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Grüne Explosion in Kreuzlingen

Guido Leutenegger und Jost Rüegg sind zurück im Stadtparlament. Die Freie Liste gewinnt bei den Gemeinderatswahlen insgesamt vier Sitze hinzu und ist unangefochtene Wahlsiegerin. Die politische Mitte leidet und verliert an Bedeutung.
Urs Brüschweiler

Bei einer Gemeinderatswahl gibt es viele Geschichten zu erzählen. Diesmal waren es besonders viele und erst noch knackige. Die Top-Story zuerst: Die Freie Liste, verbunden mit den Grünen, triumphiert. Zu ihren vier bisherigen Vertretern, darf sie weitere vier ins Parlament schicken. Ein solch massiver Zugewinn einer Gruppierung – als Partei bezeichnet sich die Freie Liste explizit nicht – ist wohl einzigartig in der Kreuzlinger Geschichte.

Die Arme werden bei der Resultatsbekanntgabe im Rathaus in die Höhe gerissen. Fraktionspräsident Daniel Moos zeigt sich glückselig und auch etwas baff. «Unsere Politik wird offenbar sehr geschätzt. Wir werden uns nun weiter für unsere Anliegen einsetzen.»

Die künftige Fraktion der Freien Liste: Urs Wolfender, Beni Merk, Veronika Färber, Daniel Moos, Anna Rink, Guido Leutenegger, Xaver Dahinden und Jost Rüegg. (Bild: PD)

Die künftige Fraktion der Freien Liste: Urs Wolfender, Beni Merk, Veronika Färber, Daniel Moos, Anna Rink, Guido Leutenegger, Xaver Dahinden und Jost Rüegg. (Bild: PD)

Zwei Rückkehrer reüssieren und geben nun ihr Comeback

Es ist auch der Sieg der Personen. Guido Leutenegger, Jost Rüegg (gemeinsam bringen sie schon jetzt 28 Jahre im Gemeinderat zusammen) und Xaver Dahinden: Drei städtische Polit-Urgesteine, deren Kandidaturen schon einiges zu reden gaben, reüssieren allesamt.

Dass sie gute Wahlchancen haben, erahnte man im Vorfeld. Doch auf wessen Kosten war die grosse Frage. Es traf nun weder die eigenen Leute, noch die Sozialdemokraten, sondern vor allem die politische Mitte. Ruedi Herzog, SP-Fraktionspräsident, ist zufrieden, dass die Sozialdemokraten ihre 10 Sitze halten konnten. Weil die Freie Liste gewann und die SP nicht verlor, rückt der Gemeinderat künftig nach Links. Beide müssen auch keine Abwahlen verschmerzen.

«Populistischer Schrott» statt Sachpolitik

Nun zu jenen, die am Sonntag finstere Minen aufsetzen müssen. Die FDP gewann vor vier Jahren zwei Sitze dazu, einer ist nun wieder weg, es bleiben acht. Fraktionspräsident Christian Brändli sagt, man sei noch mit einem blauen Auge davongekommen. Frustriert zeigt er sich aber darüber, dass «populistischer Schrott» der Sachpolitik beim Volk offenbar den Rang ablaufe.

Lange Gesichter gibt’s auch bei der CVP. Ihre Sitzanzahl sinkt seit vier Jahren stetig. Jetzt sind es noch deren vier. Die Fraktionsstärke haben die Christdemokraten damit verloren. Sie müssen sich nun einen politischen Partner suchen.

Vielleicht hilft ihnen dabei eine andere Wahlverliererin aus der Mitte: die EVP. Sie hat jetzt nur noch zwei Personen Gemeinderat. Thomas Leuch ist enttäuscht. «Für die Mitte, dort wo gute Lösungen gefunden werden, wird es immer schwieriger.»

SVP-Präsident Fabian Neuweiler findet, man sei mit der Verteidigung der acht Sitze «nicht schlecht bedient». Zudem ist er skeptisch, ob sich der Linksrutsch des Gemeinderats tatsächlich spürbar auswirken wird.

Das neue Kreuzlinger Parlament.

Das neue Kreuzlinger Parlament.

Fünf Abgewählte, acht Neue

Dann gibt es die Geschichten von den Menschen. Die Wiederwahl als Bisherige nicht geschafft haben Vincenza Freienmuth von der FDP, Franz Flammer von der CVP, André Troll von der EVP und Daniel Müller von der SVP. Letzterer wird durch Nico Keller ersetzt.

Ein grosser Name wird auf dem politischen Parkett im Gemeinderat künftig keine Rolle mehr spielen. Christian Forster verpasst die Wiederwahl. Nachdem seine Ein-Mann-Liste vor vier Jahren noch nah dran war, gar zwei Sitze zu gewinnen, war es ihm diesmal nicht vergönnt. Woran es liegt, dass der gefühlt seit ewig im Gemeinderat sitzende «Rägebögler» zu wenig Stimmen erhielt, darauf konnte sich im Rathaus niemand so recht einen Reim machen. Das letzte Wort an den Sitzungen wird künftig jemand anderes haben müssen.

Frische Gesichter, manche sind jung

Unabhängig von aller Parteipolitik, wird der Gemeinderat durch ein paar neue Gesichter aufgefrischt. Neben den drei älteren Herren, hat den vierten dazugewonnenen Sitz bei der Freien Liste Beni Merk geholt. Der Konviktleiter mit Jahrgang 1974 hat in der Stadt unter anderem als Comic-Zeichner für den einen oder anderen Lacher gesorgt.

Bei der SP wechselt bekanntlich Markus Brüllmann in den Stadtrat. Seinen Sitz im Gemeinderat kann Kathrin Wittgen übernehmen. Sie hat Jahrgang 1987, ist Biologin und Primarlehrerin und engagiert sich bei Pro Natura.

Noch jünger mit Jahrgang 1990 ist Nico Keller. Der Polizist darf nun für die SVP im Rat für Ruhe und Ordnung sorgen.

Als jung geht Thomas Pleuler von der CVP zwar nur noch bedingt durch. Doch der Vizepräsident des Bezirksgerichts Kreuzlingen hat den Sprung in den Rat geschafft und wird nach Richter nun auch Politiker.

Und der umtriebige Gastronom Fabrizio Ribezzi sitzt bald für die FDP im Gemeinderat.

Zoran Mitrovic hingegen, war mit seiner neuen «Partei der Secondi» chancenlos. Im neuen Parlament werden 14 Frauen sitzen, nach der Wahl von 2015 waren es noch 13.

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