HC Thurgau: Wie es zur Trennung mit Goalie Janick Schwendener kam

Gegenseitiges Einvernehmen herrschte in diesem Fall nur, was die Abgangsmodalität betrifft. Der Vertrag zwischen dem HC Thurgau und Goalie Janick Schwendener wurde auf einseitigen Wunsch aufgelöst. Nun muss sich Schwendener einen neuen Club suchen – und der HCT eine Lösung, um Nicola Aeberhard zu entlasten.

Matthias Hafen
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Janick Schwendener im Testspiel gegen den HC Davos, das eine einwöchige Suspendierung des Goalies nach sich zog.

Janick Schwendener im Testspiel gegen den HC Davos, das eine einwöchige Suspendierung des Goalies nach sich zog.

Mario Gaccioli (Kreuzlingen, 18. August 2019)

«Ich wollte den HCT nicht verlassen», sagt Schwendener auf die Botschaft angesprochen, welche die Fans des Ostschweizer Swiss-League-Clubs am Donnerstag erreichte. Der 27-jährige Rückhalt, der noch einen Vertrag für 2020/21 hatte, ist nach drei Jahren nicht mehr erwünscht im Kader des HCT. Damit kommt es auch zur Auflösung des Torhüterduos Schwendener/Aeberhard, das die vergangenen zwei Saisons massgeblich zum sportlichen Erfolg der Thurgauer beigetragen hat.

Die vorzeitige Trennung von Schwendener hat nichts mit der neuen Clubführung zu tun und kam mit Ansage. «Es ist kein Geheimnis, dass Trainer Stephan Mair und ich hie und da aneinandergeraten sind», sagt Schwendener, der mit seiner Art auch provozierend sein kann. Der Bündner mit NLA-Vergangenheit in Davos, Genf, Kloten und Bern fügt demütig an, dass er auch Sachen gesagt habe, die man besser nicht sagt. «Ich bin kein Kind von Traurigkeit, das ist mir bewusst», so Schwendener. Sein Bestreben sei es aber stets gewesen, als Team besser zu werden.

Starke Qualifikationen, schwache Playoffs

Mit der Vertragsauflösung verzichtet der HC Thurgau künftig auf einen Rückhalt, der es in der NLB-Qualifikation drei Jahre in Folge auf eine starke Fangquote von 91 Prozent und mehr gebracht hat. In den vergangenen zwei Saisons kristallisierte sich aber auch heraus, dass Janick Schwendener kein Playoff-Goalie ist. In der entscheidenden Phase der Meisterschaft war die Nummer 92 unerklärlicherweise nicht mehr der Rückhalt für die Mannschaft, den er hätte sein können, ja sein sollen.

Janick Schwendener in der Saison 2017/18, seiner ersten ganzen mit dem HC Thurgau.

Janick Schwendener in der Saison 2017/18, seiner ersten ganzen mit dem HC Thurgau.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 15. Oktober 2017)

Eine Suspendierung Schwendeners in der Vorbereitung auf die Saison 2019/20 zeigt zudem das schwierige Verhältnis zwischen dem talentierten, kommunikativen Goalie und dem HC Thurgau auf. «Am Bodensee-Cup hat mich mein Davoser Kumpel Enzo Corvi mit einem Treffer ziemlich blöd aussehen lassen. Daraufhin habe ich Corvi angeschnauzt, was einige Leute so interpretiert haben, dass mir das Spiel egal wäre und ich blödle, was natürlich nicht stimmte», erklärt Schwendener seine Sicht der Umstände, die damals zur Disziplinarstrafe geführt hatten. Wenn Missverständnisse in einem Team so gross sind, dann wird es Zeit, sich zu trennen. Das sieht auch Schwendener ein, der den Thurgau immer wieder als seine neue Heimat bezeichnete. Besonders gefreut habe er sich ob einer herzlichen Message seines Goaliekollegen Nicola Aeberhard.

Die gegenseitige Vertragsauflösung sieht vor, dass Schwendener seine Zelte im Thurgau nicht sofort abbrechen muss, sondern sich Zeit lassen kann, um sich einen neuen Club zu suchen. An den Rücktritt denkt er nicht. «Ich werde im Sommer 28 Jahre alt und komme ins beste Alter für einen Eishockeygoalie. Zudem habe ich zu viel in diesen Sport investiert, um jetzt damit aufzuhören.»

Entlastung für Aeberhard aus der National League?

Verwaltungsrat Ralph Ott bestätigt, dass es der HC Thurgau war, der den Vertrag auflösen wollte – ein Entscheid, getragen von der Sportkommission und dem Verwaltungsrat. «Wir werden die Lücke, die Schwendener hinterlässt, nicht zu hundert Prozent füllen können», so Ott. «Doch wir wollen künftig noch mehr mit jungen Talenten arbeiten.» Aus diesem Grund wurde als Back-up-Goalie für die kommenden zwei Saisons der 19-jährige Bryan Rüegger von Seewen aus der MySports League verpflichtet. Ott sagt aber auch, dass man Aeberhard wohl nicht schon eine ganze Saison lang die Nummer eins aufbürden könne. Deshalb strebt der HC Thurgau eine weitere Lösung zwischen den Pfosten mittels B-Lizenz aus der National League an.

Italienischer Verteidiger zum HC Thurgau

Für die Saison 2020/21 hat der HC Thurgau Goalie Bryan Rüegger, Verteidiger Sebastiano Soracreppa und Stürmer Jérôme Lanz unter Vertrag genommen. Der 21-jährige Baselbieter Lanz, der als Center und als Flügel eingesetzt werden kann, stösst vom EHC Olten zum Swiss-League-Club aus Weinfelden. Zuvor spielte er im Nachwuchs von Basel und Zug. Der 20-jährige Soracreppa ist ein ehemaliger italienischer Nachwuchs-Internationaler mit Schweizer Pass. Der Südtiroler verbrachte seine gesamte Jugend bei den Fassa Falcons aus der Alps Hockey League, wo er die vergangenen vier Saisons auch in der ersten Mannschaft spielte. Der 19-jährige Goalie Bryan Rüegger (nicht verwandt mit und anders geschrieben als Kloten-Legende Ronnie Rüeger) wird für zwei Jahre unter Vertrag genommen. Der Zentralschweizer wurde zuletzt mit Rapperswil-Jonas U20-Top Schweizer Meister.