Gemeinderatswahlen
«Ich sehe mein Alter als Vorteil»: Der 18-jährige Diego Müggler will in den Steinacher Gemeinderat

Mit 13 nahm er zum ersten Mal an einer Bürgerversammlung teil, nun kandidiert Diego Müggler für den Steinacher Gemeinderat. Der 18-Jährige interessierte sich dank seiner Familie schon früh für Politik. In seinem Heimatort will sich der Student unter anderem für bessere ÖV-Verbindungen sowie Velo- und Fusswege einsetzen.

Perrine Woodtli
Drucken
Will sich für seine Gemeinde einsetzen: Der Steinacher Diego Müggler kandidiert am 28. November für den frei werdenden Gemeinderatssitz.

Will sich für seine Gemeinde einsetzen: Der Steinacher Diego Müggler kandidiert am 28. November für den frei werdenden Gemeinderatssitz.

Bild: Perrine Woodtli (26. Oktober 2021)

Wahlen, Abstimmungen, politische Anlässe: Für viele Jugendliche und junge Erwachsene nicht so spannend. Alles andere als politikverdrossen ist hingegen Diego Müggler. Der 18-Jährige kandidiert am 28. November für den Steinacher Gemeinderat. Er ist parteilos, sympathisiert aber mit den Sozialdemokraten und den Grünen.

Die Wahl ist nötig, weil Gemeinderat Roland Etter (parteilos) Ende Jahr zurücktritt. Nebst Diego Müggler stellen sich auch Dominik Aliesch (SVP) und Andreas Graf (parteifrei) zur Wahl. «Als ich von Roland Etters Rücktritt erfahren habe, dachte ich gleich: Das würde ich gerne machen», sagt Müggler. Lange überlegen musste er nicht.

«Meine Familie und Freunde haben mich darin bestärkt, es zu versuchen. Ich kann ja nichts verlieren.»

Er kommt aus einer Politikerfamilie

Mügglers Interesse an Politik kommt nicht von ungefähr. «In unserer Familie wurde schon immer viel diskutiert und über Politik gesprochen», sagt der Steinacher, der seit September Politikwissenschaften und Geografie in Zürich studiert. Seine Grossmutter Alice Müggler sass zwölf Jahre lang für die CVP im Kantonsrat, sein Vater Beni Müggler kandidierte vor einem Jahr für die Grünen ebenfalls für den Steinacher Gemeinderat – jedoch erfolglos.

Will der Sohn nun das schaffen, was der Vater nicht zu erreichen vermochte? Müggler schmunzelt. Es sei nicht so, dass er seinem Vater die Kandidatur streitig gemacht habe. «Er hatte schon letztes Jahr gesagt, dass eine erneute Kandidatur für ihn nicht in Frage kommt.» Und für Müggler stellte sich die Frage einer Kandidatur 2020 noch nicht, da er damals noch nicht volljährig war.

Nun sei er endlich 18 Jahre alt, sagt Müggler, der bereits als 13-Jähriger die Bürgerversammlung auf den Zuschauerplätzen mitverfolgte. Lachend sagt er:

«Das Budget habe ich damals zwar noch nicht verstanden. Spannend fand ich das Ganze aber trotzdem.»

Alter ist ein Vorteil

Interessiert hat Müggler in den vergangenen Jahren vor allem die nationale und die kantonale Politik. Er habe zwar auch immer das politische Geschehen in Steinach mitverfolgt. So richtig Feuer dafür entwickelt hat er aber in diesem Frühling während eines Praktikums bei der «Thurgauer Zeitung». «Dort habe ich einen Einblick in den Lokaljournalismus und auch in die kommunale Politik erhalten und ich habe gemerkt, wie viel Spass mir das macht.»

Einige fänden vielleicht, dass er zu jung für so ein Amt sei. Er sieht das aber anders. «Ich sehe mein Alter als Vorteil. Ich bringe eine andere Sichtweise und andere Ideen in den Gemeinderat. Das kann eine Bereicherung sein.» Die meisten Mitglieder seien derzeit zwischen 50 und 60 Jahre alt. Das repräsentiere die Gesellschaft nicht.

Jugendliche sollen Steinach nicht den Rücken kehren

Ihn reize es, sich mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen, Lösungen zu suchen und zu diskutieren, etwas zu bewegen und eigene Ideen einzubringen, sagt Müggler, der sich als strukturiert und engagiert beschreibt. Vor allem die Bereiche Verkehr und Jugendarbeit liegen ihm am Herzen. So würde er sich einerseits für ein besseres ÖV-Angebot sowie bessere Velo- und Fussgängerwege einsetzen. «Steinach hat zwar ein gutes ÖV-Netz. Dennoch gibt es nach wie vor Lücken.»

Der Bereich Verkehr liege ihm, sagt Müggler. In seiner Maturaarbeit an der Unteren Waid hatte er 2020 die Förderung des öffentlichen Verkehrs thematisiert. Nach seinem Abschluss absolvierte er ein Praktikum als Verkehrsplaner.

In Sachen Jugendarbeit sei Steinach schwach. «Wir haben nichts hier. Da wir keine Oberstufe haben, gehen die Jugendlichen beispielsweise nach Arbon oder St.Gallen in die Schule. Danach haben die meisten nichts mehr mit Steinach zu tun», sagt Müggler. Er wolle, dass sich die jungen Leute wieder mehr mit ihrem Dorf identifizieren.

«Hochhaus ist eine Chance für Steinach»

Er selber ist in Steinach verankert und vernetzt. Seit Jahren kickt Müggler als Verteidiger beim FC Steinach, engagiert sich als Lektor in der katholischen Pfarrei Steinach und ist aktives Mitglied in der Pfadi Arbon, wo er die Redaktion der Pfadizeitschrift und auch Gruppen leitet. Wegen seines Studiums nach Zürich ziehen? Für Müggler keine Option. Ihm gefalle es gut daheim, in Steinach.

«Ich habe keinen Drang, von hier wegzukommen.»

Ein Thema, das in Steinach derzeit polarisiert, ist das geplante Hochhaus an der Grenze zu Arbon. Die Stimmberechtigten stimmen am 28. November über den revidierten Rahmennutzungsplan ab. Müggler gehört zu den Befürwortern. «Das Hochhaus ist eine Chance für Steinach. Bis 2040 wächst die Gemeinde um 600 Personen. Im Hochhaus könnten mit einem geringen Platzverbrauch viele dieser Menschen Wohnraum finden.»

Am 28. November wird er auch wissen, ob die Steinacherinnen und Steinacher ihn im Gemeinderat sehen. Wie er seine Wahlchancen einschätzt? Müggler zuckt mit den Schultern. «Schwierig einzuschätzen.» Seine beiden Mitstreiter kennt er nicht wirklich. Er rechne aber mit einem zweiten Wahlgang.

Aktuelle Nachrichten