Grüne gegen Glitzerregen: Kreuzlinger Bezirkspartei möchte Feuerwerk
am 1. August und an Silvester begrenzen

Der Umwelt, den Kindern und den Tieren zuliebe: Die Grünen des Bezirks Kreuzlingen haben eine Petition lanciert. Sie schlagen Regeln vor, dass am 1. August und an Silvester Zonen eingerichtet werden, wo nur zu bestimmten Zeiten geknallt werden darf. Auch das Seenachtfest nehmen sie ins Visier. 

Rahel Haag
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Der Dackel auf dem Flyer der Grünen fürchtet sich vor Feuerwerk.

Der Dackel auf dem Flyer der Grünen fürchtet sich vor Feuerwerk. 

Bild: Donato Caspari

Ein Dachshund schaut dem Betrachter des Plakats mit seinem Dackelblick tief in die Augen. Über seinem Kopf brennt eine Lunte. «Feuerwerk begrenzen», heisst es dort in Grossbuchstaben und darunter: «den Tieren, der Umwelt und den Menschen zuliebe.» Dieses Ziel haben sich die Grünen des Bezirks Kreuzlingen gesetzt. Erreichen wollen sie es mittels Petition, wie sie am Dienstagvormittag an einer Medienkonferenz mitteilen.

«Wir wollen kein Verbot,
sondern an die Vernunft appellieren.»

Das sagt Kantonsrat Peter Dransfeld. Denn heutzutage sei Feuerwerk zum Exzess geworden. Unter diesem müssten Natur, Tiere und Menschen leiden. Bisher seien rund 180 Unterschriften zusammengekommen. Bis Ende März sollen es tausend sein.

Peter Dransfeld, Kantonsrat.

Peter Dransfeld, Kantonsrat.

Bild: Donato Caspari
«Es handelt sich um ein Anliegen,
das sicher mehrheitsfähig ist.»

Von Kindern produziert

Die Gründe für die Petition der Grünen des Bezirks Kreuzlingen sind vielfältig. Unter anderem versetze das laute Knallen der Raketen Tiere wie Hunde, Pferde und Wasservögel in Panik. Zudem verursache Feuerwerk Abfall, der häufig einfach liegen gelassen werde. «97 Prozent der Feuerwerkskörper werden in China und Indien hergestellt», sagt Brigitta Engeli, Präsidentin der Grünen des Bezirks Kreuzlingen. In den Fabriken würden Kinder ab fünf Jahren arbeiten. Immer wieder komme es zu Unfällen. «Und wir verkaufen hundert Schuss für vier Euro.»

Feuerwerkzonen mit zeitlicher Beschränkung

Konkret wollen sie die Petition bei den Gemeinden im Bezirk einreichen. «Wir wollen Vorschläge machen», sagt Brigitta Engeli, Kantonsrätin und Mitglied der Sekundarschulbehörde Kreuzlingen. Beispielsweise könnten jeweils am 1.August und an Silvester Zonen eingerichtet werden, wo die Menschen ihr Feuerwerk zu einer bestimmten Zeit abfeuern dürften.

«Die Massnahmen sollen spezifisch auf
die Gemeinden zugeschnitten sein.»

Münsterlingen habe eine Beschränkung für das Abbrennen von Feuerwerk bereits 2017 im Gemeindereglement festgehalten, sagt der Arzt Walter Lang aus Landschlacht.

Sie setzen sich mit einer Petition für einen massvollen Umgang mit Feuerwerk ein: Kantonsrat Peter Dransfeld (Grüne), Stefan Borkert (Kynologischer Verein Kreuzlingen), Ornithologe Edgar Kaeslin (Grüne), Arzt Walter Lang (Grüne), Kantonsrätin Brigitta Engeli (Grüne), Kantonsrat Jost Rüegg (Grüne) und Monika Bäriswyl (Freie Liste).

Sie setzen sich mit einer Petition für einen massvollen Umgang mit Feuerwerk ein: Kantonsrat Peter Dransfeld (Grüne), Stefan Borkert (Kynologischer Verein Kreuzlingen), Ornithologe Edgar Kaeslin (Grüne), Arzt Walter Lang (Grüne), Kantonsrätin Brigitta Engeli (Grüne), Kantonsrat Jost Rüegg (Grüne) und Monika Bäriswyl (Freie Liste).

(Bild: Donato Caspari)

Drohnenshow am Seenachtfest Fantastical

Die Petitionäre erhoffen sich darüber hinaus, dass die Veranstalter des Seenachtfests Fantastical künftig auf ein Feuerwerk verzichten. Kantonsrat Jost Rüegg sagt:

«Unterdessen gibt es einige Städte,
die statt eines Feuerwerks eine Drohnenshow bieten.»
Jost Rüegg, Kantonsrat.

Jost Rüegg, Kantonsrat.

Bild: Donato Caspari

Er kenne die Veranstalter des Seenachtfests gut und wolle mit ihnen das Gespräch suchen.

«Ich denke, dass ich auf offene Ohren stossen werde, denn sie sind innovativ.»

Er windet den Veranstaltern gar ein Kränzchen: In Sachen Abfall und Mobilität seien sie sehr gut unterwegs. «Sie könnten aber noch mehr für die Umwelt tun.»

Rüegg besuchte das Seenachtfest bereits als Bub. Er habe den Eindruck, dass sich das Feuerwerk seit den 1950er-Jahren nicht gross verändert habe. Er ist überzeugt: «Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen, sollt man auch in dieser Hinsicht mit der Zeit gehen.»

www.openpetition.eu/ch/petition/online/feuerwerk-grenzen-setzen