Geografie-Olympiade
In seiner Freizeit zeichnet er fantasievolle Landkarten: Das brachte ihm Gold ein

Lorenzo Durante aus Erlen kann im Sommer an die Internationale Geografie-Olympiade 2022 nach Paris fahren. Der 17-Jährige besucht die Kantonsschule Romanshorn.

Hannelore Bruderer
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Lorenzo Durante besucht die Kanti in Romanshorn.

Lorenzo Durante besucht die Kanti in Romanshorn.

Bild: Manuel Nagel

Obwohl das Entwerfen von fiktiven Landkarten zu Lorenzo Durantes Hobbys gehört, ist das keine Erklärung dafür, dass er es unter den 1500 Teilnehmenden bei der Schweizer Geografie-Olympiade in die besten 14 fürs Finale geschafft hat. Und schon gar nicht dafür, dass er zu den nur vier Gewinnern einer Goldmedaille gehört.

Doch, sagt Lorenzo Durante gelassen, Geografie interessiere ihn schon. Es ist aber nur eines unter vielen Themenbereichen, für die sich der 17-Jährige begeistern kann. «Ich denke, diese Vielseitigkeit hat mir geholfen, dass ich bei der Geografie-Olympiade so erfolgreich war. Die Aufgaben sind nicht auf Wissensabfrage ausgelegt, sondern es geht mehr darum, wie man Aspekte aus verschiedenen Bereichen verknüpft und daraus die richtigen Schlüsse ableitet.» Da die Prüfungen in englischer Sprache erfolgen, ist ihm auch zugutegekommen, dass er sich an der Kantonsschule Romanshorn für den Besuch der zweisprachigen Maturität Deutsch-Englisch entschieden hat.

Lagerwoche mit Finalisten im Schweizer Nationalpark

Auf Anregung der Lehrpersonen hatte seine ganze Klasse den Online-Test für die Vorentscheidung durchlaufen. «Speziell vorbereitet habe ich mich nicht und ich habe mir deshalb auch keine grossen Chancen ausgerechnet», gibt Lorenzo Durante unumwunden zu. Zu seiner eigenen Überraschung qualifizierte er sich für die Teilnahme an der nationalen Olympiade. Mit den anderen Finalisten durfte er im Juni ein Sommerlager in Zernez besuchen, das von einer Geoinformationsfirma gesponsert wurde.

Lorenzo Durante aus Erlen.

Lorenzo Durante aus Erlen.

Bild: Manuel Nagel
«Wir waren dort im Schweizer Nationalpark unterwegs. Die Lagerwoche war lehrreich und vielfältig.»

An der Geografie-Olympiade in Solothurn, die Ende November stattfand, absolvierten die Teilnehmenden vormittags eine schriftliche und eine Multimedia-Prüfung, am Nachmittag begaben sie sich nach draussen in die Altstadt und machten Feldforschung. Zum einen mussten die Prüflinge die Verteilung der Geschäfte in der Solothurner Fussgängerzone erheben, zum anderen ein Konzept entwickeln, um die Grünfläche einer mittelalterlichen Schanzenanlage für über 65-Jährige attraktiv zu gestalten. Um diese Aufgaben zu lösen, war neben Wissen und Können auch Kreativität und eine wache Beobachtungsgabe gefragt.

Doppelgold für die Kantonsschule Romanshorn

Lorenzo Durante ist nicht der einzige Teilnehmer aus dem Thurgau, der aus Solothurn mit einer Goldmedaille zurückkehrte. Gold gab es auch für Anja Höchner aus Romanshorn, die eine Parallelklasse von Lorenzo Durante besucht. Die weiteren zwei Goldgewinner sind Leonhard Kick von der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen sowie Luis Hartmann von der Alten Kantonsschule Aarau.

Wie wird sich Lorenzo Durante auf seine Internationale Olympiade-Teilnahme vorbereiten? «Das Schwierige ist, dass man auf diese Prüfungen nicht wirklich lernen kann», sagt er.

«Ich werde mich auf jeden Fall weiter dafür interessieren, was in der Welt vor sich geht. Und wenn mich etwas interessiert, dann kann ich mich auch gut darin vertiefen.»

Berührungsängste kennt er dabei nicht. Klima, Agrarwirtschaft, Geopolitik, Geschichte sind nur einige Themenfelder, die er spontan aufzählt.

In seiner Freizeit lebt Lorenzo Durante seine kreative Seite aus. Zu seinen Hobbys zählen das Pen-&-Paper-Rollenspiel mit Gleichgesinnten, das Designen von fantasievollen Landkarten und seit neustem auch Modellieren. Pen & Paper, wo er oft die Rolle des Spielleiters übernehme, sei eine ideale Freizeitbeschäftigung für ihn, sagt er.

«Ich schreibe, lese und gestalte gerne, bei Pen & Paper kann ich das alles vereinen.»

Bei so vielfältigen Neigungen ist es auch verständlich, dass sich Lorenzo Durante noch nicht konkret für eine Berufsrichtung entscheiden kann. Als Nächstes steht für den Erler Kantonsschüler sowieso seine Maturaarbeit im Vordergrund.