Gemeinderatswahl Egnach: Fast nichts stört die Harmonie

Die Kandidaten für den Gemeinderat stellen sich an einem Podium den Wählern vor. Die Interpartei geht dabei neue Wege: Das Publikum kann über eine App Fragen stellen. Gemeindepräsident Stephan Tobler gibt der Behörde sehr gute Noten.

Markus Schoch
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Moderator Fabian Etter im Gespräch mit Isabella Wipfler und Stefan Ziegler, die beide erstmals kandidieren. (Bild: Andrea Stalder)

Moderator Fabian Etter im Gespräch mit Isabella Wipfler und Stefan Ziegler, die beide erstmals kandidieren. (Bild: Andrea Stalder)

Es war ein Versuch. Und er ist geglückt. Die Besucher des Wahlpodiums am Donnerstagabend konnten sich interaktiv an der Diskussion beteiligen, indem sie übers Handy mit Moderator Fabian Etter kommunizierten: Ihm Fragen zukommen liessen und stichwortartig erklärten, wo sie den grössten Handlungsbedarf für den Gemeinderat in den nächsten vier Jahren sehen.

Ein grosses Thema für viele sind offenbar die Finanzen. Gemeindepräsident Stephan Tobler (SVP) wehrte sich gegen den Vorwurf, die Behörde habe den Bogen in den letzten Jahren bei den Investitionen überspannt. Die Bevölkerung habe die entsprechenden Kredite jeweils genehmigt, rief er in Erinnerung. Die Sanierung des Gemeindehauses beispielsweise sei dringend nötig gewesen. «Die Renovation war überfällig.»

«Dürfen mit Steuerfuss zufrieden sein»

Mit einem Steuerfuss von 57 Prozenten liege Egnach unter dem kantonalen Schnitt, hielt Tobler all denjenigen entgegen, die dem Fiskus künftig gerne weniger abliefern würden. «Wir dürfen mit der aktuellen Situation zufrieden sein.» Denn die Steuerkraft in Egnach sei kleiner als das kantonale Mittel.

Er verstehe aber, dass die Bevölkerung bei den Finanzen sehr genau hinschaue. Der Spielraum sei aber beschränkt, da viele Ausgaben einer Gemeinde gebunden seien. «Wir könnten beispielsweise bei den Vereinen sparen. Sport und Bewegung sind aber das A und O.» Vor diesem Hintergrund müsse man auch den Bau der neuen Dreifach-Sporthalle für 11,6 Millionen Franken sehen, sagte Tobler. Egnach werde aufgrund seiner Struktur nie eine steuergünstige Gemeinde sein können.

Adi Koch will auf die Bremse treten

Und trotzdem müsse Egnach bei den Investitionen jetzt auf die Bremse treten, sagte Adi Koch (FDP), der seit Ende 2016 im Gemeinderat sitzt. «Wir müssen aufpassen und runter fahren.» Die Behörde habe sich nichts vorwerfen zu lassen, entgegnete ihm Parteikollegin Priska Lang.

«Wir beziehen die Bevölkerung immer ein und informieren gut und transparent. Wir stehen nicht in der Schuld.»

Gleicher Meinung war Tobler. Die Arbeit des Gemeinderates in der zu Ende gehenden Legislaturperiode habe die Note 5,5 verdient, in Bezug auf die Zusammenarbeit sogar eine 6. Er sei überrascht gewesen, wie gut die Behörde funktioniere, sagte Koch. «Es ist möglich, kritische Fragen zu stellen.»

Wirtschaftsförderung ist nicht ganz einfach

Dass es so gut laufe, sei der Hauptgrund, warum er weiter machen wolle, sagte Luzi Tanner (SVP). Er wurde wiederholt gefragt, ob sich die Gemeinde genug fürs lokale Gewerbe einsetze. Bei öffentlichen Vergaben würden klare Spielregeln gelten, über die sie sich nicht hinweg setzten könnten, sagte er.

Es sei auch nicht so einfach, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern. Der Gemeinderat habe die Weilerzone ausdehnen wollen, in der mässig störende dörfliche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe erlaubt sind.

«Ich dachte, das sollte machbar sein. Doch dann hat uns der Kanton eines auf den Deckel gegeben.»

Photovoltaik-Genossenschaft ist nicht vom Tisch

Wohl als Gemeinderätin fühlt sich auch Verena Marty (SP). «Es gibt vieles, auch Kleinigkeiten, die mich freuen.» Ein Aufsteller sei beispielsweise die vor vier Jahren ins Leben gerufene Jugendkommission. Aber auch als Energiestadt sei Egnach auf dem richtigen Weg. Dass es mit der Photovoltaik-Genossenschaft im ersten Anlauf nicht geklappt habe, sei zwar eine Enttäuschung. Die Sache ist für Marty damit aber nicht erledigt. «Wir müssen einen neuen Anlauf nehmen.»

Das Thema Einheitsgemeinde muss nach Meinung von Koch im Zusammenhang mit dem Projekt «Egnach 2030» angegangen werden. «Es braucht eine Auslegeordnung mit einer Beurteilung der Chancen und Risiken.» Erst dann könne man entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Zentral sei, dass die Schulgemeinde im Boot sei, sagte Lang. «Ich weiss, dass sie dran ist.»

«Ich kann mit Kritik umgehen»

Die erstmals kandidierende Isabelle Wipfler (CVP) würde gerne das Ressort Soziales von Christina Holzer übernehmen. Reizvoll findet die Sozialpädagogin besonders das Pilotprojekt der Arbeitsgruppe Kompetenzzentrum Integration (KOI) der Region Arbon. Es geht um einen neuen Ansatz bei der Eingliederung von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt. Sie sei sich bewusst, dass man es nicht allen Recht machen könne, sagte Wipfler. «Ich kann aber mit Kritik umgehen.»

Stefan Ziegler (SVP) möchte in die Fussstapfen von Michael Waldburger treten, der das Ressort Kultur/Tourismus/Sport führt. In der Öffentlichkeit zu stehen, sei nichts Neues für ihn, sagte der Polizist. In der Arbeit sei er bereits «relativ exponiert». Wichtig wäre für ihn, den ländlichen Charakter von Egnach zu erhalten.

«Ich bin sehr Orts- und Heimatverbunden.»

Dem grossen Zusammenhalt in der Bevölkerung müsse Sorge getragen werden.

Wahl am 10. Februar

Für die sechs Sitze im Gemeinderat stellen sich sechs Personen zur Verfügung: Die vier Bisherigen Adi Koch (FDP), Priska Lang (FDP), Verena Marty (SP) und Luzi Tanner (SVP) sowie die beiden Neuen Isabella Wipfler (CVP) und Stefan Ziegler (SVP). Einziger Kandidat fürs Gemeindepräsidium ist Stephan Tobler (SVP). Christina Holzer und Michael Waldburger treten nicht mehr an. (mso)