HC Thurgau gewinnt mit kanadischem Verteidiger 3:1

Der HC Thurgau übt auswärts gegen die EVZ Academy den Playoff-Notfall und setzt sich am Ende verdientermassen durch. Im Kampf um Platz vier und den Heimvorteil im Playoff behalten die Ostschweizer drei Runden vor Schluss die Nase vorn.

Matthias Hafen aus Zug
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Kellen Jones (vorne) agierte am Dienstagabend an der Seite von Patrick Parati erstmals als Verteidiger.

Kellen Jones (vorne) agierte am Dienstagabend an der Seite von Patrick Parati erstmals als Verteidiger.

Mario Gaccioli (18. August 2019)

Für die grösste Überraschung des Spiels war der HC Thurgau gleich selbst besorgt. Headcoach Stephan Mair setzte seinen kanadischen Stürmer Kellen Jones für einmal als Verteidiger ein. Was verrückt tönt, macht durchaus Sinn und hielt dem Test auch stand. Mair will im Playoff, das am Mittwoch, 19. Februar beginnt, auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Auch auf unvorhergesehene Ausfälle in der Defensive.

Die Auswärtspartie gegen die EVZ Academy eignete sich bestens, um Alternativen zu testen. Denn die Zuger waren zwar läuferisch präsent wie immer, kämpften nach dem definitiven Verpassen des Playoffs und dem fast schon gesicherten Ligaerhalt aber nicht mehr so intensiv wie in den Begegnungen zuvor. So kam der HC Thurgau mit vergleichsweise geringem Aufwand zu einem deutlichen Chancenplus und am Ende zu weiteren drei Punkten im Kampf um den Heimvorteil im Playoff.

Eine Minute nach dem 2:0 fällt das Tor zum 1:2

Frantisek Rehak (37.) und Andri Spiller (51.) sorgten mit Powerplay-Treffern für eine an sich beruhigende Führung in einem Spiel, das zu keiner Zeit aus dem Rahmen fallen wollte. Und dann kam sie doch, die Phase, die dem HCT zu denken geben sollte. Nur 63 Sekunden nach Spillers 2:0 kassierten die Gäste den Anschlusstreffer durch Zugs einzigen Ausländer Emil Kristensen. Diese Nonchalence nach einem eigenen Treffer kann im Playoff ein Spiel kosten. Bei der an diesem Abend doch gemässigten EVZ Academy hatte der Faux-pas keine Konsequenzen. Spiller erzielte 20 Sekunden vor Schluss seinen zweiten Treffer an diesem Abend ins leere Tor. Weil auch Visp (5.) und Langenthal (6.) gewannen, bleibt der Dreikampf um Platz vier spannend.

Ansonsten bot das Spiel in der Zuger Academy-Arena das, was man erwarten konnte: So ziemlich nichts. Als Zuschauer fühlt man sich in dieser Trainingshalle stets wie das letzte Stängeli-Glace, das Ende Sommer in der Kühltruhe liegengeblieben ist und nun, im verkaufsarmen Winter, noch immer dort liegt. Um sich herum noch ein paar verlorene Raketen, nicht beachtete Mach1 und langsam schmelzende Soleros. Keine Umgebung, in der man sich länger als nötig aufhalten will.

Thurgauer Fans ein zu geringes Risiko für die grosse Zuger Arena

Die vierte Saison in Folge musste der HC Thurgau alle seine Auswärtsspiele gegen die EVZ Academy in der tristen Trainingshalle neben dem Zuger NLA-Stadion austragen. Die Academy-Arena, ein Eisfeld mit Dach und vier Wänden, spottet eines Stadions, geschweige denn einer Arena. Der HCT ist nebst dem diesjährigen Aufsteiger Sierre die einzige Swiss-League-Mannschaft, die seit 2016 und dem Meisterschaftseintritt des Zuger Farmteams noch nie in der grossen Zuger Eishalle spielen konnte. Alle anderen Teams kamen mindestens einmal in diesem Winter zum Zug, Winterthur zuletzt in der Saison 2018/19. «Das muss ein dummer Zufall sein», sagt Roland Schmid, seit kurzem Leiter der EVZ Academy. Von einer Animosität gegenüber dem HC Thurgau weiss er nichts. Sie wurde ins Spiel gebracht, weil sich die HCT-Fanclubs gegenüber den Farmteams stets kritisch äussern und die Academy-Arena seit Beginn boykottieren. «Wir müssen halt auch das kleine Stadion bespielen, weil dort ebenfalls Sponsoren präsent sind», sagt Schmid – und liefert für Thurgau quasi das Eintrittsticket in die Bossard-Arena. «Hochrisikospiele müssen wir auf Geheiss der Liga im grossen Stadion austragen.» Will heissen, die HCT-Fans brauchen für 2020/21 einfach einen schlechteren Ruf. (mat)

EVZ Academy – Thurgau 1:3 (0:0, 0:1, 1:2)

Academy-Arena, Zug – 125 Zuschauer – SR Eichmann/Erard, Bichsel/Nater.
Tore: 37. Rehak (Altorfer, Merola/Ausschluss Oehen) 0:1. 51. (50:23) Spiller (Hobi, Kellen Jones/Ausschluss Oehen) 0:2. 52. (51:26) Kristensen 1:2. 60. (59:40) Spiller 1:3 (ins leere Tor).
Strafen: 4-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Oehen) gegen die EVZ Academy, 3-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
EVZ Academy: Luca Hollenstein; Capaul, Kristensen; Brunner, Wüthrich; Schüpbach, Stampfli; Graf; Stoffel, Bougro, Langenegger; Oehen, Lust, Volejnicek; Döpfner, Stehli, Eugster; Schleiss, Schwenninger, Wyss; De Nisco.
Thurgau: Aeberhard; Kellen Jones, Parati; Wildhaber, Scheidegger; Collenberg, Fechtig; Seiler, Engeler; Hobi, Connor Jones, Spiller; Spannring, Rehak, Altorfer; Janik Loosli, Rundqvist, Michael Loosli; Frei, Niedermaier, Merola.
Bemerkungen: EVZ Academy ohne Welter (verletzt), Barbei und Minder (beide überzählig). Thurgau ohne Brändli, Hollenstein, Moser (alle verletzt), Schmuckli, Dufner (beide Rapperswil-Jona/NLA), Huber, Kellenberger, Moosmann, Schnetzer, Steinauer und Zanzi (alle Farmteam).

Der HC Thurgau fegt die Zweifel weg

Beim 3:1-Heimsieg gegen den Tabellenzweiten Olten zeigt sich der HCT in Playoff-Form. Weil Visp gleichzeitig verliert, haben die Ostschweizer den Heimvorteil in den Viertelfinals vier Runden vor Qualifikationsende wieder in den eigenen Händen.
Matthias Hafen