Hitze tötet alte Weinfelder Hängebuche

Im Haffterpark hinter dem Weinfelder Gemeindehaus sind bei einer Hängebuche zwei Äste abgebrochen. Sicher ist: Der Baum ist nicht krank, muss aber dennoch gefällt werden

Sabrina Bächi
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Der Ast der Hängebuche liegt abgebrochen auf dem Weg im Haffterpark. (Bild: Andrea Stalder)

Der Ast der Hängebuche liegt abgebrochen auf dem Weg im Haffterpark. (Bild: Andrea Stalder)

Viele Jahre hat die Hängebuche im Haffterpark über das Geschehen Weinfeldens gewacht. 1880 wurde sie gepflanzt. Vor einer Woche geschah das Unglück. Zwei Äste brachen innerhalb von zwei Tagen ab. Weitere Schäden sind in der Baumkrone zu sehen.

Das Tragische daran: Der Baum ist eigentlich völlig gesund.

Am Dienstag standen mehrere Männer unter dem gut 150-jährigen Baum und gestikulierten, blickten ins Blätterdach und diskutierten. Eines ist klar: Der Baum muss weg. Zu gefährlich wäre es und zu viel Schaden hat er genommen.

Grünastbruch wegen Trockenheit

«Der Baum hat im vergangenen Jahr extrem unter der Trockenheit gelitten», sagt Andres Storrer. Er ist Baumspezialist und untersucht die Weinfelder Bäume jährlich mit David Keller, Leiter der Stadtgärtnerei. «Wenn der Baum krank wäre, dann hätten wir das bemerkt», sagt Keller.

Doch was der Weinfelder Buche passierte, nennt sich Grünastbruch. Es ist nicht vorherzusehen. Storrer sagt:

«Der Blattaustrieb ist in diesem Frühling für viele Bäume ein Kraftakt, den sie nach dem heissen Sommer und wenig Regen nur schwer stemmen können.»

Der Baumspezialist erhält seit Mai aus der ganzen Region Meldungen von Spontanbrüchen.

Solche Brüche hätten auch nichts mit fehlender Pflege zu tun. Ein «Chlapf» und dann sei der Ast gebrochen. Deshalb ist es so gefährlich und der Haffterpark grossräumig abgesperrt.

Vandalen reissen Absperrungen nieder

Doch alle nehmen die Warnschilder und Absperrungen nicht ernst. «Am Dienstagmorgen waren die Absperrgitter weg und die Bänder durchschnitten», erzählt David Keller.

Der rund 20 Meter hohe Baum muss per Helikopter gefällt werden, anders geht es nicht. Würden nur die kaputten Äste rausgeschnitten, hätte der Baum so viele Verletzungen, dass es zur Fäulnis käme. Zudem sei der Blattverlust zu gross und das offene Blätterdach würde einen Sonnenbrand verursachen. «Buchen sind dafür besonders anfällig», sagt Storrer.

Kurzum: Der Baum ist nicht mehr zu erhalten. Bis er gefällt wird, bleibt der Park vorerst abgesperrt, sagt Gemeindeschreiber Reto Marty.

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Sabrina Bächi