Güttingen
Die Spitex soll im Dorf bleiben: Eine Gruppe Güttinger will den Wechsel des Leistungserbringers aufhalten

Am Mittwoch überreichte ein Petitionskomitee dem Gemeindepräsidenten 346 Unterschriften. Ihr Anliegen an den Gemeinderat: Die Kündigung mit der regionalen Spitex soll rückgängig gemacht werden.

Urs Brüschweiler
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Gemeindepräsident Urs Rutishauser nimmt am Mittwoch die Petition entgegen. Werner Nater, Hansueli Renz, Ruedi Hauser und Regula Högger vom Petitionskomitee übergeben ihm die 346 gesammelten Unterschriften.

Gemeindepräsident Urs Rutishauser nimmt am Mittwoch die Petition entgegen. Werner Nater, Hansueli Renz, Ruedi Hauser und Regula Högger vom Petitionskomitee übergeben ihm die 346 gesammelten Unterschriften.

Bild: Ralph Ribi

Das Wichtigste stellen die Petitionäre gleich mehrfach klar: «Wir haben überhaupt nichts gegen die RehaEx.» Unzufrieden ist die sechsköpfige Kerngruppe hingegen mit dem Güttinger Gemeinderat. Dieser hatte zum Jahreswechsel beschlossen, die Leistungsvereinbarung mit der Spitex Region Kreuzlingen per Ende 2021 zu kündigen und dafür den lokalen Anbieter RehaEx zu berücksichtigen.

«Diesen Entscheid wollen wir rückgängig machen.»

Das sagt der pensionierte Hausarzt Ruedi Hauser. «Wir wollen den bisherigen Zustand wiederherstellen.» Sie haben deswegen eine Petition lanciert, die von 346 Güttingerinnen und Güttinger unterschrieben und am Mittwoch dem Gemeinderat überreicht worden ist. Gemäss Gemeindeordnung hat die Behörde nun ein halbes Jahr, um eine Antwort zu geben.

Klienten haben Angst vor Neuerungen

Sie hätten aus der Zeitung von diesem Wechsel, der sehr viele Güttinger betrifft, erfahren müssen, bemängeln die Petitionäre. Und mit der aus ihrer Sicht dürftigen Begründung sind sie nicht zufrieden. Pflegefachfrau Ursula Wyss betont, dass die Spitex als grösserer Verein besser und breiter aufgestellt sei. Man bezweifelt auch, ob die RehaEx als kleiner Verein das künftig deutlich grössere Arbeitsvolumen überhaupt handhaben könne.

«Der grosse Teil ist mit der Spitex sehr zufrieden. Viele Kunden haben nun Angst, dass künftig andere Betreuungspersonen zu ihnen nach Hause kommen.»

Das sagt Regula Högger, die ebenfalls als Pflegefachfrau arbeitet. «Ich habe mich kaum getraut, das den Betagten zu sagen», erzählt Ruedi Hauser, «sie wissen derzeit nicht, was auf sie zukommt.» Ursula Wyss sagt:

«Es geht uns darum, dass die Wahlmöglichkeit bestehen bleibt.»

Allerdings sei es dann so, dass die Spitex ohne Leistungsauftrag der Gemeinde schlicht nicht mehr nach Güttingen kommen werde. Diese Folge hätten viele nicht bedacht, also seien sie aktiv geworden, erklärt Regula Högger. Bei der Unterschriftensammlung hätten sie viel Zuspruch erfahren für das Anliegen, sagen auch Werner Nater und Hansueli Renz. «Es ist quasi ein Selbstläufer geworden.»

Zumindest die Bevölkerung befragen

Die Petitionäre sind fest entschlossen in ihrem Vorhaben. Vom Gemeinderat erwarten sie, dass er seinen Entscheid revidiert. Oder die Behörde soll zumindest die Bevölkerung demokratisch befragen, etwa das Thema an einer Gemeindeversammlung zur Diskussion bringen. «Wenn sie vernünftig sind, kommen sie darauf zurück», sagt Ruedi Hauser an die Adresse des Gemeinderates. «Ansonsten müssen wir unser Anliegen mit mehr Nachdruck verfolgen», ergänzt Werner Nater.

RehaEx empfahl sich während der Pandemie

Dass der Gemeinderat einknickt, danach sieht es allerdings nicht aus. Gemeinderätin Sandra Stadler verteidigt auf Anfrage den Entscheid zum Wechsel des Leistungsvertrages. Insbesondere während der Pandemie habe man in verschiedenen Projekten gute Erfahrungen gemacht mit der RehaEx, es gab etwa eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Nachbarschaftshilfe. Sie biete auch bereits alle für einen Leistungsauftrag mit der Gemeinde notwendigen und gesetzlich vorgeschriebenen Dienste an sowie zusätzlich einen 24-Stunden-Pikettdienst für Notfälle in der Betreuung.

Sandra StadlerVizegemeindepräsidentin Güttingen

Sandra Stadler
Vizegemeindepräsidentin Güttingen

Bild: PD
«Sie sind innert kürzester Zeit vor Ort.»

Ein Pluspunkt sei auch gewesen, dass man einen Verein im Dorf unterstützen wollte. «Mit ihren 18 Angestellten können sie alles, was sie müssen, und decken auch alle Fachrichtungen ab», sagt Sandra Stadler.

Gemeinde verspricht klientenfreundlichen Übergang

Die Vizegemeindepräsidentin relativiert die Wechselproblematik. Ganz aktuell würden 18 Personen in der Gemeinde Betreuungsdienstleistungen in Anspruch nehmen, und zwar von vier bis fünf verschiedenen Anbietern. Ein Teil der Fälle werde auch noch abgeschlossen bis Ende Jahr.

«Für jene, die dann tatsächlich wechseln müssen, werden wir den Übergang flüssig gestalten.»

«Wir werden auch mit den Betroffenen noch reden und versuchen, es so klientenfreundlich wie möglich zu gestalten.» Sandra Stadler erklärt, dass auch bei der Spitex nicht immer dieselbe Person Hausbesuche mache. Finanziell bleibe für die Güttinger sowieso alles beim Alten.

Man hätte besser kommunizieren können

Nicht optimal sei vielleicht die Kommunikation des Entscheides gewesen, räumt Sandra Stadler ein. Eine Informationsveranstaltung sei aber wegen Corona nicht drin gelegen. Der Gemeinderat wolle grundsätzlich nur einen Vertrag mit einem Leistungserbringer, der alles abdeckt. «Und wir haben dann mutig und zügig entschieden.» Die Kompetenz dazu liege bei der Behörde.

«Wir sind überzeugt, unser Entscheid ist im Sinne und zum Wohl der Güttinger.»