Hilarius
Hiläri mal anders: In Märstetten gibt's Wein und Salzisse trotz Pandemie

Alljährlich am 13. Januar feiert die Bürgergemeinde Märstetten den Hilarius mit Holzgant, Versammlung und Bürgertrunk. Dieses Jahr fiel alles aus, die Bürgerinnen und Bürger erhielten dennoch Wein, Wurst und Hilarius-Zeitung vom Bürgerpräsidenten.

Werner Lenzin
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Bürgerpräsident Adrian Heer überreicht seiner 84-jährigen Mutter Vreni das Take-away-Hiläri-Mahl 2021.

Bürgerpräsident Adrian Heer überreicht seiner 84-jährigen Mutter Vreni das Take-away-Hiläri-Mahl 2021.

Bild: Werner Lenzin (Märstetten, 13. Januar 2021)

Seit dem Jahr 1860, als Schuhhändler Jakob Keller als Ausdruck der Freude über sein erworbenes Gemeindebürgerrecht jedem «herwärtigen» Bürger zwei Schoppen Wein, ein halbes Pfund Brot und eine Wurst offerierte, hält man alljährlich am 13. Januar an diesem Brauch im Rahmen des abendlichen Hilarius-Bürgertrunks fest. Im Dezember erfuhren die Märstetter aus dem Mitteilungsblatt der Gemeinde, dass der Bürgertrunk und die morgendliche Bürgergemeindeversammlung abgesagt, die nachmittägliche Holzgant jedoch mit Maskenpflicht durchgeführt werde.

«Bereits 1939 und 1966 musste der Hiläri wegen der Maul- und Klauenseuche ausfallen», sagt Bürgerpräsident Adrian Heer. Da die Organisation für den 13. Januar 2021 bei Bekanntgabe des Veranstaltungsverbots schon weit fortgeschritten war, entschloss er sich zusammen mit seinen Kollegen von der Bürgerverwaltung, an einem Hiläri-Mahl in besonderer Form und an der Hilariuszeitung festzuhalten.

Take-away-Hiläri-Mahl

Ein für Märstetten völlig ungewöhnliches Bild bot sich am Morgen des Hilarius. Tropfenweise, in gebührendem Abstand und mit Gesichtsmaske treffen die Bürgerinnen und Bürger in der Hofdurchfahrt der Schreinerei Heer für die Abgabe des Take-away-Hiläri-Mahls – die Bürgerverwaltung nennt es «Hiläri-21-Trostpaket» – ein, welches ihnen die Mitglieder der Bürgerverwaltung überreichen. Insgesamt sind es 135 Stimmberechtigte, 112 Pakete werden abgeholt.

So sieht es sonst jeweils am Bürgertrunk aus. Die Märstetter Bürger und Ansassen sitzen an langen Tischen in der Mehrzweckhalle, trinken Wein und essen Salzisse.

So sieht es sonst jeweils am Bürgertrunk aus. Die Märstetter Bürger und Ansassen sitzen an langen Tischen in der Mehrzweckhalle, trinken Wein und essen Salzisse.

Bild: Mario Testa (Märstetten, Januar 2016)

Die Pakete enthalten einen halben Liter Hiläri-Wein, eine Salzisse und pro Haushalt eine Hilarius-Zeitung. Die restlichen 23 Pakete und diejenigen für die 20 Helfer werden von den Mitgliedern der Bürgerverwaltung nach Hause gebracht. Eine schöne Geste, aber halt doch nicht Hiläri, sagt Adrian Heer, seit 1999 Bürgerpräsident.

«Die Coronapandemie sorgt für einen Unterbruch unserer Tradition, wie ich ihn noch nie erlebte.»

Er erinnert sich, als er als Sechsjähriger die Sägemehlstreifen rund um die Bauernhöfe sah, welche den Zutritt wegen der Maul- und Klauenseuche im Jahr 1966 verbot und damals auch zur Absage des Hilarius führte.

Holzgant abgesagt

Gemäss Heer war die Absage Mitte vergangenen Jahres noch kein Thema und es wurde ein Sicherheitskonzept erstellt. Doch bald zeigte sich, dass eine Durchführung des abendlichen Bürgertrunks abgesagt werden muss. «Mit einem Abstand von 1,5 Meter wäre man sich an den langen Tischreihen einsam vorgekommen und auch sonst hätte der Anlass nicht den Sicherheitsvorschriften entsprochen», sagt der Bürgerpräsident.

Revierförster Hansruedi Gubler amtet an der Holzgant als Gantrufer. Die vielen Interessierten ersteigern eine Beige Holz nach der anderen im Bürgerwald.

Revierförster Hansruedi Gubler amtet an der Holzgant als Gantrufer. Die vielen Interessierten ersteigern eine Beige Holz nach der anderen im Bürgerwald.

Bild: Mario Testa (Märstetten, Januar 2017)

«Wegen der Zehn-Personen-Beschränkung mussten wir kurzfristig nun auch die Holzgant absagen», bedauert Heer. Im Bürgerwald liegen insgesamt 150 Ster Laub- und Nadelholz, wegen der Pandemie 50 Ster weniger als im Vorjahr. Am Dienstagnachmittag schlug Waldverwalter Manuel Tschirren die Nummern in die einzelnen Positionen und Bürgerpräsident Adrian Heer und Förster Hansruedi Gubler massen die Kubikmeter aus.

Sie planen, die Stammkäufer anzuschreiben, ob ein Kaufinteresse besteht. Sie werden mit dem Förster einen Termin vereinbaren. «Den eingeladenen Ehrengast für den Bürgertrunk werden wir nächstes Jahr wieder einladen», sagt Heer. Es wird sein zweitletzter Hilarius als Bürgerpräsident sein, denn 2023 plant er sein Amt abzugeben.

Collage

Fotos von der Haus-Party

Am Vortag vor Hilarius starteten die beiden begeisterten Hiläri-Brüder Luzian Schmid vom Verein «Vollgas8560» und Andrin Stähli vom Turnverein Märstetten eine originelle Aktion, um doch noch gemeinsam Hilarius 2021 feiern zu können. Sie forderten per Whatsapp ihre Hiläri-Brüder auf, sich eine Hiläri-Salzisse, Bürli und einen feinen Traubensaft zu organisieren. «Kleidet euch am Abend Hiläri-tauglich und macht ein Foto von euch», lautet die Aufforderung. Ob man dann um Mitternacht noch die Mehlsuppe und eine Cremeschnitte auftische, liege im Ermessen jedes Einzelnen. Und dann noch ein Zusatz: «Natürlich könntest du auch noch deine ganz eigene Beizentour machen und von Zimmer zu Zimmer wandern, es ist einfach dein eigener Hiläri-Abend.» Aus all diesen Bildern soll eine Fotocollage entstehen, welche der Nachwelt dokumentieren wird, wie sich im Jahr 2021 der Hilarius unter den ausserordentlichen Umständen abgespielt hat.