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«Hät’s no Platz i de Badi?»

Ausgestorbene Stadt Amriswil-Redaktor Manuel Nagel hat sich am heissen Donnerstagnachmittag im Zentrum umgesehen und landete schliesslich – wie fast alle Amriswiler – in der Badi.
Manuel Nagel
Die sonst so belebte Bahnhofstrasse ist am Donnerstagnachmittag fast ausgestorben. Selbst auf der Schattenseite der Einkaufsstrasse findet man ohne Probleme noch Parkplätze. (Bild: Manuel Nagel)

Die sonst so belebte Bahnhofstrasse ist am Donnerstagnachmittag fast ausgestorben. Selbst auf der Schattenseite der Einkaufsstrasse findet man ohne Probleme noch Parkplätze. (Bild: Manuel Nagel)

Ich muss unweigerlich an Joe Cockers «Summer In The City» denken, als ich die Bahnhofstrasse hochfahre – obwohl im Radio etwas anderes läuft. Die sonst so belebte Einkaufsstrasse ist fast leer. «All around, people looking half dead. Walking on the sidewalk, hotter than a match head», singt Cocker. Ob das Amriswiler Trottoir an diesem Nachmittag heisser als ein Zündholzkopf ist? Wahrscheinlich. Ich schmelze jedenfalls gleich dahin. Und die halb tot aussehenden Leute, die in der Textzeile besungen werden, das trifft’s ziemlich genau, wie ich mich derzeit fühle.

Oben beim Marktplatz sind doch tatsächlich drei Jugendliche mit Skateboard und Velo bei der Pump-Track-Anlage. Aber auch die kühlen sich lieber mit dem Wasser aus dem Brunnen ab, als auf der Bahn zu schwitzen. Schwitzen, das tun sie ja sowieso.

Aber vielleicht waren sie ja auch auf dem Weg in die Badi. Wie so viele, die jetzt auf den Strassen Amriswils sind. Fast alle laufen in Richtung Kilbwiesen – und wenn sie eine Strandtasche unter dem Arm haben, ist der Fall klar. Also nichts wie los, denn im Zentrum gibt’s definitiv nichts zu sehen.

An der Schwimmbadkasse sitzt Heidi Zingg-Stucki. Wobei sitzen so nicht stimmt, denn sie rotiert hin und her, weil alle etwas von ihr wollen. Die meisten wollen bezahlen oder ihr Saisonabo zeigen. Bei jedem Besucher drückt Heidi Zingg-Stucki auf einen Handzähler. Zwei Buben wollen einen Ball, eine Mutter fragt nach einem liegengebliebenen Stofftier ihrer Tochter, eine junge Frau will mit Euro bezahlen – und ich will eigentlich nur wissen, wie viele Leute schon drin sind. Kurz vor 15 Uhr sind es bereits knapp über 1200 Tagesgäste .

Der Rekord vom Vortag dürfte an diesem Donnerstag nicht gebrochen werden. 2626 Personen kamen in die Amriswiler Badi. Noch nicht einmal die Hälfte, «obwohl jetzt dann gleich noch die Schüler kommen», sagt Zingg-Stucki. Um 15 Uhr sei der Unterricht fertig, sagt sie.

Das Telefon klingelt. Die Person am anderen Ende will wissen, ob’s noch Platz habe, ob es viele Leute habe. Was für eine Frage, wenn es draussen gegen 34 Grad im Schatten heiss ist. Trotzdem behält Zingg-Stucki kühlen Kopf und meint, in einem Hallenbad gebe es wohl noch mehr Platz. Ein spontaner Besucher will sich eine Badehose ausleihen. Heidi Zingg-Stucki wühlt für den jungen Mann in einem Plastikkorb, in dem es aber nur noch Kindergrössen hat. Alltag an der Kasse des Schwimmbads. Um 19.34 Uhr klickt Zingg-Stucki das letzte Mal. Der Zähler steht bei 2154.

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