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Gottlieben: Ein Mini-Dorf wagt den Alleingang

Die 350 Einwohner-Gemeinde hat eine Fusion mit dem Nachbarn Tägerwilen geprüft. Das Ergebnis: Der Gemeinderat empfiehlt, weiter selbstständig zu bleiben.
Urs Brüschweiler
Wenn es nach dem Gottlieber Gemeinderat geht, gehen die Nachbardörfer bis auf Weiteres getrennte Wege. (Bild: Donato Caspari)

Wenn es nach dem Gottlieber Gemeinderat geht, gehen die Nachbardörfer bis auf Weiteres getrennte Wege. (Bild: Donato Caspari)

Urs Brüschweiler urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch
«Der Patient ist krank.» Diese These hatte Antragsteller Peter Grimm vor einem Jahr an der Gemeindeversammlung aufgestellt. Es erging damals ein Auftrag an die Gottlieber Behörde, eine Fusion zu prüfen. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Paul Keller machte sich ans Werk und präsentierte am Dienstag vor 50 Anwesenden die Ergebnisse.

«Ja, der Patient ist tatsächlich krank, aber er muss deswegen nicht sterben»

fasst der Gemeinderat die Erkenntnisse zusammen. An der Gemeindeversammlung im Frühling 2019 werde man den Stimmbürgern den Antrag stellen, eigenständig zu bleiben.

«Gottlieben» ist eine Marke

Paul KellerGemeinderat Gottlieben(Bild: PD)

Paul Keller
Gemeinderat Gottlieben
(Bild: PD)

Die Arbeitsgruppe hatte die Aufgabe nicht auf die leichte Schulter genommen. Untersucht wurden verschiedenste Aspekte. Was sich einige erhofft hatten, stimmt nicht: «Langfristig haben Fusionen von Gemeinden keinen Spareffekt zur Folge», berichtete Keller. Als ideelle Gründe für den Alleingang nannte er die raumplanerische Einheit Gottliebens, die grosse Geschichte oder den Willen zur Selbstständigkeit. Und für die Hotellerie und Gastronomie sei die Marke «Gottlieben» sehr wichtig. Bei einer Fusion mit dem rund 4500 Einwohner zählenden Tägerwilen – alles andere sei unrealistisch – würde man nur noch acht Prozent der Bevölkerung ausmachen, worunter die Selbstbestimmung leiden würde.

«Es wäre auch gar nicht sicher, ob die Tägerwiler mit uns zusammengehen möchten»

Auch die Identifikation würde geringer. In der gemeinsamen Feuerwehr gibt es schon heute keinen Gottlieber mehr. Es gäbe keine Verwaltung mehr und man müsste keine Gemeinderäte mehr suchen. Genau dies ist aktuell aber eines der grössten Probleme der Kleinstgemeinde: genügend Personal zu finden. Auf diesen Punkt bezog sich Antragsteller Peter Grimm in seiner Stellungnahme: «Wenn wir uns für die Selbstständigkeit entscheiden, weiss jeder, was das bedeutet: Ohne persönliches Engagement fast aller, geht es nicht.» Für dieses Statement gab es Applaus im vollen Gemeindesaal.

Ein Gottlieber Gemeindehaus gäbe es nach einer Fusion nicht mehr. (Bild: Donato Caspari)

Ein Gottlieber Gemeindehaus gäbe es nach einer Fusion nicht mehr. (Bild: Donato Caspari)

Zwei Bedingungen für die weitere Souveränität

Genügend Freiwillige für die Ämter zu finden, hatte auch Paul Keller als eine der beiden Bedingungen für den weiteren Alleingang genannt. Die andere sei finanzieller Natur: Der Steuerfuss von heute 45 Prozent müsse schrittweise erhöht werden. Circa 60 Prozent benötige man für ein ausgeglichenes Budget. Am 4. Dezember soll der Steuerfuss vorerst auf 50 Prozent erhöht werden. Man bleibt dann aber immer noch tief in den roten Zahlen.

Ein einzelner Unterstützungsfall bringt das finanzielle Gefüge durcheinander

Die Sozialhilfekosten machen fast einen Fünftel aller Kosten aus. Einzelne Unterstützungsfälle können das finanzielle Gefüge der Gemeinde durcheinander bringen, wie in der angeregten Diskussion deutlich wurde. Finanzielle Risiken seien auch die Sanierung der Werkleitungen oder die Neuordnung des kantonalen Finanzausgleichs. Gottlieben droht als Gemeinde mit der vierthöchsten Steuerkraft im Thurgau eine Mehrbelastung. Und nicht zuletzt wisse man auch nicht, wie sich die Situation von Schloss Gottlieben entwickle.

Volles Programm am 4. Dezember

Am 4. Dezember findet die Gottlieber Budget-Gemeindeversammlung statt. Der Voranschlag sieht trotz 5 Prozent höherem Steuerfuss ein Defizit von 166000 Franken vor. Für die Sanierung der Werkleitungen an der Kirchstrasse stehen zwei Varianten zur Wahl: Die vom Gemeinderat empfohlene, etwas teurere Option kostet 648000 Franken. Ausserdem sollen die Bürger ein neues Bootsreglement genehmigen. Für die Nachfolge des Ende Jahr zurücktretenden Gemeinderates Andreas Lampel findet eine Ersatzwahl statt. Eine Kandidatur ist aber bislang nicht bekannt.

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