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Mini-Demo am Grenzhag zwischen Kreuzlingen und Konstanz: Nach ersten Lockerungen fordern Paare einheitliche Regeln

Auch nach den ersten Lockerungen ist die Situation für unverheiratete Paare an der Grenze unhaltbar. Sie fordern allgemeingültige Kriterien für gegenseitige Besuche.

Urs Brüschweiler
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Demonstration am doppelten Grenzhag: Die Gruppe forderte am Sonntag Sonderregelungen, dass auch unverheiratete Paare sich wieder besuchen dürfen.

Demonstration am doppelten Grenzhag: Die Gruppe forderte am Sonntag Sonderregelungen, dass auch unverheiratete Paare sich wieder besuchen dürfen. 

(Bild: Michel Canonica)

Drei Soldaten stehen beim «Universum», der ersten der 22 Tarot-Figuren der Kunstgrenze. Das Sturmgewehr hängt am Rücken, sie unterhalten sich auf Französisch. Das Getümmel auf den knapp 300 Metern bis zum Seeufer scheint sie am sonnigen Nachmittag wenig zu kümmern.

Dutzende, wenn nicht Hunderte Menschen stehen an den beiden Zäunen, reden liegend oder stehend durch die Gitter. Einige beschäftigen sich mit Brettspielen. Den Hag schmücken immer noch viele Botschaften. Fünf neue Schilder kommen am Sonntag hinzu.

Video: Michel Canonica

Sophie Nawara und ihre vier Mitstreiter ziehen heute ihre Demonstration durch. Penibel halten sie die Abstände ein, während sie die Papptafeln am Zaun befestigen. Letzte Woche hatten sie ihre öffentlich angekündigte Kundgebung auf einen geheimen Zeitpunkt verschoben, nachdem die Polizei mit Bussen gedroht hatte, sollte es zu einem Menschenauflauf kommen.

Eigentlich findet hier aber sowieso eine permanente Demonstration statt.
Eindrücke vom doppelten Grenzzaun.
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Bild: Michel Canonica

Die Botschaften sind nicht zu übersehen. «Unser Thema stösst allerseits auf Wohlwollen», sagt Sophie Nawara. Es sei mit den neuen Regelungen der Schweiz auch schon einiges besser geworden. Zumindest Ehegatten dürften sich wieder treffen. Bei unverheirateten Paaren bleibe aber das Problem des Nachweises.

Wirrwarr an der Grenze

Ein «Südkurier»-Artikel sorgte am Wochenende für Verwirrung. Das deutsche Bundesinnenministerium habe Einreiseerleichterungen für Paare und Familien erlassen. Doch die neuen Regeln sind bis Montag noch nicht vollständig bei den Beamten an den Grenzübergängen angekommen. So wurden gemäss der Konstanzer Tageszeitung immer noch Personen abgewiesen, die ihre unverheirateten Partner besuchen wollten.

Joana Frei aus Kreuzlingen ist direkt betroffen. Ihren deutschen Lebenspartner, mit dem sie seit fünf Jahren zusammen ist, konnte sie seit der Grenzschliessung nicht mehr treffen. Zuletzt sei sie noch am Freitag am Grenzübergang abgewiesen worden. Sie sagt: 

«Ich kann jetzt ein Gesuch ans Staatssekretariat für Migration schreiben.»

Dann würden sie  vielleicht eine Bewilligung erhalten. Joana Frei sagt:

«Die spärlich fliessenden und manchmal auch widersprüchlichen Informationen seitens der Behörden sind ein grosses Problem.»

Die Gruppe fordert nun einfache Lösungen, vor allem jetzt auch für unverheiratete Paare. «Es muss allgemeingültige Kriterien geben», sagt Sophie Nawara. Es dürfe nicht sein, dass jeder Grenzbeamte individuell entscheidet. Sie versteht auch die «Angst vor den Bürgern» nicht, dass diese die Regeln missbrauchen würden. «Wenn man ein Wochenende lang Besuche zuliesse, würde man ja sehen, wie viele Unberechtigte das ausnützen würden.» Die Kreuzlingerin ist sich sicher, dass alles im Rahmen bliebe.

«Paare gehören zum Fundament unseres sozialen Miteinanders.»

Besuche des Freundes oder der Freundin seien genauso wichtige, wie die Arbeit oder ein Arztbesuch. «Gerade in solch schwierigen Zeiten. Wenn wir das weltweite Virus solidarisch bekämpfen sollen, ist die Schliessung der Grenze sicher der falsche Weg.»

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