Güttingen: Politische Gemeinde und Primarschule prüfen Fusion

Die beiden Körperschaften ziehen die Gründung einer Einheitsgemeinde in Betracht. An der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend gab es aus dem Volk aber vor allem skeptische Stimmen.

Martina Eggenberger Lenz
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Primarschulpräsident Miran Kaddur: seine Behörde gab den Anstoss. (Bild: Reto Martin)

Primarschulpräsident Miran Kaddur: seine Behörde gab den Anstoss. (Bild: Reto Martin)

Ob sich diese Braut tatsächlich traut, steht noch in den Sternen. Doch an der Informationsveranstaltung vom Donnerstagabend zur Einheitsgemeinde liess sie schon durchblicken, dass sie einer Hochzeit nicht abgeneigt wäre. Insbesondere Schulpräsident Miran Kaddur, von dessen Behörde auch der Anstoss kam, liess durchblicken, dass für ihn die Vorteile einer gemeinsamen Zukunft überwiegen würden.

«Es wäre eine Chance für die Schule. Sie würde in der Gemeinde mehr Gewicht erhalten»,

sagte Kaddur. Und Gemeindepräsident Urs Rutishauser betonte: «Die Schulbehörde könnte sich mehr auf ihre strategische Arbeit konzentrieren, wenn sie sich zum Beispiel nicht mehr um die Liegenschaften kümmern müsste.»

Zusammen mit Berater Pascal Widmer präsentierten die Präsidenten der beiden Körperschaften den nur 30 Anwesenden erste Erkenntnisse zu dem Pro und Contra einer Einheitsgemeinde. Beide Behörden haben sich schon in mehreren Sitzungen mit dem Thema beschäftigt. Entschieden sei allerdings noch nichts. «Wir sind auf Feld eins und wollen jetzt den Puls des Volkes spüren», so Kaddur. Die grosse Opposition blieb in der Diskussion aus. Aber eine verhaltene bis explizite Skepsis war klar spürbar. Viele Anwesende gewichteten die Risiken der Fusion stärker als die Chancen.

Schulpräsident als Mitglied des Gemeinderates

Vorgebracht wurde mehrfach die Angst vor dem Autonomieverlust der Schule. Mit der Einheitsgemeinde wäre der Schulpräsident eines von vier Mitgliedern des Gemeinderates. Da sei es doch vorprogrammiert, dass er von den anderen überstimmt werde, wurde befürchtet. Berater Pascal Widmer, der in Sirnach den Zusammenschluss als Vize-Schulpräsident aus nächster Nähe miterlebt hat, beschwichtigte. In der Praxis entscheide der Gemeinderat fast immer pro Schule. Ausserdem dürfe er in Schulbelange keinen Einfluss nehmen. Das sei Sache der Schulkommission, die nach wie vor vom Volk gewählt werden könne.

Zwei Votanten kritisierten, die Einheitsgemeinde komme einer Zementierung gleich. Damit verbaue sich Güttingen den Weg zu einer allfälligen Volksschulgemeinde im Sek-Kreis oder auch zur Fusion mit einer Nachbargemeinde. Umstritten war, ob die Einheitsgemeinde die Rekrutierung von politischem Personal vereinfacht oder nicht. Das Pensum des Schulpräsidenten würde sich erhöhen. Die Mitglieder der Schulkommission hätten eher weniger Arbeit. Diskussionen gab es auch zum Synergiepotenzial. Pascal Widmer meinte dazu: «Eine Einheitsgemeinde ist keine Sparübung.» Der Gewinn sei die einheitliche und aufeinander abgestimmte Führung und die Professionalisierung auf Verwaltungsebene.

Start wäre frühestens im Januar 2020

Stimmen aus dem Publikum meinten dazu, die beiden Körperschaften könnten auch ohne Fusion verstärkt zusammenarbeiten. Was die Bildung einer Einheitsgemeinde kostet, konnten die Verantwortlichen nicht sagen. «Sicher aber weniger als hunderttausend Franken», sagte Urs Rutishauser.

Ein Stimmbürger schlug gegen schliesslich vor, eine Konsultativabstimmung durchzuführen. Doch diesem Wunsch wollten die Präsidenten nicht entsprechen. Sie betonten, die beiden Gremien würden sich nun noch einmal separat beraten. Nur wenn beide die Fusion weiter verfolgen wollen, komme es zum nächsten Schritt: der Ausarbeitung einer gemeinsamen Gemeindeordnung. Diese werde dann dem Volk zur Abstimmung vorgelegt, frühestens im Herbst 2019. Als erst möglicher Termin zum Start der Einheitsgemeinde wurde der 1. Januar 2020 genannt.