HC Thurgau vor dem Saisonstart: Das heisse Spiel mit dem Spektakel

Am Freitag um 20 Uhr beginnt für den HC Thurgau die Swiss-League-Saison 2020/21. Im Heimspiel gegen die GCK Lions tritt eine Ostschweizer Mannschaft an, die zwölf neue Spieler integrieren musste. Neu verfügt der HCT über mehr Speed und damit auch über eine andere Taktik als zuletzt.

Matthias Hafen
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Der HC Thurgau veränderte sein Gesicht so stark wie lange nicht mehr. Das hat Einfluss auf die Taktik.

Der HC Thurgau veränderte sein Gesicht so stark wie lange nicht mehr. Das hat Einfluss auf die Taktik.

Bild: Mario Gaccioli (1. September 2020)

Der HC Thurgau steckt in einem Dilemma. Während für Erfolgstrainer Stephan Mair primär die positive Entwicklung der Mannschaft und natürlich auch die Resultate im Vordergrund stehen, wünscht sich die neue Klubführung vom HCT auch wieder mehr Spektakel. Sie möchte Eishockey, das Emotionen weckt. Auftritte, die die Zuschauer in der Weinfelder Eishalle Güttingersreuti begeistern und zum Wiederkommen animieren. Also lieber zwischendurch eine irre 7:8-Niederlage anstatt 1:0-Siege in Serie.

Es ist das altbekannte Seilziehen zwischen sportlichem Realismus («was ist mit dem Team möglich») und wirtschaftlichem Idealismus («wie begeistern wir mehr Zuschauer»). Ein Dilemma, das gerade bei Klubs wie dem HC Thurgau ausgeprägt ist, die mit bescheidenen Mitteln auskommen müssen und ihre finanzielle Situation nur mit Mehreinnahmen merklich verbessern können.

Vom Problemkind zum Musterknaben

Doch ging es früher ums nackte Überleben des HCT, hat sich der Swiss-League-Klub aus Weinfelden in den vergangenen Jahren zu einem Musterunternehmen der zweithöchsten Liga gemausert. Kontinuität im Vorstand, fleissige Geschäftsführer (Patrick Bloch, Martin Büsser, Thomas Imhof) und Kontinuität im Trainerstab (Stephan Mair/Beni Winkler) waren und sind das Erfolgsrezept. Und auch wenn die Philosophie von Headcoach Mair auf anderen Pfeilern fusst als dem Spektakel, so hat der 53-jährige Südtiroler vor seiner fünften Saison mit dem HC Thurgau die Zeichen erkannt.

HC Thurgau Kader 2020/21

Goalies
30 Nicola Aeberhard
39 Bryan Rüegger (neu, Seewen/MSL)
Verteidiger
27 Bernhard Fechtig
97 Misha Moor (neu, Ticino Rockets)
51 Patrick Parati
64 Joel Scheidegger
67 Florian Schmuckli (neu, Rapperswil-Jona)
18 Terry Schnyder* (neu, Kloten U20)
68 Sebastiano Soracreppa (neu, Fassa/ITA)
33 David Wildhaber
Stürmer
11 David Baumann* (neu, Kloten U20)
70 Cyrill Bischofberger (neu, Chur/MSL)
4 Patrick Brändli
45 Jason Fritsche (neu, Ticino Rockets)
Brandon Hagel** (CAN/neu, Chicago Blackhawks/NHL)
24 Dominic Hobi
81 Fabio Hollenstein
19 Derek Hulak (CAN/neu, Manitoba Moose/AHL)
63 Jérôme Lanz (neu, Olten)
90 Janik Loosli
28 Joel Moser
21 Jan Mosimann (neu, Rapperswil-Jona)
15 Darcy Murphy (CAN/neu, Lausitzer Füchse/DEL2)
98 Frantisek Rehak*
23 Adam Rundqvist
61 Patrick Spannring
Trainer
Stephan Mair (ITA)
Beni Winkler (Assistent)
Tim Bertsche (Goalietrainer)

* = Leihspieler von Rapperswil-Jona (NLA)
** = vorübergehende Ausleihe von den Chicago Blackhawks (NHL)

Abgänge: Janick Schwendener (Iserlohn/DEL), Franco Collenberg (Rücktritt), Nico Engeler (Winterthur), Marcel Huber (Pikes Oberthurgau/1. Liga), Simon Seiler (Kloten), Joel Steinauer (Dübendorf/MSL), Niki Altorfer (Kloten), Lars Frei (Ajoie), Connor Jones (?), Kellen Jones (Västervik/SWE2), Lars Kellenberger (Basel/MSL), Melvin Merola (Visp), Mica Moosmann (Rheintal/1. Liga), Florian Niedermaier (?), Gianluca Zanzi (Dübendorf/MSL).

Dass er mit Derek Hulak einen risikobeladenen, im Optimalfall aber begeisternden zweiten Ausländer verpflichtete zeugt ebenso davon wie der ins Team geholte Speed der Zuzüge Cyrill Bischofberger, Jérôme Lanz oder Misha Moor. Diese Generation wird das Gesicht des HCT zweifellos verändern.

Mair schraubt erstmals an der Spielweise

Stephan Mair ist nach vier Jahren am Ruder zuzutrauen, dass er die Transformation zu Stande bringt – wenn auch wie gewohnt in kleinen, steten Schritten. Der Italiener hätte allen Grund, sich nach den Abgängen der Schlüsselspieler Franco Collenberg, Simon Seiler, Niki Altorfer und Melvin Merola darüber zu beklagen, dass er seine Aufbauarbeit im Thurgau weitgehend von neuem beginnen kann. Doch Mair nimmt es als neue Herausforderung und sagt: «Nach vier Jahren kann ich nun erstmals die Spielweise der Mannschaft verändern.» Zudem trennte er sich aus eigenem Antrieb von Goalie-Routinier Janick Schwendener. Die Position zwischen den Pfosten könnte in der Saison 2020/21 denn auch die fragilste sein beim HC Thurgau. Doch grundsätzlich sind die Voraussetzungen gegeben, um dem Pre-Playoff zu entgehen und die Viertelfinals frühzeitig zu planen.

Swiss-League-Saisonstart
Freitag, 2. Oktober
19.30 Uhr: Ticino Rockets - Ajoie
19.45 Uhr: EVZ Academy - Visp
19.45 Uhr: Olten - La Chaux-de-Fonds
19.45 Uhr: Langenthal - Winterthur
20.00 Uhr: Sierre - Kloten
20.00 Uhr: Thurgau - GCK Lions