Grenzerfahrung mit Schweizern: «Gopf, sind die speziell»

Ein Österreicher trifft Deutsche in Konstanz. Gemeinsames Thema: die Schweizer. Sie diskutieren über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die vielen kleinen Schweizer Eigenheiten. Und das bei Wacholdershorle und Wiener Schnitzel.

Peter Exinger
Drucken
Teilen
Projektion im «Ignaz». Von wem, wusste niemand zu sagen. «Der Legende nach soll es sich sogar verändern.» Hat die Serviertochter gesagt. (Bild: Peter Exinger)

Projektion im «Ignaz». Von wem, wusste niemand zu sagen. «Der Legende nach soll es sich sogar verändern.» Hat die Serviertochter gesagt. (Bild: Peter Exinger)

Rund um den Tisch sitzen mindestens 70 Jahre Erfahrung: Deutsche und Österreicher, Frauen und Männer, die in der Schweiz leben. Wir treffen uns «auf neutralem Boden». In Konstanz, im «Ignaz».

Hier soll man fein Wiener Schnitzel essen können. Und Wacholderschorle trinken. Das eine freut den Wiener. Das andere alle. Die Städter unter uns lieben Konstanz tatsächlich, weil es hier urbane Räume gibt, Hinterhöfe, Dreck und Kebap.

Der Thurgau ist ja so schön und hat so viel grüne Natur. In der Schweiz ist meistens sauber gekehrt. Zumindest vor der eigenen Türe. Es gibt ja viele, die nun behaupten, zwischen den Ländern gebe es keine Grenzen mehr, weil es keine Zäune und offensichtlichen Passkontrollen mehr gibt.

Wir wissen: Dem ist nicht so.

Deutsche unterscheiden sich. Österreicher erst recht von den Schweizern, den im Thurgau verwurzelten Oberbussligern und Nüfermern und Sulgern. Wenn wir Ausländer unter uns sind, können wir das auch schamlos benennen.

Die Wunderlichkeiten der Schweizer

Unsere Probleme mit der Schweiz, deren Wunderlichkeiten, aber auch unsere Liebe zu ihr. Wir sortieren: Die Schweizer sind verbindlich. Überhaupt die Handwerker. Und pünktlich. Heisst es «Vorführen des Autos um 8.25 Uhr», dann meinen sie auch 8.25 Uhr.

Und wenn der Sanitär sagt, er käme um Viertel vor acht, dann läutet er spätestens um 7.44 Uhr an der Tür.

Die Schweizer grüssen am Telefon und warten dann, dass man zurückgrüsst. Und zwar mit Namen!

Die Schweizer sind sehr diplomatisch. Auch im Alltag. Es erscheint einem vielleicht als Städter als bäuerliche Attitüde: Die Schweizer leben im Bewusstsein, man wird das ganze Leben im selben Dorf wohnen, immer mit denselben Leuten. Da ist es von Vorteil, es sich nicht leichtfertig mit jemandem zu verscherzen, von dem man vielleicht einmal etwas will.

Verbindlichkeit, Höflichkeit, Diplomatie. Das macht uns Eindruck. Auch, dass sie über alles abstimmen. Aber wir hadern freilich mit unseren Grenzerfahrungen. Brezn gibt es keine, Sauerteigbrot auch nicht und dann erst das Bier.

Der grösste Unterschied

Ein Bayer unter uns hat einmal gesagt: Die Schweizer hätten es nicht so mit der Zubereitung von Grundnahrungsmitteln. Er meinte das todernst – und er meinte Brot und Bier. Nach dem Schnitzel – im «Ignaz» schmeckt es tatsächlich nach Wien! – und zwei Wacholderschorlen ist das Leben schön und wir werfen uns die beliebtesten erlernten Vokabeln zu. Bünzli. Znüni. Gopf.

Und: «Das ist schon sehr speziell.» Ja, diese Grenze ist sehr speziell. Der grösste Unterschied zur Schweiz ist die gemeinsame Sprache. Hat sicher irgendein aufgeweckter Mensch schon vor uns festgestellt. Wir glauben es nicht nur. Wir Deutsche und Österreicher wissen es aus eigener Erfahrung.