HC-Thurgau-Trainer Mair: «Wir dürfen unseren guten Start nicht überbewerten»

Heute Samstag reist der HC Thurgau als überraschender Leader der Swiss League zu den Ticino Rockets. Doch die Ostschweizer sind vor dem Gastspiel in Biasca gewarnt.

Matthias Hafen
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Stephan Mair holt aus den vorhandenen Mitteln das Maximum heraus.

Stephan Mair holt aus den vorhandenen Mitteln das Maximum heraus.

Mario Gaccioli

Es ist ein ungewohntes Bild. Nach fünf Runden ziert der Thurgauer Löwenkopf, das grün-gelb-weisse Logo des HCT, die Tabellenspitze der Swiss League. Vier Siege stehen einer Niederlage nach Verlängerung gegenüber. Es ist nüchtern betrachtet das Maximum, das Trainer Stephan Mair und sein Team aus dem Saisonstart herausgeholt haben. «Natürlich bin ich glücklich mit dieser Ausbeute», sagt der 53-jährige Südtiroler. «Aber es ist nur eine Momentaufnahme. Wir dürfen das nicht überbewerten. Es warten noch starke Gegner auf uns.»

Bei «starken Gegnern» kommen einem nicht als erstes die Ticino Rockets in den Sinn. Doch das Tessiner Farmteam aus Biasca ist ein weiteres Überraschungsteam in der noch jungen Swiss-League-Saison. Es knöpfte dem HC Ajoie im ersten Spiel einen Punkt ab, besiegte danach die NHL-verstärkten GCK Lions im Penaltyschiessen und verschaffte sich zuletzt mit dem 2:0-Auswärtssieg in Kloten den grössten Respekt. Der HC Thurgau ist also gewarnt, wenn er diesen Samstag, um 16Uhr, gegen die Rockets antritt.

Eine Sturmlinie funktioniert schon sehr gut, eine zweite ist sich am Formieren

Dass der HC Thurgau schon früh in der Saison Erfolge feiert und das von Anfang an mit nur einem Ausländer, kommt für Trainer Mair nicht unerwartet. «Ich hatte vor dem Saisonstart ein besseres Gefühl als in anderen Jahren», sagt er. Grund ist paradoxerweise die Coronapandemie. Sie führte dazu, dass der Saisonstart nach hinten verschoben wurde und Mair mit seinen Mannen mehr Zeit hatte, ein Kollektiv zu formen. «Wir haben in dieser Zeit auch gelernt, mit nur einem Ausländer auszukommen», so Mair. Dies, weil der Kanadier Derek Hulak in seinem ersten Testspiel eine Hirnerschütterung erlitt und seither ausfällt. Insgesamt zwölf neue Spieler musste Headcoach Mair ins Kader integrieren – so viele wie lange nicht mehr. «Wir haben nur Erfolg über die Teamleistung», sagt er. «Nicht über individuelle Klasse.» Das ist mit ein Grund, weshalb die Ausländer des HCT stets Zeit brauchen, bis sie ins System integriert sind und produktiv werden.

Stürmer Mattia Hinterkircher per sofort zum HCT

Der HC Thurgau reagiert auf die lange Verletztenliste und verpflichtete Mattia Hinterkircher bis zum Ende der Saison 2020/21. Der Flügelstürmer wird bereits heute Samstag im Auswärtsspiel gegen die Ticino Rockets zum Einsatz kommen. Hinterkircher entstammt der Juniorenabteilung der ZSC Lions. Für die Zürcher bestritt der 25-Jährige insgesamt 74 Spiele in der National League und erzielte dabei elf Skorerpunkte. Hinterkircher  begann die vergangene Saison bei den Lions, wechselte im Verlauf der Meisterschaft jedoch zum Ligakonkurrenten Ambri-Piotta. In dieser Saison war er bis dato vertraslos, weshalb sein Wechsel zum HC Thurgau innert kurzer Zeit möglich wurde.

Mit Adam Rundqvist, Frantisek Rehak und Jan Mosimann hat Thurgau eine Sturmlinie, die bestens funktioniert. Mit Darcy Murphy, Jason Fritsche und Fabio Hollenstein kristallisierte sich zuletzt eine zweite heraus. «Das beste Zeichen für mich als Trainer ist aber, dass unser Scoring auf viele Schultern verteilt ist», sagt Mair. Sorgen macht dem Südtiroler der dichte Spielplan mit elf Spielen innerhalb des ersten Monats. «Dadurch werden bestimmte Spieler extrem belastet.» Das wiederum begünstigt Verletzungen.

«Unsichtbarer Feind» namens Corona

Das sportliche Hoch des HC Thurgau wird in diesen Tagen durch die aktuelle Coronalage getrübt. Die zunehmenden Fälle im Schweizer Eishockey hängen wie ein Damoklesschwert über den verschiedenen Meisterschaften – auch jener der Swiss League. «Wir haben uns wohl zu sehr in Sicherheit gewiegt», sagt HCT-Headcoach Stephan Mair. Die Sportler versuchten, das Thema rund um die Spiele und Trainings so gut wie möglich auszublenden. «Beunruhigend ist das Ganze aber, weil nichts voraussehbar ist», sagt Mair. «Wir haben es hier mit einem unsichtbaren Feind zu tun.» Der nationale Verband Swiss Ice Hockey hat vorausschauend drei verschiedene Spielpläne ausgearbeitet. Verschlimmert sich die Lage markant, wird nach einem verkürzten Modus gespielt.

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