Halbzeitbilanz
Viel Arbeit liegt hinter ihnen, aber viel auch noch vor ihnen: Der Kreuzlinger Stadtrat ist zufrieden mit seiner Arbeit

Die Hälfte der Legislaturperiode ist um. Die Exekutive zieht eine Zwischenbilanz und sieht die Stadt in Sachen Corona mit einem blauen Auge davongekommen.

Urs Brüschweiler
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Der Kreuzlinger Stadtrat im Kult-X: Ernst Zülle, Dorena Raggenbass, Thomas Niederberger, Thomas Beringer und Markus Brüllmann.

Der Kreuzlinger Stadtrat im Kult-X: Ernst Zülle, Dorena Raggenbass, Thomas Niederberger, Thomas Beringer und Markus Brüllmann.

Bild: Arthur Gamsa

Sie demonstrieren Einigkeit in ihrem Fünfergrüppchen, von der amtsältesten Stadträtin Dorena Raggenbass bis zum mit zwei Dienstjahren noch frischen Markus Brüllmann. Auf das «Miteinander» ist man sogar etwas stolz. Intensiv und konstruktiv seien die Diskussionen in der Behörde, betont der Stadtpräsident und richtet Dank an seine Kollegin und die Kollegen. «Und das ist schön, wenn man andere Gemeinden im Kanton anschaut», sagt Thomas Niederberger (FDP) mit unausgesprochenem Verweis auf nicht wenige zerstrittene Behörden im Thurgau.

Ganz der Stadtvater unterlässt es Niederberger auch nicht, den Einsatz «zum Wohl der Stadt» der Mitarbeitenden der Verwaltung zu loben. Mit dem Stadtparlament sei man ebenfalls im Reinen, findet der Stadtpräsident.

Stadtpräsident Thomas Niederberger bei seiner Präsentation.

Stadtpräsident Thomas Niederberger bei seiner Präsentation.

Bild: Arthur Gamsa
«Wir haben intensive Diskussionen, aber so soll es auch sein.»

Bei 24 Entscheidungen des Gemeinderats in den vergangenen zwei Jahren sei 22-mal ein Ja herausgekommen, zwei Rückweisungen und kein einziges Nein, rechnet Niederberger vor, um die grosse Unterstützung von Seite der Legislative zu untermauern.

Die Widrigkeiten der Pandemie

Das positive Fazit deckt sich auf den ersten Blick allerdings nicht mit den wenigen als «umgesetzt» markierten Punkten bei den online abrufbaren Legislaturzielen und Massnahmen. In allen fünf Departementen finden sich deutlich mehr Punkte mit dem Vermerk «pendent» oder «in Arbeit». Trotz der Widrigkeiten und aller Einschränkungen durch Corona hätten sehr viele Projekte geklappt, sagt Niederberger. Überhaupt sei Kreuzlingen dank grosser Anstrengungen wohl verhältnismässig gut durch die Pandemie gekommen.

«Die Stadt ist mit einem blauen Auge davongekommen.»

Das sagt Niederberger und bezieht sich dabei etwa auf die Verwaltung, die immer funktioniert habe. Grosse Herausforderungen blieben aber natürlich vorderhand bestehen, sei es finanzieller Natur oder etwa beim gerade akuten Thema Littering.

Die fünf Stadträte, sie hatten sich vielsagend das Kult-X als Ort für ihre Halbzeitbilanz ausgesucht, zählten dann die Erfolge und Baustellen in ihren Departementen auf. Sport- und Kulturministerin Dorena Raggenbass (parteilos) darf vom Fortschreiten beim Thermalbad Egelsee berichten, vom fast fertigen Fussballplatz Döbeli, von den neuen Garderoben auf Klein Venedig oder vom zur «Perle» umgestalteten Campingplatz Fischerhaus. Vor ihrem bereits absehbaren Abschied aus der Politik wird sich noch entscheiden, ob das Kulturzentrum Kult-X endgültig zum Fliegen kommt. Die Urnenabstimmung im September wird mitentscheiden, ob sich der jahrelange Kampf ausgezahlt hat.

Dorena Raggenbass wurde 2007 zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt.

Dorena Raggenbass wurde 2007 zum ersten Mal in den Stadtrat gewählt.

Bild: Andrea Stalder

Nach 16 Jahren ist Schluss

«Nach 16 Jahren im Stadtrat werde ich aufhören», sagte Dorena Raggenbass. Sie wird also bei den Erneuerungswahlen der Exekutive im Frühling 2023 nicht mehr antreten. Die anderen vier Mitglieder, Stadtpräsident Thomas Niederberger, Stadtrat Ernst Zülle, Stadtrat Thomas Beringer und Stadtrat Markus Brüllmann wollen zur Wiederwahl antreten. (ubr)

Stadtrat Ernst Zülle

Stadtrat Ernst Zülle

Bild: PD

Bauminister Ernst Zülle (CVP) sprach am längsten. Die Ortsplanung, welche kürzlich den Gemeinderat passiert hat, sei ein grosser Wurf, die viele Jahre Arbeit in sich vereine. Trotz aktuell neun Rekursen hoffe er auf Inkraftsetzung im kommenden Jahr. Die Sanierung und Umgestaltung der Romanshornerstrasse beginne nach dem Sommer und ganz aktuell steht am 13. Juni die Abstimmung über die Sanierung der Löwenstrasse bevor. Neben all den Bauprojekten lege man immer mehr den Fokus auf die Umwelt und den Klimaschutz.

«Wir setzen auf Grün, nicht weil es modern ist, sondern weil es nötig ist.»
Stadtrat Markus Brüllmann

Stadtrat Markus Brüllmann

Bild: Andrea Stalder

Das grosse Thema von Markus Brüllmann (SP) in seiner ersten Legislatur im Departement Soziales ist das Alterskonzept für die Stadt Kreuzlingen. Zu dessen Umsetzung sei er aber noch auf der Suche nach einem Altersbeauftragten. Er arbeite mit Hochdruck daran, diese zentrale und wichtige Stelle besetzen zu können.

Erneuerbare Energien für alle

Stadtrat Thomas Beringer

Stadtrat Thomas Beringer

Bild: Andrea Stalder

Thomas Beringer (EVP) kümmert sich um Energie Kreuzlingen und die Förderung von erneuerbaren Energien. Geplant ist etwa auf dem Dach der Heinrichhalle eine weitere grosse Solaranlage zu realisieren, an welcher sich die Einwohner beteiligen können. Zuständig ist er auch für den Hafen, wo neue Stege bis 2023 den behindertengerechten Zugang zu den Schiffen ermöglichen sollen.

Smart City und Velostadt

Thomas Niederberger letztlich hat ebenfalls eigene Projekt. Er will Kreuzlingen zur Smart City machen, zur Co-Working-Hochburg und mit einem Bike-Verleih auch zur Velostadt. Darüber hinaus schaut er dafür, dass der Finanzhaushalt auch in Zukunft solid bleibt. Selbstverständlich ist und bleibt aber auch das grösste Projekt in seiner Obhut:

«Die Diskussionen ums Stadthaus haben uns in den letzten Jahren stark in Anspruch genommen.»

Aber man habe den Auftrag des Volkes vom 7. März an die Hand genommen und bereits mit der Planung einer Alternativlösung und der Tiefgarage unter dem Bärenplatz begonnen.