Andrea Wittwer auf den Spuren ihres Vaters: Die Jugendliche aus Sulgen möchte Ballonpilotin werden

Andrea Wittwer hat einen Traum: Die junge Sulgerin möchte so bald als möglich die Ausbildung zum Pilotieren eines Heissluftballons absolvieren. Als Sekundarschülerin hat sie bereits einen Modellballon gebaut.

Monika Wick
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Andrea Wittwer zeigt grosses Interessen am Ballonfahren.

Andrea Wittwer zeigt grosses Interessen am Ballonfahren.

Monika Wick (Sulgen, August 2020)

Der Stoff, aus dem Träume sind, ist in Andrea Wittwers Fall Nylon. Im Rahmen einer Projektarbeit im letzten Schuljahr an der Sekundarschule Befang in Sulgen hat die damals 15-Jährige aus dem synthetischen Gewebe einen Modellballon gefertigt.

Familiär vorbelastet

Die Begeisterung für Heissluftballone kommt nicht von ungefähr. «Ich bin damit aufgewachsen. Mein Vater ist seit über 25 Jahren Ballonpilot. Ich durfte ihn oft begleiten und habe von ihm viel über das Ballonfahren gelernt», erklärt Andrea Wittwer, die vor kurzem eine Ausbildung zur Kauffrau in der Gemeindekanzlei in Sulgen begonnen hat.

«Als kleines Mädchen habe ich jeweils aus dem Ausstiegsloch hinausgeschaut, weil ich zu klein war, um über den Rand des Korbes zu sehen», erinnert sie sich.

Besuch in deutscher Ballonmanufaktur

Die Wahl ihrer Projektarbeit fiel Andrea Wittwer nicht leicht. Kaum war die Idee geboren, war sie aber nicht mehr zu bremsen. Zudem war sofort klar, dass ihr Ballon eine Miniaturausgabe von Vaters legendärem «Smiley»-Ballon werden sollte.

Marcel Wittwer ermöglichte seiner Tochter zur Vorbereitung eine Betriebsführung in der Ballonmanufaktur Schroeder im deutschen Schweich. «Mit meinem Projekt bin ich bei der Firma auf offene Ohren gestossen. Man hat die Masse vom grossen Ballon meines Vaters computertechnisch reduziert und die Stoffbahnen zugeschnitten», erklärt Andrea Wittwer, die danach aber auf sich alleine gestellt war.

Mehr als 40 Stunden an der Arbeit

Mit 384 Einzelteilen im Gepäck reiste Andrea Wittwer ins luzernische Buchrain, um in einem Betrieb die Einzelteile zusammenzunähen. «Das dauerte 42 Stunden und war sehr anspruchsvoll und anstrengend», erzählt Andrea Wittwer.

Ihre Arbeit am Modell dokumentierte sie in einer schriftlichen Arbeit. In ihr finden sich auch die Geschichte der Ballonfahrt, physikalische Hinter- gründe und eine Reflexion. Mit dem Ergebnis ist Andrea Wittwer zufrieden. Als Highlight bezeichnet sie den Moment, als sie den Modellballon zum ersten Mal aufstellen konnte.

Ziel: Jüngste Ballonfahrerin der Schweiz

Wie das grosse Vorbild verfügt der Modellballon über einen Korb mit Gasbrenner. Zum Transport von Personen taugt er mit einem Volumen von 90 Kubikmetern aber nicht.

Der grosse «Smiley»-Ballon von Marcel Wittwer und daneben das von Tochter Andrea gebaute Modell.

Der grosse «Smiley»-Ballon von Marcel Wittwer und daneben das von Tochter Andrea gebaute Modell.

Bild: PD

Er lässt sich mittels Fernsteuerung lenken. Das ist im Hinblick auf die Pilotenausbildung, die Andrea Wittwer absolvieren will, hilfreich. Dank des Modells können Funktionen wie die Handhabung oder die Reaktionen auf das Gassystem trainiert werden.

«Die Lehre in der Sulger Gemeindeverwaltung steht momentan aber noch im Vordergrund», stellt der Vater klar. Andrea Wittwers Ziel ist es, mit 20 Jahren die Pilotenausbildung absolviert zu haben. Damit würde sie ihrem Vater den Rang des jüngsten Ballonpiloten der Schweiz streitig machen.