Grünes Licht für Baumfällung in Arbon

Der Wirt des Park Hotels muss sich diesen Sommer keine Sorgen mehr um die Sicherheit seiner Gäste machen. Der Stadtrat hat entschieden, dass der Eigentümer die geschützte Rosskastanie an der Bahnhofstrasse abholzen darf.

Natascha Arsic
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Letzten Juli ist ein Ast der grossen Kastanie abgebrochen. (Bild: Andrea Stalder)

Letzten Juli ist ein Ast der grossen Kastanie abgebrochen. (Bild: Andrea Stalder)

Letzten Sommer brach aus heiterem Himmel ein Ast des Kastanienbaums an der Bahnhofstrasse ab und landete neben der Terrasse des Park Hotels. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand, der Wirt kam mit einem Schrecken davon.

Danach brachte Avzi Ismaili Bedenken vor, dass der Baum aus dem Gleichgewicht geraten und über seine Terrasse stürzen könnte. Deshalb reichte der Hausbesitzer Enver Yildrim im September ein Gesuch um Fällung der geschützten Rosskastanie ein. Nun hat ihm der Stadtrat stattgegeben. Ismaili sagt dazu:

«Ich bin froh über den Entscheid, denn der Baum war gemäss Gutachter in keinem guten Zustand mehr.»

Er hätte den Baum retten wollen, doch das sei nicht möglich gewesen. Die Kastanie habe nämlich infolge einer Schwächung im Stammbereich ein überhöhtes Gefahrenrisiko für die unmittelbare Umgebung dargestellt.

Wirt hofft auf Entschädigung

Ismaili ist wegen der anfallenden Ausgaben frustriert: «Die Kosten für die Baumfällung müssen wir selbst tragen.» Diese würden sich auf zirka 3000 bis 4000 Franken belaufen. Wann genau die Rosskastanie abgeholzt werden soll, weiss er noch nicht. «Ich schätze so in zwei bis drei Wochen.» Hinzu kämen noch Kosten für die Renovierung der Terrasse. Künftig soll den Gästen ein neuer, grosser Storen Schatten spenden. Ismaili sagt:

«Nach dem Vorfall im Juli musste ich die Hälfte der Terrasse schliessen. Die Leute hatten Angst und wollten nicht mehr unter dem Baum sitzen.»

Er habe deutliche Einnahmeeinbussen deswegen hinnehmen müssen. Nun hofft der Wirt auf eine Entschädigung für den entgangenen Gewinn von der Versicherung. Auch hätte er sich gewünscht, dass der Antrag von der Stadt schneller abgewickelt worden wäre.

Eigentümer muss neuen Baum pflanzen

Diesen Vorwurf weist Stadtrat Peter Gubser zurück. «Wir haben dem Hauseigentümer und dem Wirt mehrmals eine Aufforderung geschickt.» Das Gutachten über den Zustand des Baums sei erst im Dezember eingereicht worden.

«Nach Absprache mit der Grünraumkommission ist das Fällgesuch dann rasch bewilligt worden», sagt Gubser. Zudem hat der Stadtrat beschlossen, dass der Eigentümer eine Ersatzpflanzung vornehmen muss. Der Stadtrat sagt:

«Als Ersatz darf eine Rosskastanie, Stileiche oder Rotbuche gepflanzt werden.»

Die Vorgaben dafür seien folgende: Die Stammhöhe muss mindestens drei Meter und der Stammumfang zwischen 20 bis 25 Zentimeter betragen. Der Besitzer dürfe selbst entscheiden, welchen Baum er pflanzt.

Anzeige wegen unerlaubter Fällung

Wegen unerlaubter Fällung eines geschützten Nussbaums erstattete der Stadtrat bei der Staatsanwaltschaft Bischofszell Anzeige gegen den Grundeigentümer. Auf dessen Gesuch um Wiedererwägung wurde die Fällung nachträglich akzeptiert. Es handelte sich um ein erstes Vergehen. Der Eigentümer hat zuvor eine Ersatzpflanzung vorgenommen, jedoch muss ein weiterer Baum gepflanzt werden.

Schreck im Arboner Park Hotel

Ein Ast eines alten Kastanienbaumes an der Bahnhofstrasse bricht plötzlich ab. Darunter ist die Gartenterrasse des Restaurants von Avzi Ismaili. Er hat Angst um seine Gäste und will handeln. Doch der Baum ist geschützt.
Annina Flaig