Hefenhofer als Pioniere: Zum ersten Mal in der Ostschweiz verpachtet eine kleine Elektra Genossenschaft ihr Stromnetz

Die Regio Energie Amriswil pachtet das Stromnetz von der Elektra Genossenschaft Hefenhofen für zehn Jahre. Das Tafelsilber bleibt so im Besitz der Genossenschafter

Manuel Nagel
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Für die Elektra Genossenschaft Hefenhofen unterzeichnen Präsident Hans Kugler und Vizepräsident Remo Krüsi den Pachtvertrag, für die Regio Energie Amriswil (REA) sind es Ernst Stäheli (Leiter Netz und Technik) sowie REA-Geschäftsführer Urban Kronenberg.

Für die Elektra Genossenschaft Hefenhofen unterzeichnen Präsident Hans Kugler und Vizepräsident Remo Krüsi den Pachtvertrag, für die Regio Energie Amriswil (REA) sind es Ernst Stäheli (Leiter Netz und Technik) sowie REA-Geschäftsführer Urban Kronenberg.

Bild: Manuel Nagel

«Im Mittelland gibt es noch einen solchen Fall», sagt Urban Kronenberg. Aber in der Ostschweiz – zumindest ganz sicher im Thurgau – sei es das erste Mal, dass eine kleine Genossenschaft diesen Schritt wagt. Was der Geschäftsführer der Regio Energie Amriswil (REA) anspricht, ist ein Pachtvertrag für ein Elektrizitätsnetz.

Hans KuglerPräsident der Elektra Genossenschaft Hefenhofen.

Hans Kugler
Präsident der Elektra Genossenschaft Hefenhofen.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 30. Oktober 2020)

Während auf dem ganzen Gemeinde­gebiet von Amriswil nur die REA den Strom anbietet, so wird es in der Gemeinde Hefenhofen etwas komplizierter. Die elf Weiler werden von fünf kleineren Elektras versorgt. Hatswil hat eine, Auenhofen und Brüschwil ebenfalls, Hamisfeld wird von Dozwil her mit Energie versorgt und dann ist da eben noch die Elektra Genossenschaft Hefenhofen, die ausschliesslich den gleichnamigen Weiler bedient.

Ganze 112 Zähler hat die Elektra Genossenschaft Hefenhofen, sagt deren Präsident Hans Kugler. Von den 70 Genossenschaftern sitzen fünf im Vorstand. Kugler sagt:

«Es gibt Studien, die besagen, dass es mehr als 5000 Kunden braucht, um so etwas einigermassen rentabel betreiben zu können.»

Auch Urban Kronenberg weiss das und sagt:

Urban KronenbergVorsitzender der Geschäftsleitung der Regio Energie Amriswil (REA)

Urban Kronenberg
Vorsitzender der Geschäftsleitung der Regio Energie Amriswil (REA)

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 30. Oktober 2020)
«Die regulatorischen Anforderungen und die ganzen netztechnischen Ingenieurarbeiten werden immer komplexer.»

Deshalb führt die REA im Weiler Hefenhofen schon seit fünf Jahren Dienstleistungen für die Elektra Genossenschaft Hefenhofen aus.

Fusion mit anderen Elektras verlief im Sand

Doch nun sind die beiden Partner noch einen Schritt weiter gegangen – und haben einen Pachtvertrag über zehn Jahre unterzeichnet. «Wir haben auch Fusionen mit den anderen Elektras der Gemeinde Hefehofen geprüft», sagt Hans Kugler. Doch einzig die Elektra Brüschwil sei gesprächsbereit gewesen. Die Elektra Hatswil hat lukrative Grosskunden in deren Gebiet, sodass dort kein Interesse an einer Fusion besteht. «Also blieb eigentlich nur die Pacht, und das gefiel uns je länger, je besser», sagt Kugler. Und Remo Krüsi, Vizepräsident der Elektra Genossenschaft Hefenhofen, ergänzt, dass hierbei nur die REA in Frage kam:

Remo KrüsiVizepräsident der Elektra Genossenschaft Hefenhofen.

Remo Krüsi
Vizepräsident der Elektra Genossenschaft Hefenhofen.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 30. Oktober 2020)
«Für mich ist zentral, dass die Regio Energie Amriswil schon seit längerer Zeit unser Partner ist.»

Somit bricht in der langen Geschichte der Elektra Hefenhofen – die Genossenschaft existiert schon seit 1911 – ein neues Kapitel an. Hans Kugler erinnert sich, dass noch vor 14 Jahren, als er in den Vorstand kam, ein Kassier mit seinem Kassenbuch von Zähler zu Zähler ging, den Betrag ausrechnete und bei einigen Kunden gleich einzog. Dann sei die Umstellung auf elektronische Zähler gekommen «und man konnte das nicht mehr ‹vo Händsche› machen», sagt der Präsident. Der Pachtvertrag entlaste den Vorstand nun massiv.

Genossenschaft bleibt im Besitz des Stromnetzes

Ernst StäheliLeiter Netz und Technik der Regio Energie Amriswil (REA)

Ernst Stäheli
Leiter Netz und Technik der Regio Energie Amriswil (REA)

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 30. Oktober 2020)

Für die Stromkunden soll sich hingegen so gut wie nichts ändern, sagt Ernst Stäheli, der Leiter Netz und Technik bei der REA. Ab 2022 werde der Preis für die Energie an den von Amriswil angepasst, aber der sei heute schon quasi gleich. Auch bei der Infoveranstaltung diesen Herbst gab es kaum kritische Stimmen der Genossenschafter. Wohl auch deshalb, weil das Netz weiterhin in deren Besitz bleibt. «Das Tafelsilber verkauft man nicht, so lange es einem noch gut geht», sagt auch Urban Kronenberg. So werde die REA das Netz zwar unterhalten, aber Investitionen werde die Elektra Genossenschaft Hefenhofen in Absprache mit der REA mit dem Pachtzins bezahlen.

Dass das Netz nicht verkauft werde, sei auch ein Anliegen der Gemeinde Hefenhofen gewesen, sagt Hans Kugler. Diese wolle das Vorkaufsrecht haben.