Gegen Einsamkeit
Weinfeldens Parlamentarier beteiligen sich an Telefonaktion, um ältere Menschen zu unterstützen

Stadträtin Ursi Senn-Bieri will mit ihren Ratskolleginnen und -kollegen sowie den Parlamentariern eine Telefonaktion durchführen. Sie sollen nach dem Befinden von alleinstehenden und über 80-jährigen Weinfelderinnen und Weinfelder fragen.

Sabrina Bächi
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In Weinfelden wird eine Telefonaktion für über 80-Jährige gestartet.

In Weinfelden wird eine Telefonaktion für über 80-Jährige gestartet.

Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 11. November 2021)

Stadträtin Ursi Senn-Bieri hat ein neues Projekt lanciert und diesmal soll das Parlament sowie die Regierung mithelfen. «Es gibt eine Telefonaktion für alle alleinstehenden, über 80-jährigen Personen», erzählt Senn von ihrer Idee. Sie merke in ihrem eigenen Umfeld, dass ältere Menschen immer noch isoliert und teilweise überfordert seien und manchmal auch Schwierigkeiten hätten, etwa einen Impftermin zu organisieren. «Oftmals sind es Kleinigkeiten, die eine Besserung bringen würden und manchmal reicht auch einfach das Nachfragen», weiss Senn.

Stadträtin Ursi Senn-Bieri, Ressort Gesellschaft und Gesundheit.

Stadträtin Ursi Senn-Bieri, Ressort Gesellschaft und Gesundheit.

Bild: Andrea Stalder

Aufgrund des Datenschutzes will sie die Telefonaktion nur mit den Parlamentariern und der Regierung umsetzen. Ein Aufruf zur Teilnahme ist diese Woche per E-Mail erfolgt. Wer sich freiwillig meldet, wird von Bernadette Götsch, Leiterin der Anlaufstelle für Altersfragen, gecoacht.

Es ist schon alles vorbereitet

«Es gibt einen Gesprächsleitfaden und die Adressen werden auch alle in einer Liste zur Verfügung gestellt», sagt Senn. Des Weiteren könnten die Parlamentarier sich selbst aussuchen, wie viel Zeit sie aufwenden wollen und wann sie die ihnen zugeteilten Personen anrufen. «Aber es ist klar, je mehr mitmachen, desto besser ist es.»

Bernadette Götsch, Leiterin der Anlaufstelle für Altersfragen.

Bernadette Götsch, Leiterin der Anlaufstelle für Altersfragen.

Bild: Reto Martin

Bernadette Götsch hat bereits alles für die Aktion vorbereitet. Je nach Anzahl der Freiwilligen kann es kommende Woche losgehen. «Die freiwilligen Parlamentarier müssen alle eine Datenschutzerklärung unterschreiben und brauchen einen Festnetzanschluss», sagt Götsch. Dies sei wichtig, weil die älteren Personen so weniger einen Trickbetrüger fürchten müssten.

Die Gespräche finden nach einem Gesprächsleitfaden statt, sollten Bedürfnisse nach Unterstützung auftauchen, so würde sie informiert und könnte selbst Kontakt aufnehmen und weiterhelfen. «Wir haben immer noch Freiwillige aus der Bevölkerung, die ältere Menschen unterstützen, auf die können wir zurückgreifen», erklärt Götsch.

Bei der Telefonaktion der Parlamentarier gehe es hauptsächlich darum, nach dem Befinden zu fragen. Wenn dies gut klappt, könnte die Aktion auch ausgeweitet werden.

Der Stadtpräsident macht mit

Stadtpräsident Max Vögeli.

Stadtpräsident Max Vögeli.

Bild: Andrea Stalder

Nur zehn Minuten nach dem Versenden des Aufrufes meldete sich Peter Fretz (GLP) zum Freiwilligendienst. «Ich sehe einige Menschen, die Mühe haben, alleine und einsam sind», sagt Fretz. Ihm persönlich sei es sehr wichtig, ältere Menschen zu unterstützen. Dies sei der Grund, weshalb er sich umgehend für die Aktion gemeldet hat. Auch Stadtpräsident Max Vögeli wird sich bei der Aktion beteiligen, sagt er auf Nachfrage.

Nationalrat und Weinfelder Parlamentarier Manuel Strupler.

Nationalrat und Weinfelder Parlamentarier Manuel Strupler.

Bild: Donato Caspari

Petra Merz (JA) wird sich noch anmelden. «Ich habe mich auch schon im Frühling als freiwillige Helferin gemeldet», sagt sie. Das Engagement für die Bevölkerung sei ihr wichtig. Vize-Parlamentspräsident Beat Brüllmann (FDP) unterstützt die Aktion wohl inhaltlich, findet aber die Zeit nicht, sich zu beteiligen. «Ich bin beruflich sehr eingespannt, aber das Engagement und die Aktion finde ich sehr löblich», sagt er auf Anfrage.

Ebenso zeitlich verhindert dürfte wohl SVP-Parlamentarier und Nationalrat Manuel Strupler sein: «Frühling ist Hochsaison für uns Gärtner, ich weiss nicht, ob ich die Zeit finde.»