Hilfe für junge Arbeitslose in Arbon

Der Stadtrat gibt Gas beim Thema Job Coaching: Im April soll es das neue Angebot geben.

Annina Flaig
Hören
Drucken
Teilen
Der Job Coach soll als Externer mit dem Sozialamt zusammenarbeiten.

Der Job Coach soll als Externer mit dem Sozialamt zusammenarbeiten.

(Bild: Max Eichenberger)

Die Motion spaltete das Parlament in zwei Lager: Fast eine Stunde lang hatten die Arboner Parlamentarier im Herbst 2018 darüber diskutiert, ob die Stadt ein Job Coaching einführen soll oder nicht. Als primäre Zielgruppe sahen die Motionäre junge Erwachsene, welche Schwierigkeiten mit dem Einstieg ins Berufsleben im ersten Arbeitsmarkt haben. Gegner behaupteten, dass es dafür in Arbon bereits diverse Anlaufstellen wie etwas das Dock AG gebe. «Die Stadt braucht neben den bestehenden Diensten keine parallelen Organisationen», sagte dazu etwa Heinz Gygax (SVP).

Die Motion wurde schliesslich für erheblich erklärt. Unterdessen ist viel passiert. Gygax und andere, die dagegen votierten, sitzen nicht mehr im Parlament. Einer der Motionäre, Dominik Diezi, ist heute Stadtpräsident. Zusammen mit dem neuen Stadtrat treibt er die Einführung eines Job Coachings voran. So wird das Parlament an seiner nächsten Sitzung vom 21. Januar darüber entscheiden, ob der Gemeindeordnung ein entsprechender neuer Artikel hinzugefügt werden soll. Das war nämlich das Ziel der Motionäre und ihr einziger Weg, den Stadtrat dazu zu verpflichten.

Ziel ist es, die Kosten der Sozialhilfe senken

Die Änderung der Gemeindeordnung bedarf einer Volksabstimmung. Deshalb soll damit bis zur ordentlichen Revision zugewartet werden. Nicht zuwarten will der Stadtrat indes mit der inhaltlichen Umsetzung der Motion, sprich mit der Schaffung eines Job-Coaching-Angebots.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

Stadtpräsident Dominik Diezi.

(Bild: Donato Caspari)

Ziel des Job Coachings ist es, der hohen Anzahl Sozialhilfebezügern und der damit einhergehenden Problematik um die städtischen Finanzen entgegenzutreten. In einem zehnseitigen Konzept legt der Stadtrat dar, wie er die Umsetzung vorantreiben will. Darin hat er auch definiert, an wen sich das Angebot richtet.

Im Fokus stehen zwei Zielgruppen: Erstens Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 30 Jahren, welche keine Sozialhilfe beziehen und grundsätzlich ausserhalb des staatlichen Einflussbereichs liegen. Zweitens sozialhilfebeziehende Jugendliche und junge Erwachsene sowie übrige Sozialhilfebeziehende.

Der Job Coach arbeitet auf Mandatsbasis

Stadtpräsident Dominik Diezi betont auf Anfrage, dass es bei jenen Angeboten meist darum gehe, Arbeitsplätze im zweiten Arbeitsmarkt zu schaffen. Im Fokus des Job Coachings stünden hingegen ganz andere Leute.

«Es geht um junge Menschen, die grundsätzlich im ersten Arbeitsmarkt arbeiten können, die aber aus irgendwelchen Gründen vielleicht mehrere Lehren abgebrochen haben.»

Wie im Konzept aufgezeigt wird, soll der erste Kontakt am Schalter des Sozialamtes passieren. Später erfolgt die Zuweisung an einen Job Coach. Dieser soll im Rahmen einer Leistungsvereinbarung als externer Anbieter mit der Stadt zusammenarbeiten.

Jährlich sollen 20 Fälle bearbeitet werden

Im Gegensatz zu einer internen Lösung mit einem Job Couch im Rahmen der Stadtverwaltung biete ein Couch, der auf Mandatsbasis arbeitet, die nötige Flexibilität und weise ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis auf, schreibt der Stadtrat in seinen Erwägungen. Der Stadtrat rechnet mit einem Arbeitspensum von rund 50 Prozent und der Bearbeitung von laufend 20 Fällen. Bereits ab April will er mit einer entsprechend ausgebildeten Person zusammen arbeiten.

Arboner Parlamentarier wollen einen Job-Coach

Das Stadtparlament fordert von der Arboner Regierung eine gesetzliche Grundlage, welche die Einführung eines Job-Coachs ermöglicht. Die Diskussion an der Parlamentssitzung vom Dienstagabend ist lebhaft – und einmal darf sogar geschmunzelt werden.
Annina Flaig