Gesamtverkehrskonzept
«Klar, wenn die Romanshornerinnen und Romanshorner eine Autostadt wollen, dann haben wir ein Problem»: Die Stadt will einen umweltverträglichen Verkehr fördern

Die Romanshorner Grünen haben zu einem Spaziergang zu den Verkehrshotspots mit Bauverwalter Andreas Schuster eingeladen. Dabei wurde deutlich: Romanshorn will keine verkehrsgerechte Stadt mehr sein, sondern einen stadtgerechten Verkehr fördern.

Barbara Hettich
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Der Romanshorner Bauverwalter Andreas Schuster beim Spaziergang zu den städtischen Verkehrshotspots.

Der Romanshorner Bauverwalter Andreas Schuster beim Spaziergang zu den städtischen Verkehrshotspots.

Bild: Barbara Hettich
«Mit dem Gesamtverkehrskonzept Mobilität 2040 wollen wir für mehr Lebensqualität in Romanshorn sorgen.»

Das sagt Andreas Schuster. Am Freitagabend spaziert der Bauverwalter auf Einladung der Grünen mit rund 20 Interessierten zu den Verkehrshotspots von Romanshorn und erklärt die Ziele der laufenden Planungen: Einen umweltverträglichen Verkehr, den Anteil von Fuss- und Radwegen erhöhen und die Verkehrsbelastung in den Siedlungsgebieten auf ein erträgliches Mass reduzieren.

Dafür gibt es Handlungsbedarf. Dies macht Schuster beim ersten Halt an der Bahnhofstrasse deutlich. Eine Strasse mit breiter Fahrbahn, Mittelstrich und seitlich parkierten Autos, eine Strasse, die für den motorisierten Verkehr und nicht menschenorientiert gebaut wurde, unattraktiv für Fussgänger und Velofahrer. Schuster sagt:

«Mit Mittelzonen, Baumalleen, breiteren Trottoirs für Fussgänger und Radfahrer, Tempo 30, könnte man die Strasse aufwerten.»

Diese möglichen Massnahmen würde der Bund anhand des Agglomerationsprogramms zu einem Drittel mitfinanzieren.

Beim Romanshorner Bahnhofplatz stellt weniger der Verkehr als vielmehr die Parkierung das Hauptproblem dar.

Beim Romanshorner Bahnhofplatz stellt weniger der Verkehr als vielmehr die Parkierung das Hauptproblem dar.

Bild: Barbara Hettich

Jeder Eingriff hat seine Auswirkungen

Beim Gesamtverkehrskonzept (GVK) gehe es aber nicht um Detailplanungen. «Wir schauen uns das Ganze aus einer anderen Flughöhe an», sagt Schuster. Für die Netzanalyse würden kantonale, regionale und kommunale Planungen einfliessen, ebenso die Bevölkerungsentwicklung, Verkehrsbelastungen, Durchgangsverkehr, Zufahrtsachen, Parkierung, Rad- und Fusswege, öffentlicher Verkehr und Unfallzahlen. Jeder Eingriff in den Verkehr habe seine Auswirkungen.

«Wenn man beispielsweise die Bankstrasse schliesst, verlagert sich der Verkehr einfach in eine andere Quartierstrasse – das Problem ist nicht gelöst.»

Einen weiteren Halt legt der Romanshorner Bauverwalter an den Hotspots Bahnhofplatz und Hafenplatz ein: «Auch hier schauen wir uns das Ganze in einem grösseren Zusammenhang an, zumal derzeit verschiedene Projekte in Planung sind.»

Der Romanshorner Bauverwalter Andreas Schuster legt mit den Interessierten auch einen Halt beim Hafenplatz ein.

Der Romanshorner Bauverwalter Andreas Schuster legt mit den Interessierten auch einen Halt beim Hafenplatz ein.

Bild: Barbara Hettich

Die Schweizerische Bodensee Schifffahrt AG möchte an der Hafenstrasse ein Hotel mit Tiefgarage bauen, die Stadt sei zwecks Erweiterung der Tiefgarage für öffentliche Parkplätze mit der Bauherrschaft im Gespräch. «Mit der Aufhebung des Parkplatzes am Ende der Hafenstrasse könnte man die Verkehrssituation beruhigen», erklärt Schuster eine mögliche Massnahme.

Auch die Bevölkerung soll mitreden

«Wird bei der Planung auch die Bevölkerung miteinbezogen, oder macht ihr das alles im stillen Kämmerlein?», fragt ein Teilnehmer während des Spaziergangs. Das Gesamtverkehrskonzept mit Massnahmenkatalog soll bis Ende Jahr fertig sein und werde dann der Bevölkerung vorgestellt, sagt Schuster. «Wir freuen uns dabei auf Anregungen.» Bei der Umsetzung der Massnahmen werde man dann gezielt das Gespräch mit den Anwohnern suchen.

«Tönt alles positiv.»
Markus Bösch, Präsident Grüne Romanshorn.

Markus Bösch, Präsident Grüne Romanshorn.

Bild: Barbara Hettich

Das sagt Markus Bösch, Präsident der Grünen. Er hoffe nur, dass dann nicht zu viel Kritik komme. «Klar, wenn die Romanshornerinnen und Romanshorner eine Autostadt wollen, dann haben wir ein Problem», erwidert Andreas Schuster.

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