Güttinger Hortbetrieb startet mit einer Übergangslösung

Die Kinder- und Seniorenbetreuung kann nach dem Nein der Kirchbürger nicht im evangelischen Kirchgemeindehaus umgesetzt werden. Gemeinde und Schule wollen das Projekt trotzdem voran treiben. 

Martina Eggenberger Lenz
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Ein Senior gibt einem Mädchen in Güttingen sein Wissen über den Obstbau weiter. (Bild: PD)

Ein Senior gibt einem Mädchen in Güttingen sein Wissen über den Obstbau weiter. (Bild: PD)

Es hat nicht sein sollen. Der Gemeinderat, die Schulbehörde und auch die Vorsteherschaft der evangelischen Kirchgemeinde standen hinter der Idee, die Räume im Erdgeschoss des Kirchgemeindehauses für die geplante Kinder- und Seniorenbetreuung umzunutzen.

Doch am Dienstag machten die Stimmberechtigten der Kirchgemeinde den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. Mit 37 zu 28 Stimmen sprachen sie sich gegen den Umbau und die Vermietung an die politische Gemeinde aus. Gemäss Kirchenpräsident Siegfried Brandt waren einige der Ansicht, die Schule müsse den Raum stellen. Es seien Bedenken zum Umbau angemeldet worden und es obsiegte die Meinung, die Kirche solle ihre Räume für sich selbst frei behalten.

«Das Nein kam überraschend. Schade, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde wäre eine ideale Lösung gewesen»,

betont Brandt auf Anfrage. Am kommenden Montag hätte die Gemeindeversammlung über den Abschluss eines entsprechenden langjährigen Mietvertrag befinden sollen. Die zuständige Gemeinderätin Sandra Stadler will den Kopf aber nicht in den Sand stecken, sondern trotzdem das Okay des Volks zum KiSee-Projekt einholen. Sie will die Defizitgarantie absegnen lassen.

Gemeinde und Schule teilen Defizit

Im ersten Jahr rechnet Stadler mit einem Minus von 55000 Franken. In den folgenden Jahren dürften es nicht mehr als knapp 37000 Franken sein. Der Fehlbetrag würde zu gleichen Teilen von der politischen Gemeinde und der Primarschulgemeinde übernommen.

Nach dem Nein der Kirchbürger hofft die Gemeinderätin darauf, dass sie einen alternativen Standort als Übergangslösung finden kann. Im Idealfall soll das Projekt als Hortbetrieb bereits diesen Sommer starten. Die zusätzliche Kita wolle man erst realisieren, wenn eine langfristige Raumlösung parat ist. Es könne auch sein, dass sich Güttingen für die Kita einer Nachbargemeinde anschliesse.

Nachfrage übersteigt Angebot

Erste Hinweise für einen geeigneten Standort in der Nähe des Schulareals habe sie bereits erhalten, sagt Stadler. Aufgrund der hohen Nachfrage sei es ihr wichtig, für die Schulkinder so rasch als möglich ein Vollangebot bereitstellen zu können. Der Bedarf könne mit Tagesfamilien nicht mehr abgedeckt werden.

«Eine Randzeitenbetreuung, in die die Eltern Vertrauen haben, ist von grosser Wichtigkeit»,

erklärt auch Barbara Langenegger von der Schulbehörde. Das besondere hinter der KiSee-Idee ist, dass auch die Senioren ins Projekt einbezogen werden sollen. Sie könnten zum Beispiel die Hausaufgabenhilfe übernehmen, bei der Mittagstischbetreuung helfen oder Freizeitaktivitäten mitgestalten. Die Nachfrage nach einer eigentlichen Seniorentagesstätte sei aktuell zu gering. Eine solche werde frühestens 2022 neu geprüft, wie es in der Abstimmungsbotschaft heisst.

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Martina Eggenberger Lenz