HELDSWIL
In Heimarbeit entsteht Bettwäsche für Kinder in der Republik Moldau

Mit 100 selbst genähten Garnituren unterstützt die Freie Evangelische Gemeinde Sulgen ein Projekt der Hilfsorganisation «Licht im Osten». Die treibende Kraft hinter der Nähwoche ist Marianne Huber.

Hannelore Bruderer
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Marianne Huber näht einen Kissenbezug.

Marianne Huber näht einen Kissenbezug.

Bild: Hannelore Bruderer (Sulgen, Februar 2021)

Für Marianne Huber ist die Nähwoche der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Sulgen eine Herzensangelegenheit. Das kommt im Erklärvideo zum Projekt zum Ausdruck und noch mehr im direkten Gespräch mit ihr. Im Jahr 2019 bereiste Marianne Huber mit ihrem Mann Fritz zusammen mit einer Gruppe einzelne Wirkungsstätten der Hilfsorganisation «Licht im Osten» (LIO) in der Republik Moldau.

Unter anderem bietet die Hilfsorganisation benachteiligten Kindern die Möglichkeit, eine christliche Lagerwoche zu verbringen. Damit noch mehr Kinder in den Genuss dieser Möglichkeit kommen, nimmt die Organisation in diesem Jahr in ihrem Freizeitzentrum ein neu erstelltes Gebäude in Betrieb.

Zu zweit im Sulger Nähcafé

Beeindruckt von der Tätigkeit der Hilfsorganisation, entschloss sich das Ehepaar, zusammen mit der FEG Sulgen einen sinnvollen Beitrag zur Eröffnung der neuen Freizeiteinrichtung zu leisten.
Bettwäsche wird sicher gebraucht, sagte sich Marianne Huber.

Seit ihrer Pensionierung betreibt die ehemalige Lehrerin für Textiles Werken zusammen mit Christa Mäder ein Nähcafé in den Räumen der FEG. «Wir haben dort sechs Nähmaschinen. Diese wollten wir ursprünglich im Foyer des Gemeindezentrums aufstellen und dort während der Sportferien hundert Wäschegarnituren für die Betten im neuen Lagergebäude nähen. Wegen der aktuellen Versammlungsvorschriften mussten wir uns dann aber etwas anderes einfallen lassen.»

Unterstützung durch Bettwarenfabrik

Bevor mit dem Nähen begonnen werden konnte, galt es, diverse Vorarbeiten zu leisten. Bei der Beschaffung des Stoffes stiess Marianne Huber bei der Familie Utiger, den Inhabern der Kyburz Bettwarenfabrik AG in Kehrsatz, auf offene Ohren. Nicht nur wie erhofft mit grossem Rabatt, sondern gratis und zugeschnitten erhielten die Näherinnen das Material. Marianne Huber, ganz Profi, legt viel Wert auf eine saubere Arbeit.

Aber wie soll sie vermitteln, wie genäht werden soll, wenn man sich nicht treffen darf? Ein zweites Video mit einem Tutorial musste her, damit die Näherinnen in ­ihren eigenen vier Wänden arbeiten ­können. Gedreht wurde das Tutorial wie bereits das Erklärvideo von Philip Messmer. «Wir haben viele gute Näherinnen in unseren Reihen. Bereits nach drei Tagen war das gesamte Material abgeholt», sagt Marianne Huber.

«Wie viel jemand nähen will, ist völlig offen. Wir sind ebenso froh um die, die eine Garnitur nähen, wie um die, die Material für bis zu zehn Stück abgeholt haben.» Eine geübte Näherin benötige für das Nähen einer Garnitur eineinhalb bis zwei Stunden, schätzt Marianne Huber. Bis Ende Februar haben die Näherinnen nun Zeit, die fertigen Garnituren wieder abzuliefern. Ein Grossteil ist bereits bei Marianne Huber eingetroffen.

So viel man will und kann

Durch die Anfrage bei der Firma Kyburz hat die Aktion noch eine weitere Komponente erhalten. Das Unternehmen unterstützt das Hilfsprojekt, indem es den Bettinhalt, bestehend aus Decke, Kissen, Fixleintuch und Militärmatratze, für 95 Franken abgibt. «Bei so einem guten Angebot konnte ich nicht widerstehen. Das schaffen wir auch noch, dachte ich», sagt Marianne Huber.

Das Spendensammeln für den Bettinhalt sei gut angelaufen. «Jeder gibt, so viel er will und kann. Kleine Spenden sind ebenso willkommen wie das Sponsoring eines ganzen Bettinhaltes.» Und dies ist keine leere Phrase, denn besonders gefreut hat sich Marianne Huber über den Zwei­fränkler, den sie von ihrem freudestrahlenden, zehnjährigen Enkelkind erhalten hat.

Informationen über die Hilfsorganisation im Internet: www.lio.ch

In über 20 Ländern tätige Organisation

«Licht im Osten» ist 1920 im Nachgang zum Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution gegründet worden. Das Leitbild «Wort und Tat» der Gründungsväter wird auch heute noch mit Hilfsprojekten und der Verbreitung des Evangeliums in über 20 Ländern stetig umgesetzt. Das Hilfswerk arbeitet ausschliesslich durch einheimische Missionare und Partner, unterstützt, schult und fördert die Missionare vor Ort in den Einsatzgebieten und wirkt als Bindeglied zwischen den Missionaren und den Partnern der Schweiz. (red)