Generationenhaus rückt näher

Der Projektverein Generationenhaus bewirbt sich bei der Stadt Kreuzlingen um das ausgeschriebene Grundstück Promenade West.

Inka Grabowsky
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Silvia Spaar Zaugg und Paul Wirz, vom Projektverein Generationenhaus Kreuzlingen, vor den Plänen für die Überbauung auf dem Grundstück Promenade West.

Silvia Spaar Zaugg und Paul Wirz, vom Projektverein Generationenhaus Kreuzlingen, vor den Plänen für die Überbauung auf dem Grundstück Promenade West.

Bild: Inka Grabowsky

Es ist ein besonders attraktives Stück Land, das die Stadt demnächst im Baurecht vergeben will. Auf der dreieckigen Brachfläche zwischen Jugendherberge und Yachthafen – hinter dem ehemaligen RAZ – sollen Häuser entstehen. Unter den Bewerbern ist auch der Projektverein Generationenhaus Kreuzlingen. Seit seiner Gründung vor gut einem Jahr sucht er nach Baugrund, auf dem er günstige Mietwohnungen für dreissig bis vierzig Genossenschaftsmitglieder erstellen kann.

Paul Wirz, einer der beiden Vorsitzenden des Vereins, bringt schon einiges an Erfahrung mit. Er hat dreieinhalb Jahre im Generationenhaus Giesserei in Winterthur gewohnt, bevor es ihn nach Kreuzlingen verschlagen hat.

Der Kontakt mit anderen, der reizt

Die selbstverständliche Nachbarschaftshilfe und das Gemeinschaftsleben vermisst er. «Ich würde selbst gerne einziehen, deshalb habe ich das Projekt aufgegleist», sagt er. Ihm zur Seite steht Co-Präsidentin Silvia Spaar Zaugg: «Mein Mann und ich sind im Mai 2018 aus dem Ausland nach Kreuzlingen gezogen und haben vom Projekt gehört.» Sie reize der Kontakt zu anderen.

Obwohl sie in einem schönen Quartier wohne und alle ihre Nachbarn kenne und schätze, sei sie doch etwas isoliert. «Unsere Wohngegend ist überaltert, man hört kaum mal ein Kinderlachen. Und ich habe nicht gern Grabesstille – dann ertrage ich lieber Konflikte mit Jugendlichen, die zu laut sind», sagt sie.

Für Jung und Alt, aber auch für Arm und Reich

Der Projektverein verfolgt mehrere Ziele. Nebst dem altersdurchmischten, selbstverwalteten Wohnen will er auch günstigen Wohnraum schaffen. Die Mieten müssen alle entstandenen und entstehenden Kosten decken, aber es muss keine Rendite erzielt werden. Spaar Zaugg sagt:

«Der Wohnraum soll der gewinnorientierten Wirtschaft entzogen werden.»

Nach Erfahrungen von Wirz liegen in der Giesserei in Winterthur die Mieten 15 bis 20 Prozent niedriger als in umliegenden vergleichbaren Häusern. Wohnungen mieten dürfen aber nur Menschen, die auch Mitglied in der Genossenschaft sind.

Angestrebt ist nebst der Durchmischung von Jung und Alt auch eine von Arm und Reich. Ein Bootsbesitzer, der neben seiner Yacht im Hafen wohnen will, könne ebenso Genossenschafter werden wie ein Student. «Der Mix ist wichtig», sagt Wirz. «Damit er stimmt, muss die Genossenschaft, die wir gründen werden, genau formulieren, welche Ziele sie anstrebt.»

Insgesamt sind dreissig Wohnungen angedacht

Das Kreuzlinger Architekturbüro AIR hat in den vergangenen vier Wochen eine Grobstudie erstellt. Der planende Architekt Bernhard Roth erklärt den rund vierzig Interessenten am Infoanlass: «Wir haben zunächst überlegt, was auf dem Areal möglich ist, mit dem Ziel, den Zuschlag für das Baurecht zu bekommen.»

Ihr Entwurf beruhe noch auf vielen Annahmen. «Priorität hatte für uns, das vorgegebenen Bauvolumen optimal zu füllen.» 4800 Quadratmeter Geschossflächen können die Architekten gestalten. Rund dreissig Wohnungen sieht der Entwurf vor, von der 1,5-Zimmer-Wohnung für Alleinstehende bis zur 5,5-Zimmer-Wohnung für Familien.

Angedacht ist auch eine Wohngruppe. Sollte es mehr Interessenten für die WG geben, könnte man an Angebot ausweiten. Die Planer müssen zusätzlich berücksichtigen, dass das Areal in einer WG50-Zone liegt. Es soll also nebst den Wohnungen auch zwanzig Prozent Gewerbeflächen geben. «Das ist nicht einfach zu erfüllen», sagt Roth, «passt aber gut zum Konzept des durchmischten Wohnens. Die Gewerbetreibenden müssen dann eben auch zur Gemeinschaft passen.»

Detaillierter Gestaltungsplan als Grundlage

Alle Bewerber müssen sich an den detaillierten Gestaltungsplan halten, sodass interessant ist, über welche Unterschiede Stadtrat und Gemeinderat nach Abgabefrist Ende August befinden müssen. In der Ausschreibung heisst es, die Vergabe erfolge unter den Kriterien der Art der Nutzung und der architektonischen und städtebaulichen Qualität des Projekts.

Bevorzugt würden auch alternative Wohnbauformen sowie ein genossenschaftlicher Bauträger. Der Vorstand des Projektvereins ist deshalb optimistisch:

«Wir durften unser Projekt schon bei der Stadt vorstellen und sind auf offene Ohren gestossen. Die Stadt will erklärtermassen Genossenschaftswohnungen fördern. Das spricht für uns.»

Einen weiteren Standort ins Auge gefasst

Sollte das Generationenhaus den Zuschlag bekommen, dauert es nach Schätzung des Vereinsvorstands noch mindestens drei bis vier Jahre bis zum Einzug. Falls das Projekt abgelehnt wird, hat der Verein mit der Überbauung Linde der Post-Immobilien noch einen anderen Standort ins Auge gefasst.