Gemeindepräsident Hoffmann schlägt für den Hohentanner «Hirschen» eine Betriebsgemeinschaft vor

An einer öffentlichen Informationsveranstaltung in Hohentannen wurde am Donnerstagabend versucht, die Weichen für die Zukunft des gemeindeeigenen Restaurants zu stellen.

Monika Wick
Merken
Drucken
Teilen
Lukas Hoffmann, Gemeindepräsident von Hohentannen und Start-up-Coach, stellt den Veranstaltungsbesuchern seine Vision für das Restaurant Hirschen vor.

Lukas Hoffmann, Gemeindepräsident von Hohentannen und Start-up-Coach, stellt den Veranstaltungsbesuchern seine Vision für das Restaurant Hirschen vor.

Bild: Monika Wick

Wann der «Hirschen» das letzte Mal so voll war, vermochte Lukas Hoffmann, der neben dem Amt als Gemeindepräsident als Start-up-Coach arbeitet, nicht zu sagen. «Wir wollen aber auch nicht zurück, sondern vorwärts schauen», erklärte Hoffmann.

Eine höchst emotionale Angelegenheit

Das Interesse an der Veranstaltung «Dorfrestaurant Hirschen Hohentannen. Wie weiter?» war riesig. Rund 80 Personen strömten am Donnerstagabend in das Lokal am südlichen Dorfrand. «Die Zukunft des ‹Hirschen› scheint ein emotionales und wichtiges Thema für das Dorf zu sein», stellte Hoffmann fest.

Dass er durchaus in der Lage ist, die Situation zu beurteilen, zeigt sein beruflicher Background. Nach seiner Ausbildung zum Confiseur arbeitete Hoffmann in führenden Positionen in angesehenen Betrieben im In- und Ausland.

Was Gäste vom Restaurant erwarten

Dass das Wirten schwieriger geworden ist, bestritt Hoffmann nicht. «Die Einführung der Mehrwertsteuer, der 0,5-Promille-Grenze und des Rauchverbots oder billige Reisemöglichkeiten mit internationalen Food-Erfahrungen haben der Branche zugesetzt», erklärte der Fachmann.

«Heute kann man sich nur noch mit der Angebotsvielfalt absetzen. Zudem muss der Besuch ein Erlebnis sein», fügte Hoffmann hinzu. Eine Umfrage hatte schon 2007 gezeigt, dass sich die Bevölkerung Themenwochen, Events, die Beibehaltung des Dorfbeiz-Charakters, eine saisonale und regionale Küche sowie ein engagiertes, freundliches Personal wünscht.

Der «Hirschen» ist ein Riegelbau an der Hauptstrasse in Hohentannen.

Der «Hirschen» ist ein Riegelbau an der Hauptstrasse in Hohentannen.

Bild: Donato Caspari

All diese Wünsche und noch viele mehr griff Lukas Hoffmann – losgelöst von seinem Amt als Gemeindepräsident – in seiner Vision auf. «Das Projekt ist schräg, aber es könnte durchaus was werden», gab sich Hoffmann zuversichtlich.

Auch für Senioren und junge Mütter machbar

Neben dem Verkauf und einer Vermietung bevorzugt Lukas Hoffmann das Modell einer inhabergeführten Betriebsgemeinschaft. In seinem Konzept «Gastronomie AeraHotel Hirschen» teilen sich sieben Gastgeber die sieben Tage auf und bieten jeden Tag individuelle Programme oder Menus an.

«Trotz eines vorübergehenden Ausfalls eines Gastgebers wäre eine gewisse Konstanz gewahrt. Ein eintägiger Einsatz wäre zudem auch für eine junge Mutter oder für Senioren zu bewältigen», erklärte Hoffmann. Das verhindere auch die Überlastung eines einzelnen Wirts.

Valentin Fässler, Einwohner
von Hohentannen: «Es würde mich
freuen, wenn im ‹Hirschen›
wieder Leben einkehren würde.»

Zudem befürwortet Hoffmann einen gemeinsamen und einheitlichen Marktauftritt. Dieser beinhaltet auch die Übernachtungsmöglichkeiten, welche die Bevölkerung in der Art eines «air b’n’b» anbieten kann. «Somit profitiert nicht nur das Dorf, sondern die ganze Region. Als Zentrale, Anlaufstelle und Rezeption dient der ‹Hirschen›», erklärte Hoffmann.

Die Frist dauert bis Ende Februar

Für die zu tätigenden Investitionen würde die Betriebsgemeinschaft rund 100'000 Franken benötigen. Bis Ende Februar können Interessierte auf der Gemeindeverwaltung eine unverbindliche Bekundung einreichen, in der sie ihre finanzielle Unterstützung oder mögliche Arbeitseinsätze mitteilen können. Danach wird das Projekt dem Gemeinderat unterbreitet.

Lukas Hoffmann wird bei einer Entscheidung in den Ausstand treten. «Visionen brauchen Mut, Leidenschaft und Geduld. Sie beginnen klein und müssen permanent wachsen», sagte der Gemeindepräsident abschliessend.