Hefenhofen sucht seine Identität

Rund 60 Einwohner der Elf-Weiler-Gemeinde platzieren an einem Workshop ihre Ideen zur Zukunft Hefenhofens.

Manuel Nagel
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So früh am Samstagvormittag war es zwar nicht mehr, doch Hefenhofens Gemeindepräsident Thomas Schnyder wollte die Anwesenden dennoch mit einem kleinen Quiz «aufwecken», wie er sagte. Zu gewinnen gab’s auch was: einen Honig aus Hefenhofen.

Wie viele Einwohner die Gemeinde denn am 31.Dezember 2019 offiziell hatte, lautete die Frage. Die spontan in den Mehrzwecksaal Sonnenberg gerufenen Antworten lagen alle nahe beieinander, doch es dauerte einige Versuche, bis eine Frau die richtigen «1201» erriet.

Wären alle Einwohner zu diesem Workshop gekommen, so wäre nicht nur der Saal zu klein gewesen, sondern auch der Anlass selber hätte aufgrund der 1000-Leute-Beschränkung des Bundes aufgrund des Corona-Virus nicht stattfinden können. Gekommen waren letztlich rund fünf Dutzend – etwas weniger als Verwaltung und Gemeinderat gedacht hatten.

Nicht «Top-down» und auch nicht «Bottom-up»

Im Jahr 2013 beschlossen die Stimmbürger der Gemeinde, dass Hefenhofen eigenständig bleiben und keine Fusionsverhandlungen mit Amriswil aufnehmen soll. «Das ist eine Chance, die wir nutzen sollten», sagte Thomas Schnyder in seiner Einleitung. In den nächsten Wochen gehe der Gemeinderat in Klausur und setzte sich dort ganz konkrete Legislaturziele.

Diese wolle man aber nicht «Top-down» aus dem Gemeinderat bestimmen, aber auch nicht «Bottom-up» mittels Anträgen von Leuten, die einfach am lautesten rufen, so der Gemeindepräsident. Deshalb habe man zu diesem Workshop eingeladen, um die ganze Bevölkerung mit ins Boot zu holen.

Einige, die an diesem Vormittag nicht teilnehmen kon­nten, liessen dem Gemeinderat ihre Anregungen schriftlich zukommen – und eine Partizipation soll auch weiterhin möglich sein, wie Schnyder versprach.

Die Gemeinde als Beispiel für Föderalismus

Unterstützung erhielt Thomas Schnyder von Jean-Claude Kleiner. Der Berater aus St.Gallen begleitete schon viele Gemeinden, gleiste unter anderem schon die Megagemeindefusion im Kanton Glarus oder von Rapperswil-Jona auf. Nun soll er Hefenhofen helfen, eine Identität zu finden.

Die Gemeinde sei speziell, fand auch Thomas Schnyder. Man habe keinen Dorfkern, keine Kirche, keine Einkaufsmöglichkeiten. Deshalb seien verbindende Anlässe und Orte so wichtig. «Die Identität muss gepflegt werden», sagte Schnyder.

Jean-Claude Kleiner bekräftigte das und sprach von der «Seele der Gemeinde». Wenn diese wackle, stehe eine Gemeinde vor einer Fusion – «und das wollen Sie ja nicht». Immer dann würden Fusionsgedanken aufkommen, wenn es finanzielle Probleme gebe oder man keine Leute für die Behörde fände.

Der Föderalismus mit den kleinen Einheiten müsse in der Schweiz zwar bewahrt werden, doch es brauche Gemeinsames. Das treffe auch auf Hefenhofen mit seinen elf Weilern zu.

Ein Pumptrack wie in Salmsach oder Güttingen

Eine Gruppe von sechs Familienvätern aus der Gemeinde nutzte die Gelegenheit, den Anwesenden in der Mehrzweckhalle Sonnenberg ihre Vision vorzustellen.
«Wir wollen das geografische Zentrum Hefenhofens stärken und hier im Sonnenberg einen Treffpunkt für Familien machen», sagte der Auenhofer Pascal Reis. Zusammen mit dem Hatswiler Lukas Steinlin brachte Reis die Idee vor, im Spickel zwischen Cholagger, Mehrzweckhalle und Amriswilerstrasse eine Grillstelle mit Sitzgelegenheit sowie einen Pumptrack zu bauen.
Ein Pumptrack ist ein hügeliger Rundkurs für alles, was fährt: Von Velos über Inline-Skates bis hin zu Scootern, die man früher noch Trottinett nannte. «Wir sind mit unseren Kindern selber häufig in der Salmsacher Bucht, wo es einen Pumptrack gibt», erzählte Reis. Dabei sei unter den Familienvätern die Idee entstanden, einen solchen doch in der eigenen Gemeinde zu bauen.
Mit 250'000 Franken Kosten rechnen die Initianten und verschwiegen auch mögliche Nachteile wie Mehrverkehr und Littering nicht, doch bekäme die Gemeinde dafür einen attraktiven Begegnungsort und ein Angebot, das eine breite Bevölkerungsgruppe anspreche und gut für die Gesundheit sei. (man)

Viele Ja, kein Nein und einige Aber

Nach Kleiners kurzem Referat mit Statistiken und Erfahrungen aus anderen Gemeinden war die Reihe an der Bevölkerung. Auf 60 Flipchart-Papierbögen zu insgesamt 15 Themenbereichen konnte jede und jeder Wünsche, Gedanken und Ideen niederschreiben und mit Gleichgesinnten diskutieren. Dafür hatten sie etwas mehr als eine Stunde Zeit.

Anschliessend fassten die fünf Gemeinderäte und die Gemeindeschreiberin Gaby Graber die wesentlichen Punkte zusammen und stellten sie vor. Darunter war auch Lob für diesen Anlass, oder dass der Gemeinderat «bevölkerungsnah» sei. Es gab aber auch Kritik und Verbesserungsvorschläge.

Auf positives Echo stiess im Bereich «aktive Bodenpolitik» der Gedanke eines Landkreditkontos. «Viele Ja, kein Nein und einige Aber», fasste Thomas Schnyder die Voten zusammen.

Grosses Thema war auch der Verkehr und die Verbindungen der elf Weiler untereinander. Diese sollen sicherer werden, war man sich einig. Velowege sollen gefördert und möglichst viele Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. Ebenfalls unbestritten war die Unterstützung eines aktiven Vereinslebens. Jean-Claude Kleiner gab den Hefenhofern folgende Erkenntnis mit auf den Nachhauseweg: «Eine Gemeinde ohne Vereine ist eigentlich klinisch tot.»