Gefahr erkannt – aber nicht gebannt: Stadt Weinfelden setzt ihr Konzept zur Sicherheit von Velofahrern und Fussgängern nur langsam um

Die Grünen Weinfelden haben eine Petition lanciert, um der Stadt die Umsetzung des Konzepts für sichere Velowege ans Herz zu legen. Diese geht mit dem Anliegen konform, sieht aber Hürden bei der Umsetzung.

Sabrina Bächi
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Franz Portmann ist fast immer mit dem Velo auf den Weinfelder Strassen unterwegs. Für mehr Sicherheit hat er eine Petition lanciert.

Franz Portmann ist fast immer mit dem Velo auf den Weinfelder Strassen unterwegs. Für mehr Sicherheit hat er eine Petition lanciert.

Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 31. August, 2020)

Weinfelden hat die Gefahr erkannt. Besser gesagt 61 Gefahren für Fussgänger und Velofahrer auf Weinfelder Strassen. Seit 2016 gibt es nämlich ein Konzept für den sogenannten Langsamverkehr, das Massnahmen aufzeigt, wie die Gefahrenorte verbessert oder ausgemerzt werden können. Doch bei der Umsetzung dieser Massnahmen harzt es.

Das zumindest findet die Grüne Partei Weinfelden. Deshalb hat sie unter Federführung von Franz Portmann eine Petition auf die Beine gestellt und sammelt diese Woche noch Unterschriften, damit der Stadtrat die Massnahmen schneller umsetzt. «Von den rund 61 erarbeiteten Massnahmen im Konzept hat die Stadt erst zwölf umgesetzt. Das ist zu wenig», sagt Franz Portmann, der selbst fast ausschliesslich mit dem Velo unterwegs ist.

Priorität für zehn Punkte

Das Konzept haben Verkehrsplaner erstellt. «Es ist ein seriös ausgearbeitetes Konzept, das vieles aufzeigt und beispielsweise auch die Schulwege erfasst hat», sagt Portmann. Die Grünen legen dem Stadtrat mit der Petition nun nahe, sich möglichst schnell um hauptsächlich zehn Punkte zu kümmern und den Fortschritt auch zu kommunizieren.

«Einige Massnahmen sind kostenintensiver, andere wären einfach und günstig umzusetzen.» Zu den gewünschten Verbesserungen gehört etwa die Umgestaltung des Zentrums in eine Begegnungszone mit Tempo 20. «Oder die Anpassung des Mittelstreifens im Bereich der Bahnhofstrasse», sagt Portmann. Dort würden bereits eine neue Markierung und eine Verlängerung des Streifens bis zum «Jacks» ausreichen, heisse es im Konzept Langsamverkehr.

Franz Portmann, Grüne Weinfelden.

Franz Portmann, Grüne Weinfelden.

Bild: Andrea Stalder
«Wir wollen auch, dass im Bereich des Bahnhofs eine Tempo-30-Zone kommt. Da muss die Stadt halt beim Kanton etwas Druck machen und mit Überzeugung für das Projekt einstehen.»

Weiter besage das Konzept, dass der Fussgängerstreifen an der Magdenaustrasse ein Gefahrenpunkt für Velofahrer und Fussgänger sei. «Die Massnahme dort wäre, die Strasse beim Fussgängerstreifen zu verschmälern, damit nur ein Auto durchkommt», sagt Portmann. Das gebe ein breiteres Trottoir und eine bessere Sicht für die Fussgänger.

Weiter oben sei dann ein Kissen angedacht, um Tempo 30 auch umzusetzen. «Das Schöne in Weinfelden ist, dass wir sehr viele Tempo-30-Zonen haben. Das Problem ist aber, dass es nicht reicht, einfach nur eine Tafel hinzustellen», moniert Portmann. Es brauche bauliche Massnahmen. «Ein Kissen kann zudem so gebaut werden, dass es für die Velofahrer kein Problem ist, dieses zu befahren. Es sei denn, man ist zu schnell unterwegs, aber auch als Velofahrer muss man halt das Tempo einhalten», sagt Portmann.

Er erhofft sich, dass durch die Petition die zehn von den Grünen prioritär ausgesuchten Massnahmen schneller umgesetzt würden und dass der Stadtrat mit mehr Überzeugung für den Langsamverkehr einsteht.

Stadtrat zeigt Verständnis für das Anliegen

Der zuständige Stadtrat Daniel Engeli begrüsst die Petition. «Es ist ein legitimes Anliegen, aber die Umsetzung ist eine Herausforderung», sagt Engeli.

Daniel Engeli, Stadtrat Weinfelden.

Daniel Engeli, Stadtrat Weinfelden.

Bild: Andrea Stalder
«Ich selbst bin begeisterter Velofahrer und verstehe die Anliegen.»

Einige Massnahmen seien in Planung, es zeige sich jedoch, dass es bei der Realisierung Hürden gebe. Teilweise, weil es um Landverhandlungen gehe, die Zeit in Anspruch nähmen oder weil die Gespräche mit dem Kanton die Verhandlungen ausbremsten. «Es braucht Zeit.»

Dass aus dem Konzept erst wenige Massnahmen komplett umgesetzt wurden, bestätigt er. Aber: «Wir haben auch Verbesserungen für den Langsamverkehr durchgeführt, die nicht im Konzept stehen.» Insgesamt habe die Stadt also mehr für den Langsamverkehr getan. Auch bezüglich der Magdenaustrasse sei einiges im Gange, aber «eben noch nichts sicher».