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Geduld statt Geld: Das Erfolgsrezept des HC Thurgau widersetzt sich dem Trend

Der Höhenflug des HC Thurgau in der Swiss League hält auch nach 18 Runden noch an. Er ist die Belohnung für erstklassige Arbeit auf und neben dem Eis. Und er beweist, dass sich Geduld eben doch auszahlen kann.
Matthias Hafen
Jubelnde Thurgauer, konsternierte Gegner: Dieses Bild ist in der aktuellen Saison immer wieder zu sehen (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 2. November 2019)

Jubelnde Thurgauer, konsternierte Gegner: Dieses Bild ist in der aktuellen Saison immer wieder zu sehen (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 2. November 2019)

Eigentlich wissen es alle. Schnelle Erfolge sind selten nachhaltig. Deshalb streben die Clubs stets nach Konstanz, wollen gerade nach wenig erfolgreichen Phasen «etwas aufbauen». Doch davon reden, heisst noch lange nicht, es auch zu leben. Lassen die Resultate zu lange auf sich warten, wird der Sportchef kritisiert, der Trainer entlassen und die eingeschlagene Richtung grundsätzlich in Frage gestellt. Geduld hat in der heutigen, schnelllebigen Zeit kaum mehr Platz.

Wenn Clubs den Beweis dafür brauchen, dass sich Geduld doch auszahlt, lohnt der Blick auf den HC Thurgau. Beim NLB-Club aus Weinfelden erhielt Stephan Mair vor drei Jahren die Chance, etwas aufzubauen. Er war zwar eine Notlösung, nachdem der heutige Davos-Trainer Christian Wohlwend den HCT Hals über Kopf verlassen hatte. Doch manchmal spielt eben der Zufall Schicksal. Der in der Schweiz zuvor unbekannte Südtiroler Mair hatte bei Thurgau gerade genügend Material für ein Bungalow. Heute wächst das architektonische Werk des neuen HCT-Baumeisters in den Himmel.

Eine Führung mit weniger Geduld hätte Mair ersetzt

Gewiss, die Erwartungshaltung im Thurgau ist bescheiden. Die erste Halbfinalteilnahme seit 21 Jahren wurde im vergangenen Playoff wie ein Titelgewinn gefeiert. Doch das ändert nichts daran, dass Mair und sein Assistent Beni Winkler den Erfolg in den Club zurückbrachten – in kleinen Schritten zwar, aber stetig. Bis zum Durchbruch, der Halbfinal-Teilnahme im vergangenen Frühjahr, dauerte es drei Jahre. Eine Clubführung mit weniger Geduld hätte Mair durch einen anderen Coach ersetzt. Zumal der 52-jährige Italiener mit seiner sprichwörtlichen Südtiroler Sturheit nicht immer einfach im Umgang ist. Doch der Verwaltungsrat mit Präsident Hansjörg Stahel und Vize Max Hinterberger bewies Weitsicht. Sowieso die ganze sportliche Führung, der auch Geschäftsführer und Sportchef Patrick Bloch angehörte. Ihre Politik der Geduld, die auch Blochs Nachfolger Martin Büsser propagiert, scheint für den Landclub mit verhältnismässig kleinem Budget das richtige Rezept zu sein.

Auch heute ist der HC Thurgau kein klassisches Spitzenteam der Swiss League. Der Erfolg fusst mehr auf ehrlicher, harter Teamarbeit denn auf individueller Klasse. Aber die Mannschaft ist gefestigter denn je, zeigt nur noch selten Ausschläge nach oben oder unten und lässt die Fans wieder von Grösserem träumen. Grösseres heisst im Thurgau etwa der Heimvorteil im Playoff.

Leaderthron in Reichweite

Mit dem 4:3-Sieg nach Verlängerung am Samstag gegen die GCK Lions festigte der HC Thurgau seinen Platz in der Spitzengruppe der Swiss League. Gemessen am Gezeigten auf dem Eis ist das Resultat ein verlorener Punkt. Fürs grosse Bild aber zählt dieser Erfolg ebenso wie die elf Siege zuvor. «Meine Aufgabe ist es, hinter die Resultate zu schauen», sagt Headcoach Mair. «Denn der Ist-Zustand reicht nicht für das, was noch kommt.» Die Spieler besser machen, die Mannschaft vorwärts bringen, ist das oberste Credo des Italieners, der im Thurgau erstmals so richtig Anerkennung für seine Arbeit erfährt.

Auch Mair ist nicht gefeit vor Rückschlägen. Und ein Spitzenplatz nach 18 Runden macht noch lange keine zweite Halbfinal-Qualifikation im Playoff aus. Aber dass man sich in der zehntägigen Nationalmannschaftspause schon auf das nächste Spiel vom 12. November in Pruntrut freut, sollte man auch mal geniessen im Thurgau. An jenem Dienstag nämlich kann der HCT mit einem weiteren Sieg Leader Ajoie einholen.

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