HAUPTWIL-GOTTSHAUS
Die Gemeinde ist dank des Weihers «reich» - nun erhöht sich das Eigenkapital nochmals

Die Gemeindeversammlung von Hauptwil-Gottshaus genehmigte die Jahresrechnung und hhiess einen Kreditantrag für die Verbesserung der Versorgung mit Strom und Wasser gut.

Georg Stelzner
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Der Hauptwiler Weiher stellt einen Wert von rund einer Million Franken dar.

Der Hauptwiler Weiher stellt einen Wert von rund einer Million Franken dar.

Bild: Thi My Lien Nguyen (Hauptwil, 17. Juli 2017)

Anstelle des üblichen musikalischen Auftakts, der den Coronaschutzmassnahmen ebenso zum Opfer fiel wie der Apéro am Ende, sorgte ein Sommergewitter mit Donnergrollen an der Gemeindeversammlung für die akustische Kulisse. 43 Stimmberechtigte (3,25 Prozent) hatten sich am Dienstagabend in der Mehrzweckhalle von Hauptwil eingefunden, um über die Rechnung 2020 der Politischen Gemeinde Hauptwil-Gottshaus und einen Kredit von 1,336 Millionen Franken zu befinden.

Gemeindepräsident Matthias Gehring hatte schon vor der Präsentation der mit einem Gewinn abschliessenden Jahresrechnung eine frohe Botschaft für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger:

«Sie können die Maske abnehmen!»

Das Gemeindeoberhaupt begründete das mit der Entspannung an der Coronafront. Als Entschädigung für den gestrichenen Apéro kündigte Gehring eine kleine Überraschung für alle an.

Gewinn statt des erwarteten Verlusts

«Viele Ressorts haben sehr gut budgetiert», stellte Gehring bei der Vorstellung der Jahresrechnung fest, die einen Gewinn von 274'724 Franken ausweist und damit um 627'189 Franken besser abschliesst als budgetiert. Dazu beigetragen hätten vor allem der höhere Steuerertrag, der geringere Aufwand für die soziale Sicherheit und der höhere Finanzausgleichsbeitrag des Kantons.

Matthias Gehring, Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus.

Matthias Gehring, Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus.

Bild: Reto Martin (Hauptwil, 31. Januar 2018)

Als Investitionen, die im Jahr 2020 getätigt wurden, nannte Gehring die Anschaffung eines neuen Traktors für das Bauamt, die Erstellung eines Salzsilos, die Erschliessung des Mehrfamilienhauses Roose in Hauptwil und den Ersatz der Wasserleitung Frohburg.

Diskussion über die Gewinnverwendung

In der Diskussion über die Rechnung kamen mehrere Punkte zur Sprache. Ein Stimmbürger schlug vor, den Ertragsüberschuss nicht, wie vom Gemeinderat vorgeschlagen, dem Eigenkapital zuzuweisen, sondern für eine Spezialfinanzierung «Strassenunterhalt» zu verwenden. Der Gemeindepräsident stellte in seiner Replik klar, dass dies aus rechtlichen Gründen gar nicht möglich sei:

«Vorfinanzierungen sind nur zulässig, wenn es dafür schon fixfertige Projekte gibt.»

Gehring räumte ein, dass Hauptwil-Gottshaus mit 7,3 Millionen Franken über sehr viel Eigenkapital verfüge, doch sei dies eine Folge des neuen Rechnungslegungsmodells gemäss HRM2. So werde etwa der Weiher mit über einer Million Franken bewertet.

Kritisch hinterfragt wurde sodann der Umstand, dass dieselbe Treuhandfirma, welche der Rechnungsprüfungskommission bei der Revision beratend zur Seite steht, im Mandatsverhältnis auch mit der Leitung der kommunalen Finanzverwaltung betraut ist. Der Gemeindepräsident zerstreute diesbezügliche Bedenken:

«Es handelt sich zwar um ein und dieselbe Firma, aber um unterschiedliche Personen aus verschiedenen Abteilungen des betreffenden Unternehmens.»

Rechtlich sei das Outsourcing der Finanzverwaltung zulässig.

Weshalb so hohe Beraterhonorare?

Anstoss genommen wurde an den hohen Beraterhonoraren. Ein Stimmbürger zeigte sich angesichts des Gesamtbetrags von 310'000 Franken schockiert. Gehring gab zu bedenken, dass eine Behörde heutzutage auf die Meinung von Fachleuten nicht verzichten könne, da sehr oft rechtliche Fragen zu klären seien. Bei einigen wenigen Enthaltungen segnete die Gemeindeversammlung die Jahresrechnung und die vom Gemeinderat vorgeschlagene Gewinnverwendung ab.

Die angekündigte kleine Überraschung für die Versammlungsteilnehmer entpuppte sich am Ausgang der Mehrzweckhalle als «Goodi-Bag», dessen Inhalt aus Chips, zwei Getränken und einem Paar Würsten bestand.

Ja zum Kreditantrag

Nicht einstimmig, aber mit grosser Mehrheit hiess die Gemeindeversammlung einen Kreditantrag von 1,336 Millionen Franken für die zeitgemässe Versorgung der Bevölkerung mit Strom und Wasser gut. Rund 845'000 Franken werden für den Netzausbau in St.Pelagiberg benötigt, rund 491'000 Franken finden für neue Wasserleitungen in den Abschnitten Mollishaus–Trön und Trön–Hasum Verwendung. Es handelt sich um die zweite Etappe eines dreiteiligen Projekts. Laut Gemeindepräsident Matthias Gehring dient das laufende Jahr der Planung, während die Realisierung 2022 erfolgen soll. An die Kosten zur Verbesserung des Brandschutzes werde die Gebäudeversicherung einen namhaften Beitrag leisten, ergänzte Gehring. (st)