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Happy End in Schanghai: Kreuzlinger Lebensretterin besucht den Geretteten in China

Genau zwei Jahre ist her, seit ein chinesischer Austauschschüler beinahe im Seerhein ertrunken wäre. Seine Lebensretterin, Kantilehrerin Eva Büchi, hat den komplett wieder genesenen Erdong besucht.
Urs Brüschweiler
Erinnerungsfoto aus Schanghai: Eva Büchi mit dem geretteten Erdong an ihrer Seite und seiner Schulklasse. (Bild: PD)

Erinnerungsfoto aus Schanghai: Eva Büchi mit dem geretteten Erdong an ihrer Seite und seiner Schulklasse. (Bild: PD)

Die dramatischen Ereignisse vom 28. Juni 2017 bewegen Eva Büchi noch heute. Wenn sie von der Rettung und den bangen Stunden und Tagen danach erzählt, stockt ab und zu ihre Stimme. Die Kantilehrerin nennt es ein «lebensprägendes Schicksal», was damals passierte und nun in einem Happy End mündete. Erdong geht es heute sehr gut. Eva Büchi hat ihn in Schanghai besucht und durfte sich davon selbst überzeugen.

Der Badeunfall im Sommer 2017

Der heute 17-jährige Erdong war vor zwei Jahren mit seiner Klasse eines Shanghaier Sprachgymnasiums im Schüleraustausch an der Kantonsschule Kreuzlingen zu Gast. Nach einem Ausflug zum Schloss Arenenberg, verbrachte man den Nachmittag unter der Aufsicht zweier Lehrer in der Tägerwiler Seerhein-Badi. Ohne Vorwarnung ging der junge Chinese plötzlich unter. Das beherzte Eingreifen der ausgebildeten Rettungsschwimmerin und - taucherin Eva Büchi rettete ihm das Leben. Sie holte ihn an die Wasseroberfläche, zog ihn ans Ufer und begann die Reanimation. Die rasch eingetroffenen Rettungssanitäterinnen schafften es dann, Erdong zurück ins Leben zu holen. Doch es sollte noch einige, belastende Tage dauern, bis der Bub über dem Berg war.

Der Wunsch nach einem Treffen kam von der Mutter

«Erdongs Mutter hat mir schon kurz nach der Rückkehr nach China geschrieben.» Büchi erhielt von ihr Fotos, die den Teenager während seiner mehrwöchigen Genesung zeigen. Am ersten Jahrestag des Badeunfalls erhielt die Lehrerin an der Kanti Kreuzlingen eine sehr emotionale E-Mail. «Wir sind sehr glücklich und sehr dankbar, und wünschen dir Glück jeden Tag, du bist die Wohltäterin unserer Familie, wir wollen dich wiedersehen», schrieb Erdongs Mutter. Etwas unsicher war Büchi, wie sie mit diesem Wunsch umgehen sollte. Einerseits, weil es für sie selber noch ein sehr emotionales Thema war. Andererseits war sie nicht sicher, ob es von Erdongs Familie noch Vorwürfe geben würde. Doch nichts dergleichen war der Fall. Im April, nach einem Thailand-Urlaub, machte Büchi einen zweitägigen Abstecher nach Schanghai zum arrangierten Wiedersehen.

Eva Büchi beim Wiedersehen mit Erdong. (Bild: PD)

Eva Büchi beim Wiedersehen mit Erdong. (Bild: PD)

Empfang mit Blumenstrauss

«Ich wurde von den Eltern sehr herzlich am Flughafen mit einem Blumenstrauss begrüsst und umarmt und habe sofort gemerkt: Es ist alles gut zwischen uns.» Die Eltern hatten frei genommen und machten mit Büchi eine kleine Touristentour. Am Nachmittag empfing sie Erdong in seiner Schule. Die Kreuzlingerin traf die elfköpfige Klasse, die damals das Drama hautnah miterlebt hatte. Am zweiten Tag besuchte Büchi mit Erdong und seiner Mutter einen buddhistischen Tempel. Obwohl die Familie nicht religiös sei, beten sie seit dem Unfall dort, zuerst für ihren Sohn, später aus Dank für Eva Büchi. Sie kauften einen Dachziegel für den Tempel und liessen Büchis Namen eingravieren, eine symbolische Geste, um ihre Dankbarkeit auszudrücken.

Beeinträchtigungen sind keine zurückgeblieben

«Ich bin sehr froh, den Besuch gemacht zu haben», sagt Büchi heute.

«Ich muss mir nun keine Sorgen mehr um Erdong machen. Ich weiss, es geht ihm gut, er geht jetzt seinen Weg.»

Wenn sie heute an ihn denke, habe sie nicht mehr den leblosen Körper vor dem geistigen Auge, sondern das Bild eines quicklebendigen, freundlichen Teenagers. Bei Erdong sind keine Beeinträchtigungen zurückgeblieben. Er sei manchmal unsicher und langsam. Aber es sei schwierig zu sagen, ob dies im Zusammenhang mit dem Unfall stehe. Der Jugendliche hat keine Erinnerung an die Vorkommnisse in der Seerhein-Badi. Er kann sich nur an den Besuch an der Kanti und an die nette Gastfamilie erinnern, mit der er damals Kuchen gebacken habe. Dass er keine Erinnerungen an den Unfall habe, sei ein Schutzmechanismus des Gehirns, welches schmerzliche Grenzerlebnisse ausblende, weiss Büchi. Erdong und seine Mutter planen einen Gegenbesuch in der Schweiz. Allerdings müssten sie dafür noch sparen.

Eine Anekdote zum Schluss

Zum glücklichen Ende der Geschichte gehört auch eine weitere Anekdote: Erdongs Eltern, die vor dem Unfall einen Rosenkrieg ausgefochten haben, legten diesen zur Seite, nur Erdongs Genesung zählte fortan. Heute sind die Eltern zwar getrennt, aber gute Freunde.

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