Genossenschaft will in Arbon auf Land der evangelischen Kirchgemeinde bezahlbaren Wohnraum schaffen

Am 20. November stellen die Kirchbürger die Weichen. Es winken Einnahmen von jährlich 184'000 Franken.

Markus Schoch
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Visualisierung des Projektes mit dem zentralen Innenhof. (Bild: PD)

Visualisierung des Projektes mit dem zentralen Innenhof. (Bild: PD)

Die Kirchenbehörde möchte die fast 7'500 Quadratmeter grosse Parzelle des ehemaligen Alters- und Pflegeheims an der Romanshornerstrasse der Genossenschaft Ziegelhütte Arbon für 100 Jahre im Baurecht abgeben. Diese plant dort eine Überbauung mit rund 50 ganz unterschiedlichen Wohneinheiten, die Jungen und Alten, Alleinstehenden und Familien ein Zuhause bieten soll. Es gibt sogar ein paar Reiheneinfamilienhäuser.

Am 20. November entscheiden die Kirchbürger an einer ausserordentlichen Versammlung über den Vertrag, der einen Baurechtszins von jährlich 184'000 Franken vorsieht, wobei der Ansatz alle fünf Jahre neu berechnet wird mit Blick auf mögliche Veränderungen des Referenzzinssatzes beziehungsweise des Landwertes.

Lokale Genossenschaft trägt Projekt

Die Kirchenvorsteherschaft hatte das Grundstück ausgeschrieben und sich mit dem beigezogenen Raumplaner Ivo Liechti für das Projekt des Basler Architekturbüros Nussbaumer Trüssel entschieden. Es überzeuge in verschiedener Hinsicht, sagt Kirchenpräsident Robert Schwarzer. Trägerschaft sei eine lokal verankerte Genossenschaft, zu deren Gründungsmitgliedern unter anderem die ehemalige Stadträtin Veronika Merz oder Kantonsrätin Inge Abegglen gehören. Präsident ist der verantwortliche Architekt Thomas Nussbaumer, der in Freidorf aufgewachsen ist und in Arbon zur Schule ging.

Ihnen allen gehe es nicht darum, eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften, sondern bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Was Schwarzer und den anderen Kirchenvorstehern auch gefällt: Die Siedlung soll ein Ort des gesellschaftlichen Austausches werden, wo sich die Bewohner im zentralen Innenhof treffen, über den alle Wohnungen erschlossen sind. Oder im Hauptgebäude des ehemaligen Alters- und Pflegeheimes, das Nussbaumer als «Zentrum der geplanten Anlage» bezeichnet. Dort soll es einen Saal, Gästezimmer, Büros, Werkstätten, Proberäume und eine Terrasse geben.

Kirchenbehörde beantragt Umzonung

Im ehemaligen Alters- und Pflegeheim soll es gemeinschaftliche Räumlichkeiten geben. (Bild: Max Eichenberger)

Im ehemaligen Alters- und Pflegeheim soll es gemeinschaftliche Räumlichkeiten geben. (Bild: Max Eichenberger)

Im Moment steht das Gebäude noch in der Zone für öffentliche Bauten. Die Kirchenbehörde hat bei der Stadt beantragt, daraus eine Wohn- und Arbeitszone hoher Baudichte zu machen. «Wir sind im Gespräch mit dem Stadtpräsidenten», sagt Schwarzer. Das Projekt wäre aber nicht gefährdet, wenn es nicht so kommen sollte, wie sie es sich vorstellen würden, sagt Nussbaumer. «Es ist kein Killerkriterium.» Sie müssten dann aber neue Lösungen finden.

Die Investitionskosten belaufen sich auf insgesamt rund 18 Millionen Franken. Um die Finanzierung macht sich Nussbaumer keine allzu grossen Sorgen. Er habe schon einmal ein ähnliches Projekt umgesetzt.

«Sollte der Baurechtsvertrag zustande kommen, suchen wir andere Genossenschaften und Privatpersonen als Geldgeber.»

Der Bedarf nach einer Siedlung wie der geplanten ist nach Meinung von Inge Abegglen ausgewiesen. Es gebe nur wenig genossenschaftlichen Wohnraum in Arbon, und nichts in dieser Art.

Evangelisches Pflegeheim: Ende Jahr ist definitiv Schluss

ARBON. Das Evangelische Alters- und Pflegeheim geht Ende Jahr zu. Mitarbeitende, die bis zur Schliessung bleiben, erhalten eine Treueprämie. «Wir sind ein guter Arbeitgeber», sagte Kirchenpräsident Röbi Schwarzer, «und wir sind daran interessiert, dass das Personal bis zum Schluss bleibt.
Hedy Züger