HAUPTWIL-GOTTSHAUS
Den Blick nach dem Kanton St.Gallen gerichtet: Matthias Gehring sagt dem Thurgau Adieu

Der Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus kandidiert für dasselbe Amt in der St.Galler Gemeinde Thal. Er kündigt seinen Rücktritt per Ende Jahr an. Die neue Stelle würde er im Falle einer erfolgreichen Wahl am 1. Januar 2022 antreten.

Georg Stelzner
Merken
Drucken
Teilen
Gemeindepräsident Matthias Gehring in seinem Büro in Hauptwil.

Gemeindepräsident Matthias Gehring in seinem Büro in Hauptwil.

Bild: Reto Martin (Hauptwil, 31. Januar 2021)

Seit zehn Jahren ist Matthias Gehring Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus. Für Überraschungen war er seither immer wieder gut. Diesem Ruf wird er auch jetzt gerecht.

Zwei Wochen, nachdem er durch die Gemeindeversammlung geführt und dabei alle Anträge bewilligt bekommen hat, legt er Karten auf den Tisch, die von grossen Teilen der Bevölkerung wohl mit Staunen zur Kenntnis genommen werden.

Matthias Gehring (SVP) hat sich entschlossen, sein Amt per Ende Jahr zurückzulegen und für dieselbe Funktion in der Gemeinde Thal zu kandidieren. Zum Zeitpunkt der Gemeindeversammlung habe er noch nicht gewusst, wie die Weichen gestellt werden, versichert er.

Gehring hat «ein gutes Bauchgefühl»

Zu seinem Entschluss sagt Matthias Gehring:

«Für einen Rücktritt gibt es wohl nie einen richtigen Zeitpunkt. Man muss diesen Schritt machen, wenn sich die Chance dazu bietet.»

Er sei in der Vergangenheit wiederholt angefragt worden, habe entsprechende Angebote aber immer abgelehnt. Das war bis vor wenigen Wochen so. Dann kam über ein Stellenvermittlungsbüro der Kontakt mit jener Findungskommission zu Standen, die beauftragt war, einen Nachfolger für Felix Wüst zu suchen und zu portieren.

Der Verlockung, in Thal, einer rund 6500 Einwohner zählenden Gemeinde am Bodensee, das Gemeindepräsidium zu übernehmen, konnte der 42-Jährige nicht widerstehen. Gehring ist zuversichtlich:

«Jetzt stimmt alles, ich habe ein gutes Bauchgefühl.»

Er weiss aber auch, dass seine Wahl noch nicht in trockenen Tüchern ist, selbst wenn sich die Findungskommission für eine Einerkandidatur entschieden hat.

Respekt vor der Aufgabe in Thal

Von Hauptwil nach Thal also. Doch warum eigentlich? In Hauptwil-Gottshaus läuft es doch grosso modo rund. Dieser Feststellung mag Gehring auch gar nicht widersprechen. Die Frage nach der Motivation für den Wechsel beantwortet er so:

«Ich möchte die Möglichkeit, mich in einer grösseren Gemeinde weiterzuentwickeln, nutzen. Ich sehe das als neue Herausforderung.»

Mit diesem Gedanken habe er schon längere Zeit gespielt, ohne jedoch konkrete Pläne zu schmieden. Dass Thal mit der wesentlich grösseren Gemeindeverwaltung, den zahlreichen Industriebetrieben sowie dem Bodensee und dem Flughafen in einer höheren Liga spielt, ist Gehring bewusst. Er habe auch den nötigen Respekt vor dieser Aufgabe, betont er.

Vorfreude und Genugtuung

Der Gemeindepräsident vermittelt den Eindruck, das «Paradies im Grünen» (Eigendefinition der politischen Gemeinde) mit zwei lachenden Augen zu verlassen. Da ist einerseits die Vorfreude auf eine interessante neue Aufgabe, und anderseits die Genugtuung, eine intakte Gemeinde mit einer soliden finanziellen Basis und einer kompetenten Verwaltung übergeben zu können.

Positiv bewertet Gehring auch die rege Bautätigkeit in Gestalt sinnvoller Überbauungen und wichtiger infrastruktureller Projekte. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt er die mit September 2016 erfolgreich durchgeführte Bauern- und Gewerbeausstellung: «Das war ein extrem schönes Wochenende.»

Rücktritt kommt so oder so

Gehring betont, dass die Ankündigung seiner Demission in Stein gemeisselt sei. Das bedeutet, dass er sein Amt in Hauptwil-Gottshaus auch im unwahrscheinlichen Fall, dass es mit der Wahl in Thal nicht klappen sollte, nach zehneinhalb Jahren niederlegen wird. Es sei ja auch gut, von Zeit zu Zeit neuen Leuten mit neuen Ideen Platz zu machen, findet er.

Passende Abschiedsworte sind Gehring schon jetzt zu entlocken:

«Ich würde mich freuen, wenn Hauptwil-Gottshaus sich in positivem Sinn weiterentwickelt, dabei eigene Meinungen vertritt und sich von Fusionsdiskussionen nicht beirren lässt.»