Geschenk sorgt für Ärger: Egnacherin sammelt Unterschriften gegen Aussichtsturm am See

Die Gemeinde will die Badewiese Luxburg mit einem Aussichtsturm aufwerten.
Doch nun hagelt es Einsprachen aus der Bevölkerung. Jemand hat auch Hand angelegt.

Jana Grütter
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Der geplante Aussichtsturm soll der Öffentlichkeit bereits ab diesem Jahr einen Blick in die Weite ermöglichen. (Bild: Markus Schoch)

Der geplante Aussichtsturm soll der Öffentlichkeit bereits ab diesem Jahr einen Blick in die Weite ermöglichen. (Bild: Markus Schoch)

Es sollte ein Geschenk des EW Romanshorn zum 150-Jahr-Jubiläum an die Gemeinde werden. Doch die Freude in Teilen der Bevölkerung hält sich in Grenzen. Einige wollen den Aussichtsturm in der Bucht nicht haben. Sie haben während der Auflagefrist des Baugesuches Unterschriften für eine Sammeleinsprache gesammelt, die sie heute auf der Gemeindeverwaltung einreichen.

Initiantin kann Bauvorhaben nicht fassen

«Als ich bei meinem gewohnten Spaziergang die Visiere gesehen habe, glaubte ich zuerst an einen schlechten Aprilscherz», sagt Verena Stalder, die Initiantin des Widerstandes. Sie wohnt unmittelbar neben der Luxburgwiese.

«Der Turm würde das ganze Landschaftsbild ruinieren und die schöne Sicht ins Weite versperren.»

Nicht nur Stalder, sondern auch andere Egnacher beklagen sich über das Bauvorhaben und wollen das Projekt verhindern. Der Egnacherin gelang es innerhalb von zwei Wochen, mehr als 140 Unterschriften zu sammeln.

«Ich habe nicht mit einer derartigen Zustimmung gerechnet.»

Zuerst sei nämlich gedacht gewesen, dass nur sie selbst und ihre Nachbarn unterschreiben. Doch auch weitere Egnacher wurden durch Leserbriefe im Mitteilungsblatt der Gemeinde auf das Projekt aufmerksam. «Mehrere Einwohner sahen sich die Sache dann vor Ort an.»

Vorbei mussten sie an einem Tisch, den Stalder auf privatem Boden aufstellte, wo jeder die Sammeleinsprache unterschreiben konnte. Stalder wünscht sich als Alternative zum Turm einen Steg, wie ihn Romanshorn als Geschenk vom EW bekommen hat. «Entweder einen Steg, oder gar nichts.»

Verena Stalder hat bereits mehr als 140 Unterschriften gesammelt. (Bild: Markus Schoch)

Verena Stalder hat bereits mehr als 140 Unterschriften gesammelt. (Bild: Markus Schoch)

Die Bauvisiere sind übrigens bereits weg. Entfernt hat sie aber nicht die Gemeinde. Unbekannte haben sie in der Nacht vom Sonntag auf Montag in den See geworfen. Die Stangen liegen noch heute im Wasser.

«Wir haben immer wieder mit Vandalismus zu kämpfen.»

Ein Aussichtsturm würde die Zerstörungswut noch verstärken und zudem Lärm und Nachtruhestörung verursachen. «Ich bin davon überzeugt, dass der Turm nach kurzer Zeit besprayt werden würde.»

Die Visiere wurden in den See geworfen. (Bild: Markus Schoch)

Die Visiere wurden in den See geworfen. (Bild: Markus Schoch)

Tobler äussert sich nicht zum Verfahren

Gemeindepräsident Stephan Tobler hat von Vandalenakten in der Luxburg-Bucht noch nie etwas gehört. Zum laufenden Verfahren gibt er keine Auskunft.

Auch Salmsach will die Bucht aufwerten

Das EW Romanshorn feiert 2019 sein 150-jähriges Bestehen und nimmt das Jubiläum zum Anlass, allen Gemeinden im Versorgungsgebiet eine Freude zu machen. Zu den Beschenkten gehört auch Salmsach. «Der Gemeinderat wollte unbedingt etwas für die Öffentlichkeit machen», sagt Gemeindeschreiberin Nicole Haas. So wird die Bucht attraktiver gestaltet. «Das Gelände soll mit dem Geld der Genossenschaft mit einem Brunnen, einem Spielbereich und einem Sonnensegel ausgestattet werden.» Der genaue Zeitplan ist noch nicht festgelegt. Die Aufwertung der Bucht sei schon lange ein Thema, sagt Haas. «Eine Gruppe plant einzelne Projekte.» So soll das Areal mit verschiedensten Elementen insgesamt attraktiver gestaltet werden.