canonica)

Neben der dynamischen Zeit für den Eisenbau bis 1910 gab es nicht wenige Ideen und Pläne, verschiedene Schifffahrtswege durch die Schweiz zu bauen, «bis hin zum Meer»: Als gemeinsames Projekt wollte man dies damals verstanden wissen, als «Binnenland in drei Richtungen zum freien Meer zu gelangen».

Der Zürcher Historiker Andreas Teuscher schaute an der Romishorner Runde im Museum am Hafen zurück auf ein Stück abenteuerliche Verkehrsgeschichte der Schweiz und stellte sie in einen grösseren, geschichtlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang.

Natur kontra Wirtschaft

Nach ersten Versuchsfahrten den Rhein hinauf nach Basel um 1903 wurde daselbst vier Jahre später der erste Hafen gebaut. Es folgten Kraftwerksbauten, Stauwehre und Pläne: «So wurde an der Landi 1939 ein Modell von Kanal, Tunnel und unterirdischem Schiffshebewerk unter und neben dem Rheinfall gezeigt. Bei Rheinau gab es die ersten grossen Proteste in der Schweiz gegen die Schiffbarmachung des Rheins – in der Ostschweiz gingen die Befürworter auf die Strasse».

In Romanshorn gab es wohl Gegner und Befürworter, wie den Architekten Gaudy, der Jahrzehnte vorher die katholische Kirche gebaut hatte. Teuscher hatte vor vier Jahren das Buch «Schweiz am Meer» herausgegeben. Darin erzählt er auch von weiteren, gewaltigen Plänen zur Schiffbarmachung von Schweizer Flüssen und Seen: So wollte ein Ingenieur mit patentierten Röhren Schiffe über den Splügen bringen, 1918 respektive 1940 gab es Ideen, das Gotthardmassiv mittels Basistunnel zu durchstossen.

So wie in Romanshorn waren auch da grosse Hafenanlagen angedacht. Dass davon nur ein kleiner Teil realisiert worden sei, habe verschiedene Gründe gehabt: Einerseits habe man die richtige Zeit verpasst, Autobahnen seien gebaut und Umweltbewegungen entstanden. Und letztlich wären die Kosten wohl zu hoch gewesen. Was diese Projekte auch zeigen, wurde in der anschliessenden Diskussion gesagt, dass man mit Visionen vorsichtig umgehen muss, «denn sie bedeuten immer auch Eingriffe in die Natur».

Im Thurgau ist es so trocken wie seit 100 Jahren nicht mehr

Der niedrige Wasserpegel schränkt die Schifffahrt auf dem Bodensee und dem Rhein ein. Der Pegelstand des Obersees liegt 80 Zentimeter unter dem Durchschnittswert für den Monat Juli. Schuld ist die seit Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.
Inge Staub

ROMANSHORN: Im Fahrwasser von Hamburg

Am Pfingstsonntag genoss ein gutes Dutzend Passagiere die erste Hafenrundfahrt auf der MS Zeppelin. Sie ist das Ergebnis einer anfänglich nicht ganz ernst gemeinten Idee.
Trudi Krieg