Grenzzaun-Konferenz ermöglicht deutschen Gemüsebauern im Tägermoos den Grenzübertritt – für Kleingärtner gibt es aber keine Passierscheine

Mit Weisswein trafen sich die Vertreter von Tägerwilen, Konstanz und der Grenzwache am geschlossenen Zoll und ermöglichten eine Lösung für die deutschen Gemüsebauern auf dem kleinen Dienstweg. Der Gemeindepräsident erscheint mit dem Stempel an der Grenze zur Unterschrift.

Urs Brüschweiler
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Die meisten Kleingärten im Tägermoos sind derzeit verlassen. Ihre Besitzer dürfen nicht über die Grenze.

Die meisten Kleingärten im Tägermoos sind derzeit verlassen. Ihre Besitzer dürfen nicht über die Grenze.

(Bild: Andrea Stalder)

Sie würden jetzt gerne Unkraut jäten oder Gemüse und Blumen einsäen. Doch den rund 400 Konstanzer Kleingärtnern, die ein Schrebergärtchen im nahen Tägermoos hegen und pflegen, stehen Betonblöcke im Weg. Der Tägerwiler Zoll ist geschlossen und auch an den anderen Grenzübergängen erhalten sie eine Abfuhr.

Ein Passierschein erhalten sie keinen, auch wenn ihnen der Konstanzer Oberbürgermeister zuletzt noch einen solchen in Aussicht gestellt hatte. Doch am Dienstag schreibt die Stadt Konstanz in einer Mitteilung:

«Die eidgenössische Grenzwacht meldet, dass es keinerlei Spielraum gibt.»

Die Verwaltung bleibe am Thema dran und versuche eine Lösung zu erwirken, aber vorderhand blieben die Wasseranschlüsse zu.

«Nachbarschaftliche Hilfe und Solidarität sind gefragt», heisst es. Was damit gemeint ist, sagt der Tägerwiler Gemeindepräsident Markus Thalmann, auf dessen Gemeindegebiet die Gärten liegen. Er bestätigt, dass die Kleingärtner den Ausschluss wohl vorübergehend akzeptieren müssten. Er vermittelte auf Anfrage die Adresse von Schweizer Kleingärtnern. Vielleicht könnten diese während der Abwesenheit ein wenig zum Rechten schauen bei ihren Nachbarn.

Passierscheine erinnern an Nachkriegszeiten

Besser haben es derweil die deutschen Gemüsebauern im Tägermoos. Sie erhalten einen Passierschein und dürfen mit ihren Traktoren über die Grenze fahren, um die Felder zu bestellen. Thalmann sagt:

«Sie müssen zwar einen Umweg über den Emmishofer Zoll machen, aber dass müssen derzeit alle Grenzgänger.»

Das für sie eine Lösung gefunden werden konnte, ist aber nicht selbstverständlich in der aktuellen Situation. Es bedurfte einer sogenannten «Grenzhagkonferenz», wie der Konstanzer Tobias Engelsing erzählt. Als Vertreter der Stadt Konstanz mit sehr guten Kontakten zu den Schweizer Behörden und Ämtern machte er sich auf und traf sich mit Thalmann, der Grenzwache und zwei Gemüsegärtnern am geschlossenen Grenzübergang.

Mit dabei war dem Vernehmen nach auch eine Flasche Weisswein, um den oft zitierten «kleinen Dienstweg» zu beschwören. «Wir hatten schnell eine Lösung gefunden», sagt Engelsing. Die besondere staatsrechtliche Situation im Tägermoos tat das ihre. Gemüsebauern sowie die Konstanzer Werk- und Entsorgungsbetriebe erhalten ein Kontingent an Dienstfahrten. Letztere für den Unterhalt der Leitungen und Strassen im Tägermoos, die Konstanz gehören. Die «Grenzhagkonferenz» fand in kurzer Zeit schon vier Mal statt. Thalmann nimmt den Amtsstempel mit und unterschreibt am Zoll die deutschen Passierscheine.

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