Grüne und GLP im Bezirk Arbon lehren alle das Fürchten

Bei den Kantonsratswahlen muss sich im Oberthurgau vor allem die SP Sorgen machen. Aber auch die CVP ist in der Defensive.

Markus Schoch
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Die Kandidaten werben derzeit am Strassenrand mit Plakaten für sich.

Die Kandidaten werben derzeit am Strassenrand mit Plakaten für sich. 

(Bild: Manuel Nagel)

Die Partei hatte zuletzt Glück. Doch noch einmal wird ihr das nicht passieren. Die SP verlor vor vier Jahren ihren fünften Sitz, den sie später durch die Hintertür zurück holte, weil Alban Imeri im Oktober 2018 von der BDP zu ihr wechselte.

Die Frage ist, ob die Sozialdemokraten dieses Mandat am 15. März verteidigen können. «Es wird sicher nicht einfach», sagt Bezirksparteipräsidentin Marina Bruggmann. Die BDP tritt zwar dieses Jahr im Bezirk Arbon nicht mehr mit einer Liste an. Dass die Stimmen der kleinen Mittepartei zur SP gehen, ist aber eher unwahrscheinlich. Diese hat zudem einen gewichtigen Abgang zu verkraften in der Person von Inge Abegglen, die nach zwölf Jahren im Grossen Rat nicht mehr antritt. 2016 machte die Arbonerin das zweitbeste Resultat auf der Liste der SP im Bezirk Arbon.

Besser schnitt nur Aliye Gül ab, die aber kurz nach Beginn der neuen Legislaturperiode im November 2016 ihren Rücktritt eingereicht und Bruggmann Platz gemacht hatte. Auch Verena Marti ist nicht mehr dabei - für sie rückte im Sommer 2018 Martin Nafzger nach. Jakob Auer ist der einzige der SP-Kandidaten im Bezirk Arbon, der seit mehr als vier Jahren im Grossen Rat sitzt - konkret seit 2013.

Grüne und GLP mit klaren Ansagen

Bruggmann ist zuversichtlich, dass ihre Partei trotz der schwierigen Ausgangslage den Besitzstand wahren kann.

«Wir sind im Wahlkampf sehr aktiv und viel unterwegs.»

Zudem hätten sie eine gute und ausgewogene Liste. Kommt hinzu, dass die SP eine Listenverbindung mit den Grünen und Grünliberalen eingegangen ist, die wegen der Klimadebatte derzeit im Aufwind sind. Die Grünen allein hoffen über den ganzen Kanton gesehen auf bis zu fünf Sitzgewinnen im Grossen Rat und wollen auch im Oberthurgau zulegen. Die GLP hat sich zum Ziel gesetzt, einen zweiten Vertreter aus dem Oberthurgau nach Frauenfeld beziehungsweise Weinfelden schicken zu können. Ob die SP vom aktuellen Hoch ihrer Bündnispartner profitieren kann, ist schwierig zu sagen.

SVP rechnet nicht mit Sitzgewinnen

Die SVP gehörte vor vier Jahren zu den Gewinnern. Bezirksparteipräsident Koni Brühwiler geht nicht davon, dass seine Partei am 15. März wieder auf der Siegerstrasse sein wird.

«Wir sind etwas in der Defensive und wären glücklich und zufrieden, wenn wir die neun Sitze halten könnten.»

Von einem zehnten Sitz zu träumen, wage er nicht. Für den fehlenden Optimismus gibt es diverse Gründe: Die Partei hat erstens den Abgang des Arboner Andrea Vonlanthen zu verkraften, der seit 20 Jahren im Grossen Rat politisiert und jeweils hoch in der Gunst der SVP-Wähler gestanden ist. Zweitens muss die Partei auf Diana Gutjahr verzichten, die 2016 das beste Resultat im Bezirk machte und mittlerweile im Nationalrat sitzt. Und drittens kann nach Meinung von Brühwiler der Romanshorner Urs Martin nicht mehr mit einem Spitzenresultat rechnen, weil er gleichzeitig für den Regierungsrat kandidiert. Das werde ihn Stimmen kosten.

CVP stellt sich auf knappes Ergebnis ein

Die CVP sieht den Wahlen ebenfalls mit gemischten Gefühlen entgegen. «Wir müssen unseren vierten Sitz verteidigen, was sehr schwer wird», sagt Bezirksparteipräsident Lukas Auer.

«Es wird knapp, aber ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen können.»

Die CVP hatte 2016 ein zusätzliches Mandat gewonnen, das die FDP geholt hätte, wenn die Freisinnigen eine Listenverbindung mit der SVP eingegangen wären. Eine strategische Zusammenarbeit der beiden Parteien ist aber auch 2020 nicht zustande gekommen. Die FDP vertraut auch dieses Jahr auf die eigene Stärke. «Wir wollen den Wählern die Möglichkeit geben, das Original zu wählen», sagte Bezirkspräsident Adi Koch im Dezember auf Anfrage dieser Zeitung.

Damit dürfte die FDP keine allzu grosse Gefahr für die CVP werden. Zumal sich diese wieder mit der EVP zusammengetan hat, was ihr vor vier Jahren bereits Erfolg brachte. Und die CVP durchaus eine Alternative für die BDP-Wähler ist. Nicht zufällig sind die beiden Parteien in gewissen Bezirken eine Listenverbindung eingegangen. Mit dem ehemaligen Kantonalparteipräsidenten Markus Berner steht sogar einer auf der CVP-Liste, der für die BDP einst im Grossen Rat sass. Er wechselte 2016 die Seiten.

FDP: Die Bisherigen haben grosse interne Konkurrenz

Die FDP tritt mit einer starken Liste an, so dass die vier bisherigen Vertreter im Grossen Rat wegen der internen Konkurrenz nicht unbedingt davon ausgehen können, auch in den nächsten vier Jahren weiter machen zu können. Neu in den Startlöchern steht beispielsweise der Amriswiler Stadtpräsident Gabriel Macedo. Die CVP muss sich personell aber auch nicht verstecken. Patrick Hug tritt zwar nach drei Amtsperioden von der politischen Bühne ab, was sicher ein Handicap ist. Mit Luzi Schmid steht aber beispielsweise einer parat, der bereits wie Berner einmal im Grossen Rat sass und schon im Arboner Stadtrat in die Fussstapfen von Hug trat.

Schmid zog sich 2012 nur deswegen aus dem Grossen Rat zurück, weil er als Notar wegen neuer gesetzlicher Bestimmungen nicht mehr im Kantonsparlament mitreden durfte. Gut möglich, dass er seinen zweiten politischen Frühling erlebt und künftig mit Parteikollege und Stadtpräsident Dominik Diezi an die Sitzungen in Frauenfeld oder Weinfelden fährt. Chancen ausrechnen dürfen sich aber auch Jürg Marolf, Lukas Auer - und selbstverständlich Berner.

Zuversichtlich in die Wahlen gehen können EVP und EDU, die je einen Sitz zu verteidigen haben und mit ihren beiden bisherigen Mandatsträgern antreten. Die EVP erhält Schützenhilfe vom politischen Nachwuchs, der mit einer eigenen Liste um die Gunst der Wähler buhlt.