Glosse
Räbeblatt: Wo sind nur all die Korsos hin?

Endlich gibt die Schweizer Fussball-Nati wieder Grund zur Freude. Doch die Euphorie auf den Strassen hält sich in engen Grenzen. Hier der Aufruf (falls sich noch eine Chance zum Jubeln ergibt): An die Fahnen!

Mario Testa
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Anderes Turnier, anderer Ort: Ein Jubel-Korso in Wettingen nachdem sich die Schweiz 2018 für den WM-Achtelfinal qualifiziert hatte.

Anderes Turnier, anderer Ort: Ein Jubel-Korso in Wettingen nachdem sich die Schweiz 2018 für den WM-Achtelfinal qualifiziert hatte.

Bild: PD

Was war das auch für ein toller Fussballabend am vergangenen Sonntag. Endlich ein souveräner Drei-Punkte-Auftritt unserer Nati an der EM. Der leicht benetzte Asphalt war kurz nach Abpfiff bereits wieder trocken, alles angerichtet für ein Strassenfest. Doch von Festlaune war nichts zu spüren in Weinfelden. Ein paar Gäste in den Gartenbeizen, zwar viele im rot-weissen Zwirn, aber kaum Ausrufe der Euphorie.

Sind wir bereits zufrieden?
Interessiert’s womöglich gar niemanden?Oder haben wir in der Coronazeit das Feiern verlernt?

Nur mit übereifrigem Fahnen-Schwenk-Einsatz direkt am Strassenrand gelingt es doch noch, dem einen oder anderen vorbeifahrenden Auto ein kurzes Hupen abzuringen. Aber das war’s dann auch schon – Ruhe, eine Viertelstunde nach Spielschluss. Keine Autokorsos, hupgehemmte Helvetier, kaum Leute in den Strassen – und das, obwohl das Spiel sogar zu kinderverträglichen Abendstunde vor 20 Uhr abgepfiffen wurde.

Wer weiss, vielleicht sparen sich die Weinfelder das Feiern einfach auf, um bald erst recht loszulegen. Ich hoffe nur einfach, die Schweizer Nati bietet unserem Volk überhaupt nochmals eine Chance, es besser zu machen. Die Chance ist klein, indes. Aber sie ist da.

An die Fahnen!