Kathrin Bruggmann lebt glücklich im ältesten Haus Bischofszells

Im kleinen Haus an der Kirchenwiese lebte der ehemalige Kunstmaler und Lehrer Emil Bruggmann, heute seine Tochter Kathrin.

Werner Lenzin
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Therese und Kathrin Bruggmann an ihrem Lieblingsplatz am runden Tisch im Blumengarten neben dem Hauseingang.

Therese und Kathrin Bruggmann an ihrem Lieblingsplatz am runden Tisch im Blumengarten neben dem Hauseingang.

Bild: Donato Caspari

Über die Schottengasse und durch einen engen Durchgang gelangt man entlang der Stiftsamtei und der Kirchenwiese über einen bescheidenen Sitzplatz mit Sandsteintreppe zum Haupteingang auf der Südseite. Die 71-jährige Kathrin Bruggmann sitzt auf ihrem Lieblingsplatz, an einem kleinen runden Tischchen inmitten von blühenden Gartenblumen.

Auf der Treppe reckt sich Schnurrli, die Nachbarskatze, in der wärmenden Spätsommersonne. An einem windgeschützten Plätzchen beginnt die quirlige und interessante Frau mit grossem Wissen aus vergangener Zeit zu berichten: «In dieser Häusergruppe gab es früher insgesamt drei Schulhäuser, nämlich das Hirschen-Schulhaus, dasjenige in der heutigen Liegenschaft Nummer 5 und dort, wo heute die Stiftsamtei ist.»

Schon ihr Grossvater Fitin Bruggmann habe im Schulhaus am Hirschenplatz unterrichtet und nach seinem Tod sei ihr Vater Emil in dieses Schulhaus gekommen. Allerdings diente es damals bereits als Wohnhaus für Lehrerfamilien und Emil Bruggmann (1907–1995) unterrichtete im Schulhaus Obertor. Auf eine besondere Art hat er seine spätere Frau Theresia Kradolfer kennen gelernt. Als ambitionierter und begeisterter Sportler musste der junge Lehrer wegen einer Sportverletzung zum Arzt. Die junge Praxishilfe wurde seine Frau.

Schwimmen gelernt in der Thur

Mit ihren drei Schwestern Therese (geboren 1945), und den verstorbenen Vreni (1942) und Johanna (1939) erlebte Kathrin eine glückliche und unbeschwerte Jugendzeit.

«Wir hatten viel Platz in diesem grossen Haus und an den Wochenenden weilten wir am Katzensteiger Felsen, wo mein Vater in der Pfanne auf dem offenen Feuer eine Pilzsuppe kochte und wir Mädchen schwimmen lernten.»

Wie ihre Schwestern weilte auch sie im Schulhaus Obertor in der 45-köpfigen Klasse ihres Vaters. Er habe sehr spannend unterrichtet und sie und ihre drei Schwestern liebten ihn als Lehrer und Vater. Sie hat ihn in Erinnerung als vorbereitende und korrigierende Lehrerpersönlichkeit. «Während ich der Mutter in der Küche beim Abwaschen half, korrigierte er die Aufsätze in der Stube und wenn die Korrektur meines Aufsatzes vorüber war, hatte ich anzutreten.»

44 Jahre unterrichtete Emil Bruggmann in Bischofszell und ging 1973 in Pension. Dies war auch der Zeitpunkt, als ihm der mittlerweile verstorbene Metzger Karl Hobi das im Westen ans Hirschen-Schulhaus angebaute Gebäude als Mietobjekt anbot mit den Worten:

«Du gehst nicht weg von Bischofszell.»

Heute ist der historische Bau im Besitz von Anneliese Biedermann.

Schon im Militär machte der junge Lehrer beim Erstellen von Krokis und Zeichnen von Karikaturen seiner Kameraden und Offizieren als talentierter Zeichner und Maler auf sich aufmerksam. Seine Tochter erinnert sich, wie ihr humorvoller Vater zeichnend und malend in der freien Natur unterwegs war. «Seine Darstellungen von Bergen, Tieren und insbesondere Szenen und Ansichten des Städtchens Bischofszell waren bald einmal so beliebt, dass sich die Leute darum stritten und beim Bilderverkauf Käuferin oder Käufer durch das Los entschieden wurde», erzählt sie. Im kommenden Jahr soll im Historischen Museum Bischofszell eine Ausstellung stattfinden.

Praktikum im Welschland und in London

Nach Kathrin Bruggmanns Sekundarschulzeit im Sandbänkli sagte ihr Vater: «Du gehst ins Militär zu den Nonnen.» Damit meinte er einen einjährigen Aufenthalt im Welschland, im Kinderheim St.François in Courtepin, so wie es für alle vier Mädchen geplant war – ein weiteres am gleichen Ort, zwei in Sierre. «Meine Aufgabe neben dem Lernen der französischen Sprache beinhaltete die Betreuung vier- bis 18-jähriger Kinder und hier habe ich gelernt, mit Kindern umzugehen», sagt die gelernte Hauswirtschaftslehrerin.

In diesem Jahr lernte sie aber auch, sich als «forsches und gwehriges Mädchen», wie sie von sich selber sagt, zu wehren. Nach einem einjährigen Aufenthalt in London erfüllte sich in der damaligen Frauenschule und heutigen Pädagogischen Hochschule in Chur ihr ersehnter Kindheitstraum, Hauswirtschaftslehrerin zu werden.

Während eines Praktikums an der Schule Bürglen erhielt sie Besuch von einer Delegation der Amriswiler Schulbehörde und 1972 begann sie dort zu unterrichten. Mit Ausnahme eines unbezahlten Auslandurlaubs in Kolumbien, Ekuador und Hawaii blieb sie dieser Schule bis zur Pensionierung treu. Dankbar und zufrieden blickt sie zurück auf ihre Zeit als Lehrerin: «Ich hatte eine gute Zeit in Amriswil mit kooperativen Kolleginnen und Kollegen, aber auch mit anständigen Mädchen und Buben», sagt sie.

Ihre humorvolle und konsequente Art sei bei den Schülern angekommen und sie hätten ihr nicht selten den Spiegel vorgehalten. Für sie war das Unterrichten ein Geben und Nehmen und bestimmt sagt sie: «Ich würde mich sofort wieder für diesen Beruf entscheiden.»

Nach der Pensionierung zog Kathrin Bruggmann zurück ins Haus ihrer Eltern, wo ihre Schwester Therese den kranken Vater bis zu seinem Tod pflegte.