GOTTSHAUS
Bildungsprojekt «Wo ich wohne»: Kinder basteln ein Modellhaus und lassen ihrer Fantasie dabei freien Lauf

Die Viert- bis Sechstklässler des Schulhauses Hoferberg in Gottshaus setzten sich im dritten Quartal des Schuljahres 2020/21 mit dem Thema «Wohnen und Bauen» auseinander. Sie hatten Gelegenheit, ihr Traumhaus zu entwerfen und als Modell entstehen zu lassen.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Primarlehrerin Manuela Wenger mit Simon und Sara im Schulzimmer vor selbst gebauten Kartonhäusern.

Primarlehrerin Manuela Wenger mit Simon und Sara im Schulzimmer vor selbst gebauten Kartonhäusern.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer (Gottshaus, April 2021)

Viel Herzblut und Leidenschaft steckt in jedem einzelnen Haus. Die Einfamilienhäuser verfügen über komplett eingerichtete Zimmer. Treppen, die vom Erdgeschoss in das obere Stockwerk führen, batteriebetriebene Lampen, welche die Zimmer beleuchten, eine Wanduhr mit römischen Zahlen und sogar ein Solarwindrad – das alles ist beim genauen Betrachten zu entdecken.

Die Viert- bis Sechstklässler des Schulhauses Hoferberg in Gottshaus haben rund um das Thema «Wohnen und Bauen» spannende und neue Erfahrungen gesammelt. Anhand von selbst erstellten Bauplänen haben sie ein Haus aus Karton gebaut und mit einfachen Gegenständen, die sie ebenfalls grösstenteils selbst hergestellt haben, ausgestattet. Entstanden sind 29 einzigartige Objekte, in denen viel kreatives Denken und Handeln steckt.

Verbindung von Kultur und Schule

«Wir sind absolut begeistert und positiv überrascht, was die Schülerinnen und Schüler geleistet haben. Unsere Erwartungen wurden übertroffen», sagt Manuela Wenger, Mittelstufenlehrerin im Schulhaus Hoferberg. Im dritten Quartal des Schuljahres 2020/2021 sind die Primarlehrerin und ihre Kollegin Katharina Friedli im Fachbereich «Natur, Mensch, Gesellschaft» mit ihren 29 Schülerinnen und Schülern in das Projekt «Wo ich wohne» eingetaucht.

Das Kulturamt des Kantons Thurgau prämierte mit dem Wettbewerb «Komet» vier Angebote, die Kultur und Schule miteinander verbinden. Das prämierte Projekt «Wo ich wohne» von Rebekka Ray, Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin, und Ueli Vogt, Architekt und Kurator am Zeughaus Teufen, widmet sich der Baukultur. In Zusammenarbeit mit den beiden Wettbewerbsgewinnern wurde das Bildungsprojekt in der Mittelstufe des Schulhauses Hoferberg umgesetzt.

Gänzlicher Verzicht auf Arbeitsblätter

Einige Lektionen fanden dabei ausserhalb des Schulareals statt. Die Schüler bekamen einen Einblick, wie der Stadtraum genutzt und bebaut wird. Sie lernten verschiedene Bauepochen kennen und besuchten denkmalgeschützte Objekte, darunter ein altes Bauernhaus. Ein ehemaliger Denkmalpfleger und ein Architekt erzählten anschliessend von ihren Aufgaben.

«Ziel war es, dass jeder Schüler die Lernfortschritte in seinem selbst gebauten Haus präsentieren konnte. Auf Arbeitsblätter wurde gänzlich verzichtet. Die Schüler bekamen lediglich einen Raster mit Richtlinien. Um die Baupläne, Materialien und Konstruktionen für den Bau ihres Lernhauses kümmerten sich alle Schüler selber. Zudem durften sie bei Bauexperten reinschnuppern, die im Hausbau involviert sind», erzählt Manuela Wenger.

«Es war ein sehr bereicherndes, aber
auch anspruchsvolles Projekt, das eine sorgfältige Planung voraussetzte»,
sagt Primarlehrerin Manuela Wenger.

Die Primarschüler lernten, dass der Bauablauf nur reibungslos funktionieren kann, wenn alle Bauphasen optimal aufeinander abgestimmt sind. Nebst dem Bau des eigenen Kartonhauses war der Besuch im Zeughaus Teufen, welches das Grubenmann-Museum beherbergt, ein weiteres Highlight.

Kinder stellen Spendenaktion auf die Beine

Da coronabedingt keine öffentliche Ausstellung stattfinden konnte, wurden die Arbeiten während der Frühlingsferien an Fenstern des Schulhauses Hoferberg präsentiert. «Es war uns auch ein Anliegen, weniger privilegierte Leute in unserem Land, die besonders unter der Coronakrise leiden, zu unterstützen», erklärt Manuela Wenger.

Die Schüler malten dafür Karten zum Thema «Wohnen und Bauen» und lancierten eine Spendenaktion. Der Erlös des Kartenverkaufes – es sind rund 600 Franken – geht an das Heks für die Coronahilfe in der Schweiz. Unterstützt werden beispielsweise Personen, die ihre Arbeit verloren haben und ihre Miete nicht mehr bezahlen können.

Einblicke in den Beruf des Architekten

«Ich fand es cool, ein Haus nach den eigenen Vorstellungen zu bauen», sagt die 11-jährige Sara und ergänzt, dass sie später auch einmal ein Eigenheim wolle. Aber viel grösser soll es sein, als das Kartonhaus, das sie gebaut habe. Die Fünftklässlerin verrät, dass sie zwei Häuser erstellt habe. Das erste Haus sei kaputt gegangen, das zweite dafür viel schöner geworden. «Früher habe ich nicht gewusst, was ein Architekt überhaupt macht. Nun weiss ich, dass er die Baupläne erstellt», sagt sie.

Der 11-jährige Simon erzählt, dass es ein tolles Projekt gewesen sei. Auch ihm habe der Bau des Kartonhauses am besten gefallen. «Es hat mich sehr beeindruckt, wie viel es überhaupt braucht, um ein Haus zu erstellen. Zuvor wusste ich darüber fast gar nichts.»