«Genau so ein Projekt fehlt in Arbon»: Die Genossenschaft Ziegelhütte will eine Siedlung bauen, in der man sich wie in einem Dorf fühlt

Die Genossenschaft Ziegelhütte baut in Arbon mehrere Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser und Atelierwohnungen. Das ist noch nicht alles.

Sheila Eggmann
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Der Innenhof der Siedlung Ziegelhütte soll zu einem Treffpunkt werden.

Der Innenhof der Siedlung Ziegelhütte soll zu einem Treffpunkt werden.

Visualisierung: PD

Die Stadt Arbon erhält ein neues Dorf. Richtig gelesen. Die Genossenschaft Ziegelhütte will auf dem Areal des ehemaligen evangelischen Alters- und Pflegeheims an der Romanshornerstrasse eine Siedlung bauen. Geplant sind mehreren Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser mit Etagenwohnungen und ein Ateliergebäude, in dem man seine Wohnung selbst ausbauen kann. Insgesamt bietet die Überbauung mit dem Namen «Siedlung Ziegelhütte» Platz für 120 bis 130 Erwachsene und Kinder. «Dies entspricht der idealen ‹dörflichen› Grösse», steht im Projektbeschrieb.

«Genau so ein Projekt fehlt in Arbon», sagt Genossenschaftspräsident Thomas Nussbaumer. Er stellte am Dienstag vor der Hauptversammlung der SP Arbon die Pläne der Siedlung vor.

«Wir wollen im hiesigen Wohnungsmarkt eine Lücke schliessen.»

Damit meint Nussbaumer nicht nur den günstigen Wohnraum, der entstehen soll. Ziel der Siedlung ist nämlich, dass sich die Bewohner rege austauschen, etwa im Innenhof oder in einem der vielen Gemeinschaftsräume.

Vom Fitnessraum bis zum Gemeinschaftsgarten

Das ehemalige Pflegeheim soll zum Haupthaus werden. Darin werden etwa eine gemeinsame Küche, je ein Raum für sportliche Aktivitäten, Musikproben und Werken entstehen. Denkbar sind auch zumietbare Räume, zum Beispiel für Büros.

Auf die Nachbarn soll man zudem im grossen Innenhof treffen. Dort kann man dann auch Radiesli stehlen, wenn man es gut anstellt: Im Innenhof stehen nämlich etwa Pflanzenbeete, Obstbäume, Beerenhecken und Gewürzrabatten zur gemeinsamen Nutzung bereit. «Wir wollen die Lust an praktischer Gartenarbeit und lokalen Produkten fördern», steht im Projektbeschrieb weiter.

Ein Dorf in einer Stadt

Kurz gesagt: Die Siedlung Ziegelhütte bietet Bewohnerinnen und Bewohnern an, zu vorbildlichen Nachbarn zu werden. Sich also auszutauschen, Feste und Märkte im Innenhof zu organisieren, nebenan die Butter auszuleihen und Freundschaften zu schliessen – wie in manch einem Dorf eben.

Und das in einer Stadt, in der der Tag der Nachbarn auf enttäuschend geringe Resonanz gestossen ist. Funktioniert das? «Ja, natürlich», sagt Thomas Nussbaumer, der selbst in einer Genossenschaftswohnung lebt. Klar gebe es zwar manchmal Reibereien, «doch die Vorteile überwiegen eindeutig.»

Die geplante Siedlung Ziegelhütte in Arbon.

Die geplante Siedlung Ziegelhütte in Arbon.

Visualisierung: PD

Interesse an Wohnungen ist gross

Dass das Konzept auf Zustimmung trifft, zeigen auch die Rückmeldungen von einigen Arbonerinnen und Arbonern: Schon über 25 Personen haben Interesse an einer Wohnung angemeldet, obwohl die Genossenschaft bisher kaum dafür geworben hat. Erwünscht sei eine möglichst breite und engagierte Bewohnerschaft – von der Seniorin über den kreativen Jungunternehmer bis hin zur Grossfamilie.

Der Bau der Genossenschaft Ziegelhütte ist derzeit in der Vorprojektphase. Ende September soll die genaue Kostenrechnung stehen. Anteilsscheine können bereits gekauft werden. Gemäss heutigem Stand wird eine Eingabe des Baugesuches auf März 2021 angestrebt.

Hinweis
Informationsveranstaltung zum Projekt Ziegelhütte am Samstag, 26. September, 9 bis 13 Uhr, im Schloss Arbon.