Glosse
Räbeblatt: Stimmenfang mal anders - Darum trällert die FDP einen Heino-Klassiker über blauen Enzian

Nach der Wahl ist vor der Wahl und in Weinfelden müssen sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier überlegen, wie sie auf Stimmenfang gehen. Deshalb haben sie einen Politischen Singcontest eröffnet, bei dem jede Fraktion über ihre politischen Ambitionen singt.

Sabrina Bächi
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Heino sang über blauen Enzian. Das tut ihm nun die Weinfelder FDP gleich und will damit ihren verlorenen Sitz im Parlament wieder gut machen.

Heino sang über blauen Enzian. Das tut ihm nun die Weinfelder FDP gleich und will damit ihren verlorenen Sitz im Parlament wieder gut machen.

Bild: PD

Während die Schweiz noch im Singsanghimmel des ESC schwebt, üben die Weinfelder Parlamentarierinnen und Parlamentarier fleissig an ihren Singstimmen. Denn sie haben sich entschlossen im Hinblick auf die kommenden Wahlen, den Bürgerinnen und Bürgern eine neue Seite von sich zu zeigen und so auf Stimmenfang zu gehen. Sie nennen es den PSC - Politischer Sing Contest. Die Herausforderung: Nicht nur Stimmen sondern auch Text müssen politisch passen.

Mutig vorangeschritten ist deshalb die SVP und hat vor kurzem verkündet, dass sie das Lied «Oh du goldigs Sünneli, tue doch wiiter schiinä» singen wolle. Auch die FDP hat mit «Ja, Ja so blau, blau, blau blüht der Enzian» von Heino einen Klassiker ausgesucht. Als Requisiten werden sie natürlich Sonnenbrillen tragen.

Sabrina Bächi, Leiterin Ressort Weinfelden

Sabrina Bächi, Leiterin Ressort Weinfelden

Bild: Andrea Stalder

Vor der grösseren Herausforderung stand die Links-grüne Fraktion. Parlamentspräsidentin Claudia Bieg schlug Cliff Richards «Rote Lippen soll man küssen» vor. Passend hätte sie für alle anderen roten Lippenstift bereitgestellt. Als einzige Frau in ihrer Fraktion hatte sie mit diesem Vorschlag keinen Erfolg. Deshalb wollen sie nun «Roti Rösli im Garte, Meieriisli im Wald, wenn de Klimawandel wiiter wüetet so verschwinded si bald».

Gerüchteweise will die Mittefraktion um CVP und EVP mit einem etwas moderneren Song die Jury, bestehend aus Stadtrat und Stadtschreiber, überzeugen. Wie man hört, haben sie sogar ihr ehemaliges Mitglied und Musiklehrer Samuel Curau eigens für die Proben aufgeboten, damit der Song «Jesus Christ Superstar» von Andrew Lloyd Weber perfekt sitzt.

Wer am Ende aber nicht nur die Jury sondern vor allem das Publikum zuhause überzeugen kann, zeigt sich in zwei Jahren, wenn die Sitze im Parlament neu verteilt werden. Einige der Frauen hoffen, dass ihre lieblichen Stimmen Anreiz dafür sind, dass vermehrt weibliche Lokalpolitikerinnen in das Parlament gewählt werden. Ob es klappt? Mann wird es sehen.