Gestohlene Rollatoren in Amriswil: Wie Kommissar Facebook den Fall löste

In der Nacht auf Sonntag verschwanden an der Wattistrasse in Amriswil zwei Rollatoren. Dank des Internets sind sie nun wieder bei den Besitzern.

Manuel Nagel
Drucken
Teilen
Paul Zellweger (Bildmitte) hat dank der Mithilfe aufmerksamer Mitmenschen die Rollatoren von Alice Urech und Hans Mosimann aufgespürt und sie den beiden Besitzern wieder zurückgebracht.

Paul Zellweger (Bildmitte) hat dank der Mithilfe aufmerksamer Mitmenschen die Rollatoren von Alice Urech und Hans Mosimann aufgespürt und sie den beiden Besitzern wieder zurückgebracht.

(Bild: Manuel Nagel)

Mit grossen Augen schaut Alice Urech aus ihrem Küchenfenster im zweiten Stock – und dann huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Kurz danach tritt sie aus dem Mehrfamilienhaus an der Wattistrasse, um ihren Rollator wieder in Empfang zu nehmen.

«Ich habe deinen Rollator sogleich an der eingesteckten Feder erkannt», sagt Paul Zellweger, der das Gefährt der 84-Jährigen zurückgebracht hat. Aber nicht nur Urechs Rollator verschwand in der Nacht auf letzten Sonntag, sondern auch derjenige ihres Nachbarn Hans Mosimann. Die beiden Senioren sind Stammgäste im «El Greco» und erzählten dort am Mittwoch vom dreisten Diebstahl.

«Du bisch vo Amriswil, wenn...»

Die Facebookgruppe «Du bisch vo Amriswil, wenn ...» hat aktuell 2814 Mitglieder, die in irgendeiner Weise mit der Stadt Amriswil verbunden oder aber interessiert sind, was hier so läuft. Dabei posten die Mitglieder historische oder aktuelle Fotos von Amriswil, machen auf Veranstaltungen aufmerksam, suchen nach entlaufenen Haustieren – oder wie hier nach entwendeten Rollatoren oder Velos. (man)

Hinweis
www.facebook.com/groups/828154060532578

Das wollte Paul Zellweger nicht einfach so hinnehmen und die Faust im Sack machen. Noch am selben Abend schrieb er einen Eintrag in einer Facebookgruppe (siehe Kasten oben) und bat die übrigen Gruppenmitglieder, die Augen offenzuhalten. Auch Georgios Chalkidis, der Wirt ihres Stammlokals, bot Urech und Mosimann an, etwa bei Einkäufen behilflich zu sein.

Von Wutbekundungen bis hin zu Geldspenden

Die Anteilnahme in der Facebookgruppe war ebenfalls gross. Es gab aber nicht nur Wutäusserungen, sondern auch konkrete Hilfe. Mehrere Personen boten an, sich an zwei neuen Rollatoren zu beteiligen. Und es folgten auch Einträge von Leuten, die im Quartier einen der Rollatoren gesehen hatten. Zellweger machte sich sogleich auf, holte den Rollator ab und informierte den 95-jährigen Mosimann, dass dessen Rollator wieder zum Vorschein gekommen sei.

Im Laufe des Donnerstags gab es auch noch Hinweise auf den Verbleib des zweiten Rollators, sodass Zellweger am Freitagnachmittag die abhanden gekommenen Schiebehilfen wieder den rechtmässigen Besitzern übergeben konnte.

Wahrscheinlich war es ein unüberlegter Dummer-Jungen-Streich – und der Grund für die zwei Senioren irrelevant. Wichtiger für sie dürfte sein, dass sie in ihrem Umfeld Menschen wissen, die sich für sie einsetzen.